Könnte eine Abwertung die Goldlosen schröpfen?
22.12.2025 | Matt Piepenburg
Wer einige Jahrzehnte in einem bestimmten Handwerk oder Berufszweig (ob Zimmerei, Medizin, Hochschule, Maurerarbeit oder Finanzmärkte) verbringt, eignet sich nach und nach nicht nur Fähigkeiten an, er lernt auch, Muster zu erkennen. Ich sage gerne: Die Jahre lehren uns Dinge, die im Tagesgeschäft untergehen.Kein KI-Tool kann derartigen Kontext downloaden, übertragen und aufnehmen, weil künstliche Intelligenz, wie die Bezeichnung nahelegt, niemals echter Ersatz für erworbene (und somit tatsächliche) Intelligenz sein kann.
Einen Durchblick entwickeln
Wer sich, wie auch ich, jahrelang durch die komplexen Marktkräfte gekämpft hat (von Derivate-Zeitbomben über COMEX-Tricks bis hin zu Bankenrisiken und Anleihemarktsignalen) wird nicht selten eine, sagen wir, eingefahrene Sichtweise angenommen haben.
Dazu zählen natürlich auch Befangenheiten, denen ich mich nicht weniger schuldig gemacht habe.
Nichtsdestotrotz erlaubt Erfahrung gelegentlich die Sichtung von Leuchttürmen inmitten eines vorsätzlich erzeugten Nebels aus Datenüberflutung, Verschleierung und Störgeräuschen. Kurz gesagt, und ganz ohne Wahrsagerei oder genialen Intelligenzquotienten: Wir können uns bemühen, das Einfache aus dem Komplizierten abzuleiten, um anschließend – auf Grundlage dieser Einfachheit und mit einem bescheidenen Grad an Verständnis – zu handeln.
Sich wiederholende Muster
Das Jahr 2025 geht zu Ende und erneut werden bestimmte vertraute und einfache Muster sichtbar, die denjenigen als Leuchtürme dienen können, die sich ihren Weg durch die geduldeten Nebelwände bahnen möchten.
Wir alle erkennen zum Beispiel, dass die Verschuldung weit über das Grenzmaß des Nachhaltigen hinausgeht – mit den bekannten Folgen: erneute, verstärkte Währungsentwertung, (vorhersehbar) steigende Goldpreise, Metallbörsen, denen die Metalle ausgehen, eskalierende geopolitische Spannungen sowie Risikoanlagen, die sich der Schwerkraft widersetzen – und zwar buchstäblich nach allen erdenklichen Maßstäben (von den Buffet- und Shiller-Indikatoren bis hin zur NVDA-Marktkapitalisierung).
Gemeinsam beobachten wir seit Jahren diese (sowie zahllose andere) Themen, die sowohl komplex als auch einfach, spannend als auch weniger spannend sind, wobei wir stets die Freiheit haben, unseren eigenen Schlussfolgerungen aus den präsentierten Mustern, Fakten, Zahlen und Themen zu ziehen.
Im Folgenden gehe ich auf zwei Themen aus dem Jahr 2025 ein, die uns viel über eine Zukunft sagen, die sowohl mit einer wachsenden Zahl von Fallgruben als auch Chancen gespickt ist.
Konkret beziehe ich mich hierbei auf: 1.) Insider-Aktienverkäufe und 2.) einen potenziellen Neubewertungsplan, der sich hinter der strategischen BTC-Reserveverordnung verbirgt.
Insider-Verkäufe: Die Ratten verlassen das sinkende Schiff
Obwohl ich überzeugter Kapitalist bin, habe ich mich im Laufe der Jahre kritisch mit dem Neofeudalismus auseinandergesetzt, der an die Stelle des freien Marktkapitalismus getreten ist und deswegen von mir als ungesunder sowie "zum Scheitern manipulierter" Wettstreit zwischen Insider-Herren und Normalverbraucher-Knechten kritisiert wird.
