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Kurzer Abriss der Volkswirtschaftslehre a la Tucholsky

09.09.2016  |  Prof. Dr. Hans J. Bocker
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Export, Import, Zoll, Kredit, Rettungen

Eine führende Rolle im Handel spielt der Export. Dort wird losgeschlagen, was die heimischen Bürger sich nicht leisten können. Ausserdem kaufen letztere keine fremden Waren, weil dies unpatriotisch ist, vor allem in den USA. Dort ist fast alles patriotisch, ausser Leuten wie Clinton, und in der EU die gesamte Führungsspitze. Das Überfallen anderer Länder gilt als extrem patriotisch.

Läuft der Export rückwärts, ist dies dann der Import. In der Mehrzahl handelt es sich dann um teure Zigarren. Dass Arbeiter auch einen Lohn bekommen sollten, ist eine alte Theorie, die aber mit Ausnahme von unqualifizierten Zuwanderern und den VW-Zulieferbetrieben, demnächst fallengelassen werden soll.

Schutzzölle schützen viel Unproduktives, vor allem aber die Landwirtschaft, die seit über 120 Jahren am Rande des Zusammenbruchs dahinvegetiert, aber sich dabei sauwohl fühlt. Der Landwirtschaft aber geht es so schlecht, weil ihr die Industrie so viel wegnimmt, und letzterer geht es ebenfalls schlecht, weil die Landwirtschaft, nebst Brüssel, ihr nichts übrig lässt. Beide Sektoren, nebst Mittelstand aber müssen überhöhte Steuern bezahlen, die flugs auf den Konsumenten abgewälzt werden.

Im Übrigen wird fieberhaft am Ausbau der Roboterindustrie gearbeitet. Nach Komplettierung dieses Projektes, braucht ausser den Steuereintreibern niemand mehr zu arbeiten, nicht mal Mittwoch nachmittags für 2 Stunden.

Die Volkswirtschaft beruht auf dem Kreditsystem, also dem grundlegenden Irrtum, dass geliehenes Geld jemals wieder zurückgezahlt wird. Hierbei haben es die Regierungen, die Banken, Griechenland und Grossfirmen, zu wahrer Meisterschaft gebracht. Nur der Bürger und der Mittelstand wird geschröpft, bis sie weissbluten. Je ärger sich einer der Grossen verschuldet und nicht mehr zahlen kann, desto mehr und schneller wird er mit Steuergeldern gerettet. Schuldenmacher werden belohnt, genau wie im neuen System der Negativzinsen. Je mehr gerettet werden muss, völlig alternativlos natürlich, umso stärker fordern Regierungen und Medien das Volk auf, «volles Vertrauen» zu haben.

Gerettet wird durch Bail-outs, also durch Hilfe von aussen (Steuergeld), wie auch von innen durch Bail-ins, wobei hier die Bankkunden und deren Konten zur Kasse gebeten werden. Genau so, wie in Zypern so erfolgreich getestet wurde. Haben alle Reichen ihre Vermögen ins sichere Ausland verbracht, wird das als «der Ernst der Lage» bezeichnet.


AGs und Börsen

Aktiengesellschaften sind in einer Volkswirtschaft unvermeidlich, schaffen sie doch Arbeitsplätze in Form von Aufsichtsräten, bieten dem Aktionär Wurstbrötchen und Coca Cola auf Generalversammlungen, sowie die Chance gegen zu niedrige Dividenden eine Stimme abzugeben. Kann die AG keine Steuern und Dividenden bezahlen, wird dies in einer Abschlussbilanz mit tief ergreifenden Worten geschildert.

Auf den Börsen wurde früher im Parketthandel viel geschrien. Heute geht das alles elektronisch. Wird besonders wenig auf die Tastaturen eingeschlagen, ist die Börse «fest». Was die grossen Mitspieler an der Börse angeht, so sagt Tucholsky wörtlich: «Die Börse dient dazu, einer Reihe aufgeregter Herren den Spielklub und das Restaurant zu ersetzen. Sie frömmeren gehen dazu noch in die Synagoge. Und die Börse erfüllt eine volkswirtschaftliche Funktion, denn ohne sie verbreiteten sich neue Witze wesentlich langsamer».

Natürlich wäre Tucholsky auf die totale Digitalisierung und das Computer-Zeitalter eingegangen, dessen Kernstück er im neuen Vaterunser sah.


Das Neue Vaterunser

Der Zentralbankchef spricht es jeden Morgen und Abend jeweils um halb acht in allen TV-Stationen der Nation langsam vor, und alle Bürger, im Alter von 3 bis 99 wiederholen es laut, mit voller Überzeugung:

  • Data unser,

  • die ihr seid im Computer:

  • Geheiligt werde euer Inhalt, gesegnet sei die überwachte, die Festplatte.

  • Unsere Total-Versklavung, Hyperinflation, Bargeldverbot, und das Modell der gläsernen Milchkuh als Bürger, komme über uns,

  • wie von Draghi, Rockefeller, Rothschild und der Hochfinanz geplant.

  • Deine Vorratsdatenspeicherung geschehe,

  • wie auf der Kreditkarte,

  • so auch auf der Festplatte.

  • Unseren täglichen Kredit gib uns heute,

  • zusammen mit immer neuen Aufschuldungsraten, massiver Geldentwertung, der Voll-Digitalisierung des Lebens, und zentral gesteuerten Falschinformationen durch Regierung und Medien.

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  • Und vergib uns unseren Geiz, unsere Gutgläubigkeit und Ignoranz gegenüber den alternativlosen Rettungsaktionen todkranker Länder, Banken und Konzerne auf unsere Kosten, aber wir schaffen das.

  • Wie auch wir vergeben unseren Finanzberatern, Bankstern und dem Finanzamt.

  • Führe uns zielsicher ins nächste Einkaufszentrum!

  • Und erlöse uns von unserer Kaufunlust, doch gewähre uns Nullzinsen, Negativrenditen und totale Zyprisierung.

Denn Dein ist die Hausbank, die Landesbank und die Zentralbank, sowie die unbegrenzte Geldschaffung aus dem Nichts. In Ewigkeit! Amen


© Prof. Hans-Jürgen Bocker
www.profbocker.ch


Anmerkung GoldSeiten: Das neueste Buch von Prof. Dr. Bocker erscheint voraussichtlich im Oktober 2016. Es kann über www.profbocker.ch oder unserem Buchshop vorbestellt werden. Nach Erscheinung ist es in jeder Buchhandlung erhältlich.



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