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Ich hasse Banken - einschließlich Goldman Sachs

29.07.2020  |  Avi Gilburt
Viele Jahre lang habe ich Mitgliedern von Elliottwavetrader erzählt, dass ich kein Fan von Banken bin. Tatsächlich befinden sie sich auf der Liste meiner Aktien, die ich shorten möchte, wenn wir uns 2023 nähern. Doch während viele Leute auf das Aufwärtspotenzial der Banken über die kommenden 2 bis 3 Jahre fokussiert sind, war ich ziemlich besorgt über die Ziele vieler dieser Banken; und diese Besorgnis basierte auf einigen ihrer Handlungen in den letzten Jahren.

Beispielsweise öffnete Goldman Sachs vor einigen Jahren seine Türen für öffentliche Konten. Das war eine ziemliche Veränderung von Goldmans Geschäftspraxis, die viele ratlos werden ließ. Doch nicht mich; für mich ergab das Sinn. Tatsächlich schrieb ich damals sogar über Goldmans "unerwartete" Handlung und warum man wahrscheinlich diesen Weg eingeschlagen hatte.

Wenn Goldman Sachs also in einigen Jahren Probleme haben könnte, warum würde man dann jetzt wollen, dass "Bürgerliche" Geld einlegen? Wie wir wissen, sind sie einige der schlausten Leute an der Wall Street; also was könnten sie sich dabei gedacht haben?

Diejenigen, die meine Analyse bereits regelmäßig lesen, wissen auch, dass ich niemand bin, der sich einen Aluhut aufsetzt. Doch wenn ich die möglichen Probleme in den langfristigen Charts betrachte, dann fällt mir jedoch ein Gedanke ein, den Untergangspropheten vielleicht mit mir teilen könnten. Bevor ich meine Theorie diskutiere, warum sich Goldman in dieses neue Segment des Bankwesens vorwagen könnte, beginnen wir mit etwas Hintergrundwissen bezüglicher der Beziehung, die Einleger mit ihren Banken haben.

Die meisten Amerikaner verwenden Bankkonten für kommerzielle Zwecke. Wir verwenden sie, um unsere Rechnungen zu bezahlen sowie als Einlage unserer überschüssigen Finanzmittel. Doch was die meisten Leute nicht verstehen, ist die Tatsache, dass wir der Bank tatsächlich einen Kredit verleihen, wenn wir unser Geld bei ihr einlegen, und so zu nicht abgesicherten Gläubigern der Bank werden.

Ja, das Geld, das wir bei einer Bank einlegen, besitzt den rechtlichen Status eines Kredits an die Bank und es gibt keine Sicherheit, dass die Bank eine derartige Einlage an uns zurückzahlen wird. Das ist viel anders, als würden wir Geld an eine Einzelperson verleihen und dann Zinsen für den Kredit erhalten. Der Hauptunterschied ist die Tatsache, dass Sie wahrscheinlich mehr über die finanzielle Stabilität der Person wissen, der Sie Ihr Geld geliehen haben, als über die Bank, der Sie einen Kredit in Form einer Geldeinlage gegeben haben.

Während viele also denken, man könne einfach in die Bank stolzieren und jederzeit sein Geld zurückverlangen, ist dies nicht der Fall. Sollte die Bank in finanzielle Schwierigkeiten und Zahlungsverzug geraten, dann werden Sie zu den Reihen Bankgläubigern gehören, die im Insolvenzprozess ihr Geld zurückhaben möchten.

Viele von Ihnen sagen sicherlich, dass dies kein großes Problem für die meisten Amerikaner ist, weil die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) Bankeinlagen bis zu 250.000 Dollar je Einleger und je versicherter Bank garantiert. Also natürlich glauben die meisten Amerikaner, dass ihre Bankeinlagen recht sicher sind, weil die FDIC ein Sicherheitsnetz für deren nicht versicherten Status bietet. Während dieser Glaube vertretbar ist, wenn individuelle Banken Probleme aufgrund berücksichtigungswürdigen Umständen bekommen, die relativ nichtige Zahlungsausfälle im System verursachen könnten, so ist es kein vertretbarer Gedanke in Zeiten systemischer Belastung.

Bedenken Sie, dass wir 2009, als hohe Belastung auf dem Bankensystem herrschte, die Insurance-Fonds der FDIC ein Defizit von fast 21 Milliarden Dollar verzeichneten. Ja, Sie haben richtig gelesen. Das angebliche "Sicherheitsnetz" hatte ein massives Defizit. Man musste also bedenken, wie stark man sich auf die FDIC verlassen konnte, würden wir einen noch schlimmeren Systemzusammenbruch erleben als 2008. Was hat Goldmans kürzliche Entscheidung also damit zu tun? Nun, wenn wir in Betracht ziehen, was vor mehreren Jahren in Zypern passiert ist, dann könnte das einige Augen öffnen.

