Schöne neue Welt der Energie‑Fülle Wäre das ohne Silber denkbar?
07:31 Uhr | Hans Jörg Müllenmeister

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Doch die Crux bleibt: Die meisten Supraleiter funktionieren nur bei extrem niedrigen Temperaturen. Erst ein echter Raumtemperatur‑Supraleiter könnte die IT‑Industrie von Grund auf verwandeln.Ein solcher Durchbruch würde die gesamte Elektro‑ und Computertechnik neu ordnen – und Silber wäre nicht länger der "König der Leitfähigkeit".
Utopisch: Die Kernfusion als Herz, die Supraleitung als Schlagader
Kernfusion liefert die Energie. Supraleitung verteilt sie ohne Verlust. Gemeinsam formen sie ein Energiesystem, das nicht mehr auf Ausbeutung beruht, sondern auf Erneuerung.
Zum ersten Mal könnte die Menschheit mehr Energie erzeugen, als sie zerstört. Energie würde nicht mehr erkämpft, sondern geerntet. Nicht mehr rationiert, sondern gestaltet.
Die Rolle der Super‑KI in einer Welt ohne Energieangst
Energie allein schafft keine Zivilisation. Sie ist nur das Blut der Wirtschaft. Die Richtung aber, in die dieses Blut fließt, bestimmen wir selbst.
Eine ethisch geführte KI könnte in dieser neuen Welt nicht Herrscherin sein, sondern Verstärker menschlicher Vernunft. Sie könnte Ressourcen fair verteilen, Verschwendung minimieren, ökologische Systeme stabilisieren und Konflikte entschärfen, bevor sie eskalieren.
Die KI wäre dann nicht Werkzeug der Gier, sondern der Gleichgewichtssinn einer globalen Gesellschaft, die begreift: Macht liegt nicht im Verbrauch, sondern im Bewahren.
Die neue Energieordnung verlangt eine neue Moral
Energie zum Nulltarif ist kein Freibrief. Sie nimmt uns die Ausrede der Knappheit, aber sie gibt uns die Verantwortung der Wahl.
Wenn Energie unendlich scheint, wird sichtbar, was uns wirklich begrenzt: Weisheit. Maß. Ethik. Die wahre Revolution ist nicht die Supraleitung, sondern die Selbstbegrenzung.
Die größte Gefahr ist altbekannt: der Mensch selbst
Energie zum Nulltarif verhindert keine Kriege. Sie verhindert keine Gier. Sie verhindert keine Hybris.
Wenn die Menschheit sich zuvor "ins thermodynamische Gleichgewicht bombt", wird kein Supraleiter der Welt uns retten. Technologie kann Türen öffnen – aber nur die Menschlichkeit macht die Räume dahinter bewohnbar.
Ein Wort zum Silber als strategisches Material
Silberfans müssen sich um die Zukunft ihres Metalls nicht sorgen. Im Gegenteil: Sie stehen am Rand einer Entwicklung, die das Verständnis von Wert und Knappheit neu ordnen wird. Noch bevor Silber durch einen neu entdeckten supraleitfähigen Stoff seine Königstellung als Leitmetall an eine neue Technologie‑Ära abtreten muss, dürfte sein Preis eine historische, fast surreal anmutende Aufwärtsbewegung erleben.
Während die Welt unaufhaltsam in Richtung supraleitender Energienetze marschiert, hat ein Land den strategischen Ernst der Lage unterschätzt: die USA. Jahrzehntelang verfügten sie über gewaltige staatliche Silberbestände – ein metallisches Rückgrat für Notfälle und Kriegszeiten. Diese Reserven sind heute weitgehend Geschichte. Veräußert, verzockt, in der Salzsäure kurzfristiger Haushaltslogik aufgelöst.
Jetzt, da die industrielle Nachfrage weiter explodiert, stehen die Vereinigten Staaten mit leeren Händen da. Die verlogenen Future‑Märkte des Papiersilbers werden unter dieser Diskrepanz zwischen Schein und Sein ächzen, vielleicht sogar kollabieren. Gleichzeitig wird physisches Silber zur heißesten Ware der Welt: von der Elektronik über die Energietechnik bis hin zum Militär, die in Raketen, Sensoren, Kommunikationssystemen und Drohnen Silber in unersättlichen Mengen verschlingen.
Silber ist das tägliche Brot moderner Kriegs‑ und Sicherheitstechnik. Silber als ein Metall, das im Licht der neuen Supraleiter‑Ära zu verblassen beginnt, aber gerade deshalb noch einmal einen letzten, dramatischen Höhenflug erlebt. Ein Stoff, der historisch unverzichtbar war, indes in ferner Zukunft seine ersten Rang verliert – und genau in dieser Übergangsphase wird sein Wert eskalieren.
Schlussgedanke: Die Hoffnung liegt im Material
Stellen Sie sich einen möglichen Morgen vor, in der Energie kein Anlass mehr für Krieg ist, sondern ein Gemeingut. In der Städte ein leuchten statt glühen. In der Rechenzentren denken, ohne zu schwitzen. In der die Menschheit nicht mehr gegen die Natur arbeitet, sondern mit ihr.
Eine Welt, in der wir nicht mehr fragen: Wie viel Energie haben wir? Sondern: Was wollen wir mit all unserer Freiheit anfangen?
Vielleicht wird der Raumtemperatur‑Supraleiter morgen entdeckt. Vielleicht erst in fünfzig Jahren. Vielleicht nie. Doch die Suche danach ist mehr als Wissenschaft. Sie ist ein Symbol für das, was die Menschheit sein könnte:
Eine Spezies, die ihre Werkzeuge klug einsetzt. Die ihre Energie zähmt, statt sich von ihr treiben zu lassen. Die ihre Zukunft gestaltet, statt sie zu verbrennen.
Solange wir forschen, hoffen und nicht aufgeben, ist die Utopie keine Flucht – sondern eine Richtung. Die Energie‑Fülle wäre eine Einladung zur Kreativität.
Hölderlin schrieb: "Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch." Vielleicht – wenn uns das Schicksal gewogen ist – entdecken wir den Raumtemperatur‑Supraleiter genau in dem Moment, in dem das Elektronik‑Multitalent Silber zur Neige geht.
© Hans-Jörg Müllenmeister