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Was sollte man als junger Mensch auf der Suche nach Freiheit in der heutigen Zeit wissen?

12.09.2021  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
1.

Vielen Dank für eure Einladung. Ich hoffe, ihr könnt mich gut hören und, was aber nicht ganz so wichtig ist, auch gut sehen. Ich weiß, es ist der Drang nach Freiheit, der euch heute Abend zusammengebracht hat. Und dass ihr euch vor allem auch mit den theoretischen Grundlagen der Freiheit auseinandersetzen wollt, ist großartig, und daher habe ich Eure Einladung auch sehr gern angenommen.

Die Überschrift meines Referates, die mir vorgeschlagen wurde, und die ich anstandslos angenommen habe, lautet: Was sollte man als junger Mensch auf der Suche nach Freiheit in der heutigen Zeit wissen?

Nun, zunächst solltet ihr wissen - und viele von euch wissen das bereits vermutlich -, dass man der Wahrheit am besten ins Gesicht sieht. Das kann manchmal unangenehm sein. Es ist aber unverzichtbar, wenn man wissen will, was sich tatsächlich abspielt und man seine Ziele auf dieser Welt erreichen will. Und wenn ihr der Wahrheit ins Gesicht seht, dann erkennt ihr, dass die Freiheit, die ihr sucht, in der westlichen Welt auf dem Rückzug ist. Das ist zwar einerseits besorgniserregend. Aber gleichzeitig ist es nichts ungewöhnliches, wie ein Zitat des Ökonomen Ludwig von Mises euch vermitteln soll.

Mises schrieb 1962: “Die Geschichte des Westens, vom Zeitalter der griechischen Polis an bis zum heutigen Widerstand gegen den Sozialismus, ist im Wesentlichen die Geschichte des Kampfes um Freiheit gegen die Übergriffe der Amtsinhaber.”

Was allerdings besorgt machen muss, ist, auf welche Weise die Freiheit von den Übergriffen der Amtsinhaber, vom Staat, unterwandert, relativiert und zerstört wird. Die Tendenz zum autoritären Staat hat in den letzten Jahren mächtig an Fahrt aufgenommen, und das ist vor allem auch deshalb möglich geworden, weil der schleichende Entzug der Freiheit für viele Menschen nicht erkannt oder duldend hingenommen wird.

Viele Menschen sind bereits den Sirenenrufen der kollektivistischen-sozialistischen Ideen zum Opfer gefallen, häufig ohne es zu wissen. Sie streben nicht mehr nach Freiheit von Herrschaft, sondern nur noch nach Beteiligung an der Herrschaft. Sie erblicken im Staat eine Art Heilsbringer, einen Garanten für Recht und Sicherheit, nicht eine Bedrohung für ihre Freiheiten, ihren Wohlstand, ihr Leben.

Das zeigt sich jüngst in aller Deutlichkeit bei den Themen “Klimawandel” und der “Coronavirus-Krise”. Die Sorgen und die Ängste, die sie auslösen, weiß der Staat für seine Zwecke zu nutzen - und zusätzlich zu schüren. Er schmeißt sich als "Retter in der Not" in Pose. Und der Trick scheint zu gelingen. Dem Staat wird mittlerweile nahezu alles anvertraut - Bildung, Gesundheit, Rente etc. -, und Kritik an ihm und seinem Handeln wird vielfach argwöhnisch beäugt oder gar empört zurückgewiesen.

In diesem geistigen Umfeld ist es sogar möglich geworden, dass der Staat und die Sonderinteressengruppen, die ihn für ihre Zwecke einzuspannen wissen, ungeniert an einem “Großen Neustart” der Volkswirtschaften, an einer “Großer Transformation” arbeiten. Dabei geht es im Kern darum, das, was vom freien Markt- und Gesellschaftssystem übrig ist, auch noch auszuschalten und es durch eine Art Befehls- und Lenkungswirtschaft zu ersetzen, in der von zentraler Stelle gesteuert wird, was wann wo und in welcher Menge produziert wird, und wer was wann und wieviel konsumieren darf.

Ihr werdet fragen: Wie kann da die individuelle Freiheit überleben? Wie lässt sich verloren gegangene Freiheit wiedergewinnen?


2.

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, sollte man zunächst das Folgende wissen: Es ist vor allem der intellektuelle Feldzug gegen ökonomische Erkenntnisse - die antikapitalistische Mentalität -, der Freiheit und Wohlstand der Menschen schädigt beziehungsweise zerstört. Vielen Menschen ist heutzutage nicht mehr bewusst, dass ihr Wohlstand nicht vom Himmel gefallen ist, sondern dass sie ihn aus einem ganz bestimmten Grund genießen können: und zwar aufgrund der friedvollen und produktiven Kooperation der Menschen.

