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Gold-Baisse nähert sich dem Ende

17.11.2015  |  Mark J. Lundeen
Am Silbermarkt ist man dem Beispiel des Goldmarktes gefolgt und hat sich den panischen Verkäufen angeschlossen, wobei Panik in diesem Fall als Zeitspanne definiert ist, in der an den weitaus meisten Tagen Kursverluste verzeichnet werden - es bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Preise stark einbrechen. Wie am Goldmarkt sind es auch hier die Bären, die in Panik geraten, nicht die Bullen. Ich will damit nicht sagen, dass die Bullen nicht auch unter der Marktsituation zu leiden haben, oder dass es nicht auch den ein oder anderen Bullen gibt, der es satt hat und das Handtuch wirft.

Mir fällt nur auf, dass sich die Edelmetalle angesichts all der Tage, an denen sie in den letzten Wochen im Minus schlossen, besser halten, als erwartet. Silber ist bislang noch nicht auf ein neues Bärenmarkt-Tief gefallen. Gold hat die vergangene Woche zwar leider mit einem neuen Tiefstkurs abgeschlossen, aber nur ganz knapp.

Werfen wir einen schnellen Blick auf die Gold- und Silberkurse der letzten 15 Handelstage. Die Tage, an denen der Kurs im Plus schloss, sind grün markiert. Seit dem 12. Oktober sind 25 Handelstage (fünf Wochen) vergangen, in denen Gold nur sechsmal einen Gewinn verzeichnen konnte. Silber schloss nur an sieben Tagen im Plus. Gold hatte innerhalb dieser Zeit also 19 Tage mit Kursverlusten, bei Silber waren es 18 Tage.

Sehen wir uns jetzt die Preise und die Abweichung des Kurses vom letzten Allzeithoch (BEV) seit dem 12. Oktober an: Gold ist um 79,00 USD (6,8%) bzw. 5,5 BEV-Punkte gefallen, während Silber 1,56 USD (9,83%) oder 3,75 BEV-Punkte verloren hat. Trotz all der Rückschläge, die die Edelmetall-Bullen in den letzten fünf Wochen hinnehmen mussten, konnte die Bären offenbar nicht so viel Schaden anrichten, wie sie sicherlich wollten.

Werfen Sie einen Blick auf die Spalte mit dem "15 Count" von Silber, der die Netto-Bewegung der Stufensumme der letzten 15 Tage anzeigt (schließt der Kurs im Plus, steigt die Stufensumme an diesem Tag +1, schließt er im Minus, fällt sie um -1). Im Laufe des vergangenen Monats ist hier aus der +5 eine -9 geworden - mittlerweile bricht die Stufensumme (die Marktstimmung) beider Edelmetalle ein.

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Wird sich die bearishe Box am Silbermarkt, die bereits seit 54 Monaten Bestand hat, bald schließen? Der langfristige Chart unten scheint das nicht zu bestätigen. Wie weit müsste die Stufensumme von Silber denn fallen, bevor wir sagen könnten, dass sich die bearishe Box geschlossen hat? Da die Chartanalyse eher eine Kunstform als eine exakte Wissenschaft darstellt, gibt es keine eindeutige Regel, der man folgen kann, aber ein schneller Einbruch auf unter 430 Punkte innerhalb der nächsten zwei Monate wäre vermutlich ausreichend.

In diesem Fall würde sich die Box schließen, d. h. die bullischen Marktteilnehmer erkennen angesichts der fallenden Kurse ihren Fehler und ab diesem Punkt bewegen sich die Stufensumme und der Preis wieder in die gleiche Richtung - in diesem Fall nach unten, da es sich um eine bearishe Box handelt.

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Nach dem Schließen einer bearishen Box hält der Abwärtstrend des Preises und der Stufensumme typischerweise noch eine Zeit lang an. Das Schließen der Box ist jedoch ein starker Indikator dafür, dass das Schlimmste bereits überstanden ist, sowohl in Bezug auf die Dauer der Baisse als auch hinsichtlich der Kursverluste. Es gibt Ausnahmen, die die Regel bestätigen, beispielsweise die bearishe Box des Dow Jones während der Großen Depression und die von Gold in den 1990ern. Ich bin jedoch nicht der Ansicht, dass die aktuellen Formationen am Silber- und Goldmarkt eine weitere Ausnahme darstellen.

Ein Preisrückgang um 70% - die letzten fünf Jahre waren wirklich miserabel für Silberbullen. Und das ganze Elend geht auf das Konto von Zombie-Banken, die unter den Nachwirkungen der Immobilienkrise von 2007 bis 2009 schon vor Jahren hätten abgewickelt werden sollen, aber dennoch weiter nicht existentes Silber an der COMEX und der LBMA verkaufen. Wenn der Markt echtes Bullion-Silber eines Tages endlich korrekt bewertet (ohne die erschwindelten Terminkontrakte mit einzuberechnen), wird sich die Marktsituation rasant ändern.

Sie brauchen sich nur anzusehen, wie sich der Silberkurs zwischen Februar 2010 und April 2011 entwickelte: Er stieg in etwas mehr als einem Jahr von 15 USD auf 49 USD (siehe Chart oben). Seien Sie nicht überrascht, falls wir bald eine Wiederholung dieser Bewegung erleben sollten.

Der nächste Silberchart einschließlich der Stufensumme umfasst den Zeitraum seit Januar 2011. Anhand dieses kurzfristigeren Charts würde ich sagen, dass ein Nachgeben der Stufensumme bis auf 440 Punkte in den nächsten zwei Monaten ausreicht, um die bearishe Box zu schließen - zumindest falls der Silberkurs seinen Abwärtstrend fortsetzt, was nicht unbedingt der Fall sein muss.


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