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Zinsen im Sinkflug - Comeback des Goldgeldes

25.07.2016  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
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Quelle: Bloomberg


An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass insbesondere der Euro-Bankensektor nach wie vor unter Druck steht - wie die gesunkenen Aktienkurse und die gestiegenen Kreditausfallsorgen zeigen. Greift die Politik im Zuge der Bankensanierung zum vorgesehenen "Bail in" - beteiligt sie also die Halter von Bank-Schuldpapieren an der Verlustdeckung -, so stehen Sparern und Anlegern mitunter große Zahlungsausfälle ins Haus. Schmeißt die EZB die elektronische Notenpresse an, um die Banken zu sanieren, droht natürlich ein Kaufkraftverlust des Euro nach innen und außen.


Institutionelle Goldnachfrage

Auch und gerade für intentionelle Investoren können die Edelmetallmärkte natürlich von Interesse sein. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gab eines einen fulminanten Rohstoffpreis-Boom. Die Aussicht auf künftige Preiszuwächse ermunterte viele institutionelle Investoren, in Rohstoffe - direkt oder indirekt (über Exchange Trade Funds (ETFs)) - zu investieren.

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Quelle: Bloomberg


Mit dem Ende des Rohstoffpreis-Booms, der ab etwa Mitte 2008 einsetzte, hat sich jedoch die Attraktivität von insbesondere Gold und Silber merklich verbes-sert. Denn seither sind die Zinsen weltweit auf Talfahrt. In der Tat hat die Gold-Nachfrage über ETFs darauf reagiert. Die nachstehende Grafik zeigt die Entwicklung der Goldbestände der Exchange Traded Funds (ETFs) seit Anfang 2007, zusammen mit der Entwicklung der kurzfristigen US-Zinsen. Man erkennt einen negativen Zusammenhang: Fallen die Zinsen, steigt die Gold-ETF-Nachfrage - und umgekehrt.

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Quelle: Bloomberg


Dieser Zusammenhang ist - bei genauem Nachdenken - nicht wirklich überraschend. Denn ist der Zins niedrig, wird das Halten von Gold attraktiv(er): Dem Halter entgehen dann nur geringe Zinserträge, die er andernfalls mit dem Halten von zum Beispiel festverzinslichen Papieren oder Bankeinlagen hätte erzielen können. Entsprechend nimmt die Goldnachfrage ab, wenn der Zins steigt: Wer Gold hält, dem entgehen schließlich Zinserträge.

Interessanterweise besteht aber nicht nur zwischen den Beständen der Gold-ETFs und den US-Kurzfristzinsen ein recht enger (negativer) Zusammenhang, sondern einen ähnlich engen (nun aber positiven) Zusammenhang gibt es auch zwischen den Gold-ETF-Beständen und dem Goldpreis (in USD/oz): Eine Zunahme der Gold-ETF-Bestände ist einhergegangen mit einem steigenden Goldpreis - und umgekehrt.

Was man aus dem bisher Gesagten ableiten kann, ist das Folgende: (1) das Zinsumfeld hat in erheblichem Maße die Nachfrage nach Gold-ETFs bestimmt, zumindest in der kurzen Frist, und (2) die zinsreagible Nachfrage der Gold-ETFs (die nicht nur, aber vor allem auch von institutionellen Investoren angetrieben sein dürfte) scheint einen besonders bedeutenden Einfluss auf den Goldpreis ausgeübt zu haben.


Zinsführerschaft der Zentralbanken

Vor diesem Hintergrund des bisher Gesagten sollte sich der Edelmetallinvestor genauer mit der Frage beschäftigen: Werden die Zinsen dauerhaft niedrig bleiben (können), oder muss man nicht doch mit künftig wieder steigenden Zinsen rechnen? - Üblicherweise wird der Marktzins erklärt durch das Angebot von und die Nachfrage nach Krediten, etwa in Form von Anleihen.

Im einfachsten Fall setzt sich der nominale Marktzins zusammen aus dem "Realzins", einer Kreditprämie und einer Prämie für die künftig erwartete Inflation. Im "Normalfall" würde man erwarten, dass der nominale Marktzins positiv ist. Er kann jedoch auch negativ werden, und zwar dann, wenn die Inflationsprämie stark negativ wird (und das kann bei Deflationserwartungen durchaus der Fall sein).

Mittlerweile sind die Zinsmärkte jedoch keine freien Märkte mehr, sondern sie werden maßgeblich von den Zentralbanken gesteuert. Letztere haben die Kurzfristzinsen (die sie üblicherweise bestimmen) auf extrem niedrige Niveaus geschleust. Das zieht auch tendenziell die Zinsen für langlaufende Anleihen nach unten (und zwar im Zuge der sogenannten Zinsarbitrage).


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