Vor langer Zeit schon haben die Herren aus Finanzwelt und Politik akzeptiert, dass man besser "Insider" ist als "das Richtige zu tun" in Fragen von Monopolmacht, Mindestreserve-Bankwesen, Erzeugung von Vermögensblasen, Aufhebung des Glass-Steagall-Gesetzes, Deregulierung der Derivatemärkte, Aktienrückkäufe oder erschreckende Ungleichgewichte zwischen Management- und Mitarbeitergehältern – Bereiche also, die objektiv der Gier trotzen sollten, aber in Richtung Krankhaftigkeit abgleiten.
Diese Gesetzmäßigkeiten der Märkte und der menschlichen Natur werden sich wahrscheinlich nie ändern, was jedoch nicht bedeutet, dass wir uns nicht auf die Folgen dieses unrechten Systems vorbereiten können.
Was viele in der Zeit von 2024 bis heute aber nicht bemerkt haben, ist das astronomische Ausmaß der Insiderverkäufe von öffentlich gehandelten Aktien.
Massive Verkäufe
Seit 2024 haben z.B. Jeffrey Bezos, Mark Zuckerberg, Larry Ellison, Jamie Dimon und die Walton-Familie sowie zahlreiche andere Top-Führungskräfte einzeln und gemeinsam eigene Aktien im Wert von Milliarden am Markthoch verkauft, da sie wussten, dass dieser Markt grotesk überbewertet war und auf eine Rezession zusteuerte.
Die Insider-Verkäufe des Jahres 2024, die sich bis weit ins Jahr 2025 fortsetzten, waren mit 464 Milliarden US-Dollar in der Tat die höchsten Insider-Verkäufe, die jemals verzeichnet wurden – mit Ausnahme ähnlicher Verkäufe in Höhe von 650 Milliarden US-Dollar im Jahr 2007, ein Jahr bevor die Große Finanzkrise von 2008 das globale Finanzsystem in die Knie zwang.
Dies (aber nicht "Nachlassplanung", "Philanthropie" oder "Diversifizierung") war der Grund, warum ein Banken-CEO wie Jamie Dimon, der eigentlich als ausgesprochener Befürworter langfristiger Beteiligungen gilt, aber auch genauestens mit den Signalen für Kreditausfälle und Verbraucherkredite vertraut ist, zum ersten Mal seit 18 Jahren Morgan-Chase-Aktien im Wert von 150 Millionen US-Dollar verkaufte.
Wenn Bezos eigene Amazon-Anteile im Wert von 13 Milliarden US-Dollar abstößt und Ellison 3 Milliarden US-Dollar von seinem Oracle-Aktienkonto abhebt, während Zuckerberg im Jahr 2024 persönliche Meta-Anteile im Gegenwert von 50 Milliarden US-Dollar zu Geld macht, dann entspringt das denselben Motiven und demselben Wissen, über das auch NVDA-Insider verfügten, die ihre Aktien zeitgleich in den Allzeithochs zu Rekordkursen abstießen.
Das war keine Diversifizierung oder zufällige Gewinnmitnahme, sondern die kollektive Erkenntnis, dass die eigenen Unternehmensbewertungen, nach perfekter Kursbearbeitung, auf eine Krise zusteuerten.
Geschichte reimt sich
Natürlich kennen wir dieses Szenario. Auch im Jahr 2007 haben wir ähnliche Insider-Verkäufe – von Countrywide Mortgage über Lehman Brothers bis hin zu Merrill Lynch – gesehen; sie fanden immer vor und nicht nach dem Einbruch statt.
Die Verkaufswelle, die das Jahr 2024 still und leise prägte und sich bis ins Jahr 2025 fortsetzte, ist zumindest für mich ein Signal dafür, dass die Ratten das sinkende Schiff verlassen, Monate bevor der Marktbug die börsianische Wasserlinie nach unten durchbricht.
Noch aussagekräftiger im Kontext der Insider-Verkäufe des Jahres 2024 ist das Verhältnis von Verkäufen zu Käufen (insider sell-to-buy ratio). Im Jahr 2024 erreichte es mit 9:1 und sogar 12:1 historische Spitzenstände, während ein durchschnittlich gesundes Verhältnis bei 3:1 liegt.
Sieht ganz nach einem Verkaufssignal aus, oder?