Als die Finanzkrise die zyprischen Banken vor einigen Jahren traf, die sich bereits nach Konvertierung zum Euro in einer schlechten Finanzposition befanden, wurde ihnen keine Rettung angeboten (wobei die Gründe dafür politischer Natur zu sein schienen). Deshalb befanden sich zwei große Banken am Rande des Zusammenbruchs. Letztlich musste die Laiki Bank ihre Aktivitäten zurückschrauben und die Einleger der Bank verloren den Großteil ihrer unversicherten Ersparnisse. Doch die Bank of Cyprus, anstatt Aktivitäten zurückzufahren, begann eine Umstrukturierung und verwendete Bargeld von Einlegern als Finanzmittel, die notwendig waren, um die Umstrukturierung effektiv durchführen zu können. Die Einleger erhielten Aktien der umstrukturierten Bank im Austausch gegen ihre Einlagen, die zur Umstrukturierung verwendet wurden.

Ich glaube nicht, dass wir uns am Rande einer großen Bankenkrise befinden, wie 2008 und 2009. Doch wenn Sie meinen langfristigen Chart des S&P 500 betrachten, dann denke ich, dass wir eine weitere derartige Krise erwarten können, und vielleicht eine schlimmere, sobald wir die 2020er Jahre betreten. Das bedeutet, dass Goldman mindestens 3 bis 4 Jahre Zeit hat, die Basis seiner bürgerlichen Einleger aufzubauen, was man jetzt kürzlich bekanntgab.

Lassen Sie uns zuerst annehmen, dass ich mit meinen Erwartungen richtig liege, dass uns eine weitere große Bankenkrise in der nicht allzu fernen Zukunft bevorsteht. Nehmen wir weiterhin an, dass sich die Regierung nicht für einen Bailout entscheidet, sondern feststellt, dass ein "Bailin" im Stile Zyperns bevorzugt wäre. Beginnen wir dann zu verstehen, warum Goldman die Einlagen, die es in virtuellen Tresoren hält, erhöhen möchte?

Es gibt noch einen weiteren Punkt. Soweit ich weiß, gibt es noch immer keine Gesetze, die ein "Bailin"-Szenario im Stile Zyperns autorisieren würden. Während dies nicht bedeutet, dass man ein derartiges Gesetz nicht verabschieden wird, wenn eine verzweifelte "Notfall"-Situation auftritt, so haben wir derzeit keinen Mechanismus, um ein derartiges "Bailin" rechtlich umzusetzen und Einlegern aufzuzwingen.

Ich möchte ebenfalls hervorheben, dass diejenigen, die Einlagen in großen Banken halten, wie Goldman, besser mit Bailins bedient wären als mit einer Insolvenz. Als ehemaliger Anwalt mit reichlich Erfahrung mit Fusionen und Akquisitionen würde ich argumentieren, dass die Einleger ein "Bailin" in einem derartigen Szenario bevorzugen könnten. Unter derart extremen Umständen erhält ein "Bailin" zumindest die "guten" Assets der Bank und gibt Hoffnung, dass man mehr Verluste wiedergutmachen kann, als man im Rahmen eines Insolvenzverfahrens hätte eingestehen müssen. Die Insolvenz-Alternative lässt ihnen gar nichts, eine Umstrukturierung mithilfe eines "Bailin" verschafft ihnen also eine bessere Position als ein normaler unversicherter Gläubiger eigentlich einnehmen würde.

Schlussfolgernd könnte es viele geschäftliche Gründe geben, warum Goldman beschlossen hat, seine Tresore für die Massen zu öffnen. Doch wenn ich bedenke, wo ich den Markt in mehreren Jahren erwarte - sowie die nachhinkenden, langfristigen Charts der Bankenaktien - dann muss man die Möglichkeit eines "Bailin"-Szenarios im Stile Zyperns etwas ernster nehmen. Letztlich muss man selbst entscheiden, ob man Geld bei großen Banken einlegen möchte, wenn man die möglichen Risiken bedenkt, die in den langfristigen Charts angedeutet werden.


Hier der langfristige Chart von GS auf Elliottwavetrader.

Wenn wir einen weiteren Blick darauf werfen, wo wir uns derzeit befinden, dann sieht es so als, als könnten wir dieses deutliche Hoch am Markt, das ich erwarte, erst 2023 erleben. Während ich also letztlich Aufwärtspotenzial bei den Aktien des "Vampirtitenfisches" sehe, so halte ich diese für eine wundervolle Shorting-Gelegenheit in den kommenden Jahren.

Beachten Sie, dass sich der Aktienkurs von Goldman nun unter dem Hoch 2007 befindet, bevor die Finanzkrise begann. Das stellt für mich kein gesundes Bild des Unternehmens dar. Währenddessen denke ich, dass Goldman Sachs in Richtung 320 bis 340 steigen könnte, bevor die Einleger wirklich darum besorgt sein müssen, ihr Bargeld bei einigen der größten Banken der Welt eingelegt zu haben.

Lassen Sie uns diesen Chart also in den kommenden Jahren erneut betrachten, um zu sehen, ob sich alles so entwickelt, wie wir erwarten. Dann können wir weitere Annahmen über die echte Gesundheit des Bankensystem anstellen. Aktuell sieht es für mich nach keinem sonderlich guten, langfristigen Bild aus.


© Avi Gilburt
www.ElliottWaveTrader.net



Der Artikel wurde am 27. Juli 2020 auf www.seekingalpha.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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