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Warum Gold steigen wird: Das Finanzsystem hat sich verändert

05.04.2022  |  Matt Piepenburg
Ungeachtet der jüngsten, massiven Kursvolatilität wird Gold steigen.


Der Perfekte Sturm für Gold

Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich einen Artikel darüber geschrieben, warum Gold nicht stieg. Ich hatte es damals geschrieben und wiederhole es erneut: Die früheren, gähnenden Kursbewegungen beim Gold - in einem ansonsten idealen Umfeld aus Inflation und negativer Realverzinsung - waren nur eine momentane Ruhe vor dem Sturm.

Mit anderen Worten: Der Aufstieg beim Gold - sein perfekter Sturm - war schon im Kommen.

Dieser Sturm sammelt nun Kraft, und Gold wird steigen, aber nicht kerzengerade.

Trotz unvermeidlicher (und extremer) Volatilität (forciert durch Krieg und Inflation) sowie legalisierter Preisabsprachen (darunter auch Tageskursbewegungen von 100 $) an den zunehmend in Verruf geratenen COMEX-Papiermärkten wird Gold weiter steigen, während die Verbraucherpreisinflation in den USA schon bei 7,9% steht.

Auf kürzere Sicht werden die Goldkurse eher schwanken - und zwar abhängig davon, ob die Spannungen in der Ukraine weiter eskalieren oder nachlassen.

Wie ich im Verlauf des Artikels erklären werde, haben die finanziellen Reaktionen des Westens auf die Ukrainekrise just einen Wandel des globalen Systems bewirkt - den aber niemand bemerkt hat. Längerfristig sind das aber extrem gute Zeichen für Gold und dessen Anstiegspotential.


Doch vorab: Was man Jeff Currie von Goldman Sachs lassen muss

Sich über Goldman Sachs lustig zu machen, fällt nicht schwer (ich habe es in der Vergangenheit selbst gemacht; Entschuldigung auch an meine Tochter). Ich gebe aber auch gerne Folgendes zu: Goldman Sachs’ globaler Chef der Rohstoff-Research-Abteilung, Jeff Currie, hat korrekterweise auf Entwicklungen hingewiesen, die er selbst als "den perfekten Sturm für Gold" bezeichnet.

Gemeint ist das nahezu perfekte Zusammentreffen von drei ganz entscheidenden Goldangebotskräften (oder "Wetterfronten"), die aktuell in Bewegung sind.

Die erste dieser Wetterfronten ist die wachsende (und auf Inflations-/ Rezessionsängsten basierende) Kleinanlegernachfrage nach Gold. Das ETF-Handelsvolumen zieht mit aller Kraft nordwärts und könnte durchaus um weitere 600 Tonnen ansteigen.

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Eine andere Wetterfront entsteht mit den Goldankäufen der Zentralbanken. Seit Jahresbeginn sind sie schon um 750 Tonnen gestiegen und markieren damit einen Allzeitrekord.

China und die Türkei kaufen beispielsweise Gold, um, wen überrascht es, um sich vom Dollar unabhängig zu machen (Dedollarisierung, siehe unten), während andere Nationen, wie Brasilien und Indien, Gold aus Gründen der Diversifikation kaufen.

Die dritte und letzte Wetterfront ist die rapide steigende Nachfrage nach physischem Gold, führend hier in erster Linie China und Indien; aber auch Russland sollte hier nicht ausgelassen werden, egal, was man davon hält … Alle drei Goldkanäle (Privatinvestoren, Zentralbanken und physische Märkte) sind objektiv so stark, wie sie nie zuvor gewesen sind, stärker sogar als 2010-2011, als Gold um 70% stieg.

Goldman Sachs’ Preisziel für Gold liegt aktuell bei 2.500 $. Wir denken, dass es viel höher gehen wird … Warum?

Ganz egal, was man von Putin, Russland, den absoluten Schrecken des Krieges, dem Durcheinander der Schlagzeilen oder der Weisheit des Westens halten mag: Die EU und Uncle Sam haben sich selbst und dem globalen Finanzsystem ins gemeinsame Knie geschossen - und niemand scheint Notiz davon zu nehmen.


Finanzwesen als Waffe - Einmal entsichert, ist Vorsicht geboten

Ungeachtet der Tatsache, dass Putin den Westen seit acht Jahren gewarnt hat, die Ukraine solle der NATO fernbleiben (und zwar mit demselben Nachdruck wie Kennedy die Sowjets warnte, sie sollten ihre Raketen von Kuba fernhalten), scheint der Westen irgendwie geschockt, dass brillante "Staatsmänner" wie Kamala Harris nicht schneller denken konnten als Putin …

Obgleich fast jeder Vertreter des US-Außenministeriums seit den späten 1990ern davor warnt, dass ein NATO-Beitritt der Ukraine Selbstmord wäre, täuscht der Westen heute Bestürzung vor.

Anstatt die Ukraine-NATO-Allianz (in der Post-Stalin-Ära fast so überflüssig wie ein Telefon mit Wählscheibe) auf diplomatischem Weg anzugehen, landete die Vizepräsidentin (die eher aus optischen Gründen als der Erfahrung wegen ausgewählt wurde) persönlich in Europa und verdoppelte trotz schlechter NATO-Karten noch einmal die Wettsumme (wobei sie auch ein sehr peinliches Verständnis von europäischer Geographie zeigte).

Anstatt eines Kompromisses folgte anschließend schnell Krieg.

Doch anderes als beim Irak, Syrien, Libyen oder selbst Afghanistan (wo das Hoch-Pokern zum monumentalen Misserfolg wurde), haben sich die großen Denker des Westens jetzt für ein Angsthasenspiel mit einer Atommacht entschieden, was die Dinge, naja, irgendwie komplizierter macht, oder?

Da sich konventionelle Stellvertreterkriege mit einem nuklearen Gegner nicht so leicht führen lassen, blieb dem Westen, nachdem es (nach Putins Vorwarnungen) zur unausweichlichen Invasion der Ukraine gekommen war, nur noch eine gangbare Lösung - nämlich das Finanzwesen zur Waffe zu machen, anstatt mit roten Nuklearknöpfen zu liebäugeln.


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