Nicht wenige denken irrtümlich, der Staat würde für Wohlstand sorgen. Sie sehen ihn als Beschützer, Helfer, und nicht etwa als das, was Staat und Regierung wirklich sind: Sie stehen für Zwang und Gewalt. (Ich werde das gleich noch näher erläutern.) Häufig wird gesagt: Der Staat, das sind wir alle. Das aber stimmt nicht, wie sich ganz einfach einsehen lässt. Der Staat spaltet die Gesellschaft in zwei Klassen: in Netto-Steuerproduzenten und Netto-Steuerkonsumenten. Der Staat ist Netto-Steuerkonsument und damit nicht "alle".

Die friedvolle und produktive Kooperation der Menschen ist das Ergebnis des freien Marktes, nicht des Staates. Das Geheimnis des materiellen Wohlergehens heißt: freiwillige Arbeitsteilung. Arbeitsteilung bedeutet, dass nicht jeder alles, was er benötigt, selbst produziert, sondern jeder erzeugt das, was er am relativ besten (also mit den vergleichsweise geringsten Kosten) herstellen kann. Man produziert nicht für den Eigenbedarf, sondern für die Bedürfnisse seiner Mitmenschen; und die in Arbeitsteilung erzeugten Güter werden sodann gegen andere Güter getauscht.

Die Arbeitsteilung erhöht die Ergiebigkeit der Arbeit und ist damit nützlich für alle daran Beteiligten. Sie erhöht den Wohlstand für alle - im Vergleich zu einer Situation, in der es keine Arbeitsteilung gibt. Und noch etwas bewirkt die Arbeitsteilung: Die Menschen, die sich arbeitsteilig verbinden, erkennen sich gegenseitig als nützlich in der Bewältigung ihrer Lebensherausforderungen. Die Arbeitsteilung macht sie zu Partnern. Die Arbeitsteilung und der freie Markt sind friedenstiftend.

Die Einsicht, dass Arbeitsteilung vorteilhaft ist für alle daran Beteiligten, gilt nicht nur national, sondern auch international. Die Möglichkeit, die Arbeitsteilung global auszuschöpfen, ist daher nicht nur ein Wohlstands-, sondern auch ein Friedensprogramm für den Planeten. Es ist im allgemeinen Interesse, dass die produktiven Kräfte aller zum Einsatz kommen. Scheidet zum Beispiel ein Land aus der internationalen Arbeitsteilung aus (weil es zum Beispiel sich in einem Bürgerkrieg aufreibt oder von außen mit Handelssanktionen belegt wird), ist das zum Schaden aller. Denn dadurch fällt das Güterangebot geringer aus, als wenn das Land in der internationalen Arbeitsteilung verblieben wäre.

Noch etwas ist wichtig zu erkennen: In einem arbeitsteiligen freien Markt setzen die Eigentümer ihr Eigentum ein, nicht um damit ihre eigenen Bedürfnisse zu stillen, sondern um die Bedürfnisse der Mitmenschen, der Kunden zu bedienen. Der Bäcker backt mit seinem Ofen Brötchen, die den Kunden schmecken sollen, nicht ihm selber. Und wenn er dabei erfolgreich ist, wird er mit Gewinn belohnt.

Der Gewinn ist die Auszeichnung, den Kundenwünschen entsprochen zu haben. Er versetzt den Unternehmer in die Lage, sein Angebot im Sinne der Kunden ausweiten zu können. Erzeugt der Bäcker hingegen Brötchen, die keiner kaufen will, geht er früher oder später Pleite, die Kunden wandern zu besseren Brötchenbäckern ab. Letztere machen dann Gewinne, weil sie die Kundenbedürfnisse besser bedienen.

In einem freien Markt sind es also die Kunden, die bestimmen, was produziert wird und was nicht, und welcher Unternehmer Erfolg hat und welcher nicht. Und die Unternehmer setzen alles daran, die Kundenbedürfnisse bestmöglich zu geringsten Preisen zu bedienen. Dass man dieses Wirtschaftssystem - das für Wohlstand und Frieden sorgt - politisch diskreditiert und sabotiert (durch vielfältige staatliche Eingriffe), ist wohl nur durch ökonomische Unwissenheit, antikapitalistischen Fanatismus und/oder Böswilligkeit zu erklären.

Wenn Ihr Freiheit für Euch und Eure Mitmenschen durchzusetzen wünscht, dann solltet ihr Euch dafür einsetzen, dass dem System des freien Marktes der Weg bereitet wird - denn es ist das System des freien Marktes, dass die Freiheit repräsentiert und bewahrt.



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