Suche
 

Die inflationäre Depression der 2020er Jahre

27.09.2020  |  Steve Saville
[Dies ist ein Auszug aus einem Artikel, der ursprünglich auf tsi-blog.com veröffentlicht wurde.]

Die Zeitspanne über 4 bis 8 Jahre, mit Beginn im Februar diesen Jahres, könnte möglicherweise drei oder mehr offizielle Rezessionen umfassen und als Depression der 2020er Jahre bezeichnet werden. Wenn das der Fall ist, dann wird die Depression der 2020er Jahre inflationär sein, anders als die Depression der 1930er Jahre.

Die Depression der 1930er Jahre war in jeder Hinsicht deflationär, doch die primäre Ursache der Deflation war die Performance der Geldmenge. Wir haben nicht die notwendigen Daten, um die echte Geldmenge (TMS) während der 1930er zu kalkulieren, doch der folgende Chart zeigt, was mit der durchschnittlichen Geldmenge M1 und M2 von 1920 bis 1953 passierte. Der Chart zeigt, dass es von 1929 bis 1933 eine deutliche Kontraktion der US-Geldmenge gab und dass diese im Jahr 1938 nicht höher war als zu Beginn des Jahrzehnts.

Open in new window

Der heutige Zustand der Geldmenge könnte sich nicht stärker von dem Zustand Anfang der 1930er Jahre unterscheiden.* Ein Grund für den Unterschied ist die Tatsache, dass die Fed in den 1930er Jahren durch den Goldstandard eingeschränkt war. Der Goldstandard wurde 1933 verwässert, doch während der 1930er Jahre war der US-Dollar an Gold gekoppelt.

Die letzte, offizielle Verbindung zwischen US-Dollar und Gold wurde 1971 entfernt. Dies machte es für die Fed möglich, deutlich mehr zu tun. Doch soweit wir wissen, tat die Fed in den 1990er Jahren tatsächlich nicht viel mehr als in den 1960er Jahren. Erst in den vergangenen 20 Jahren - und insbesondere in den letzten 12 Jahren - hat sich die Fed von einer Institution, die mit Übernachtzinsen und Bankreserven spielte, in eine zentral planende Agentur verwandelt, die versucht, die Finanzmärkte und die Wirtschaft bis aufs Kleinste zu verwalten. Nach der größten Operationsausweitung der Geschichte scheint es, dass nichts, was mit den Finanzmärkten und der Wirtschaft zu tun hat, außerhalb der Reichweite der Fed liegt.

Parallel zur Erweiterung der Macht und Mission der Fed trat der Gedanken auf den Plan, dass die Währung zur Gewährleistung einer gesunden Wirtschaft im Jahr etwa 2% ihrer Kaufkraft verlieren muss. Dieser Gedanke dominiert nun das Denken der Zentralbanker, wurde jedoch niemals durch Logik und solide Prämissen gerechtfertigt.

Stattdessen wird ein Zentralbanker auf die Frage, warum die Währung im Jahr um 2% abgewertet werden muss, antworten: "Wenn die Inflationsrate deutlich unter 2% fällt, dann wird es für uns schwieriger, Geldpolitik anzuwenden." Aufgrund der Art und Weise, wie die Fed "Inflation" misst, müssen die Lebenshaltungskosten des durchschnittlichen Amerikaners - damit die Fed ihr 2% "Inflationsziel" erreichen kann - um mindestens 5% im Jahr steigen.

Aufgrund des unerschütterlichen Glaubens der Zentralbankwelt, dass Geld kontinuierlich an Kaufkraft verlieren muss und aufgrund der aktuellen Autorität der Zentralbank, zu tun, was auch immer notwendig ist, um deren weitreichende Ziele zu erreichen, wird die wahrgenommene Bedrohung der Deflation zunehmen, je mehr Währungsinflation es gibt. Ein Beispiel haben wir 2001 bis 2002 und wieder 2008 bis 2009 gesehen, doch 2020 ist bisher das beste Beispiel. Die Anzahl der US-Dollar, die seit Beginn des Jahres erschaffen wurden, ist größer als die gesamte US-Geldmenge im Jahr 2002.

Es wäre tatsächlich positiv, wenn Deflation das wahrscheinliche Resultat wäre, wie viele Analysten/Autoren behaupten. Denn es ist recht einfach, sich auf Deflation vorzubereiten, und 1 bis 2 Jahre ernsthafte Deflation würden die Bühne für starkes, langfristiges Wachstum bereiten. Doch der heutige, dominante Treiber ist die Vermeidung von kurzfristigem Schmerz, ungeachtet langfristiger Kosten. Also wird es nichts als Inflation geben, bis diese selbst als Quelle der größten, kurzfristigen Schmerzen anerkannt wird. Das bedeutet nicht, dass eine Depression vermieden oder sogar aufgeschoben wird. Es bedeutet, dass die nächste Depression - die vielleicht bereits begonnen haben könnte - inflationär sein wird.

*Die echte US-Geldmenge wurde über die letzten 12 Monate um 35% erhöht.


© Steve Saville
www.speculative-investor.com



Regelmäßige Finanzmarktprognosen und -analysen stehen auf unserer Webseite www.speculative-investor.com zur Verfügung. Zurzeit bieten wir keine kostenlosen Probeabos an, aber Gratisbeispiele unserer Arbeit (Auszüge aus unseren regelmäßig erscheinenden Kommentaren) können Sie unter www.speculative-investor.com/new/freesamples.html abrufen.

Dieser Artikel wurde am 22. September 2020 auf www.tsi-blog.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


Bewerten 
A A A
PDF Versenden Drucken

Für den Inhalt des Beitrages ist allein der Autor verantwortlich bzw. die aufgeführte Quelle. Bild- oder Filmrechte liegen beim Autor/Quelle bzw. bei der vom ihm benannten Quelle. Bei Übersetzungen können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Der vertretene Standpunkt eines Autors spiegelt generell nicht die Meinung des Webseiten-Betreibers wieder. Mittels der Veröffentlichung will dieser lediglich ein pluralistisches Meinungsbild darstellen. Direkte oder indirekte Aussagen in einem Beitrag stellen keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren dar. Wir wehren uns gegen jede Form von Hass, Diskriminierung und Verletzung der Menschenwürde. Beachten Sie bitte auch unsere AGB/Disclaimer!




Alle Angaben ohne Gewähr! Copyright © by GoldSeiten.de 1999-2020.
Die Reproduktion, Modifikation oder Verwendung der Inhalte ganz oder teilweise ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt!

"Wir weisen Sie ausdrücklich auf unser virtuelles Hausrecht hin!"