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Der am stärksten manipulierte Markt der Welt

21.07.2017  |  Theodore Butler
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Am 18. April dieses Jahres hielten die vier größten Marktteilnehmer eine Rekord-Short-Position von insgesamt 79.338 Kontrakten. Das entspricht mehr als 396 Millionen Unzen bzw. Leerverkäufen im Umfang von fast 100 Millionen Unzen Silber pro Trader. Wenn Sie nach einem Grund dafür suchen, dass der Anstieg des Silberkurses bei 18,50 $ gedeckelt wurde, dann haben Sie ihn jetzt gefunden.

Die Möglichkeit, eine unbegrenzte Anzahl von Silberfutures zu shorten, um den Preis nach unten zu drücken, ist allerdings nur ein Teil des Erfolgsrezeptes für eine makellose Bilanz - wenn auch der wichtigste Teil. Sobald die Silberrally durch den Leerverkauf so vieler Kontrakte gedeckelt wurde, wie dazu eben nötig waren, müssen die Short-Positionen zu niedrigeren Preisen eingedeckt werden, wenn mit den Trades ein Profit erzielt werden soll. Wie genau das funktioniert, ist schwerer zu erkennen als die Tatsache, dass die Bullionbanken so viele Silberkontrakte leerverkaufen können, wie sie wollen. Doch wenn wir genau hinsehen, können wir die Methode aufdecken.

Der Schlüssel zum gewinnbringenden Eindecken am Silbermarkt aller eröffneten Short-Positionen sind ganz einfach geheime Absprachen. An diesen sind nicht nur die vier größten Shortseller, sondern auch alle kleineren Commercials beteiligt. Wir wissen, dass die Commercials die Hedgefonds permanent über den Tisch ziehen und an der Nase herumführen. Die Commercials bringen die Fonds dazu, ihre Positionen zu liquidieren oder aufzustocken, da diese sich an technischen Signalen orientieren und kaufen, wenn die Preise steigen, bzw. verkaufen, wenn die Preise sinken. Die entsprechenden Preissignale werden von den Commercials mittels Spoofing und Hochfrequenzhandel erzeugt.

Durch die Abwärtsmanipulation des Preises werden die Hedgefonds also überredet, einen Teil ihrer Long-Positionen abzustoßen. Wenn es nun darum geht, die von den Fonds verkauften Kontrakte aufzusammeln, legen die Commercials eine bemerkenswerte Geduld und Disziplin an den Tag. Hier kommen fraglos die Absprachen ins Spiel, denn für einen offenen Konkurrenzkampf zwischen den Commercials fehlt jedes Anzeichen.

Beim Rückkauf der Silberfutures kommt es nie zu Drängeleien. Die Commercials sind stattdessen das perfekte Musterbeispiel für Anstand und Geduld. Dafür gibt es auch einen guten Grund: Wenn auch nur eine der Banken vorpreschen und vor den anderen mit dem Eindecken ihrer Shorts beginnen würde, würde der ganze Schwindel scheitern. Ich habe die Commercials im Scherz einmal mit den Drei Musketieren verglichen, denn auch bei ihnen gilt normalerweise das Motto "Einer für alle, alle für einen". Aber die ganze Angelegenheit ist gewiss nicht zum Lachen. Eine Zusammenarbeit dieser Art erfüllt den Tatbestand geheimer, illegaler Absprachen.

Der Silbermarkt ist zweifellos der am stärkten manipulierte Markt der Welt, denn andernfalls wäre eine perfekte Tradingbilanz, wie sie von JP Morgan und einigen anderen Shortsellern erzielt wurde, vollkommen unmöglich. Die einzige Frage ist, was man dagegen tun kann und wird.

Im Laufe der Zeit werden die Betrügereien für eine wachsende Zahl an Marktbeobachtern offensichtlich werden, darunter auch die Hedgefonds, die dem Betrug in erster Linie zum Opfer fallen. Wenn genügend Menschen über die wahren Vorgänge am Silberterminmarkt informiert sind, wird es zu Veränderungen kommen, die die perfekte Tradingbilanz der großen Leerverkäufer zunichte machen. Sie wissen ja - Wissen ist Macht.

Meiner Meinung nach könnte der Schwindel jedoch schneller beendet werden, wenn die Regulatoren, einschließlich des neuen Direktors der CFTC James McDonald, die Sache in die Hand nehmen würden. Wahrscheinlich besteht nicht die geringste Chance, dass die Börsenaufsicht JP Morgan jemals der Silberpreismanipulation für schuldig erklärt (auch wenn die kriminellen Banker das wirklich verdient hätten), weil die Bank in diesem Fall mit einer potentiell unbegrenzten Zahl von Anklagen und strafrechtlichen Verfolgungen konfrontiert würde.

Dies wäre genug, um ein scheinbar unsinkbares Schiff untergehen zu lassen. Keine Regierungsbehörde würde das je riskieren. Das bedeutet jedoch nicht, dass den Regulatoren gänzlich die Hände gebunden sind.

Mr. McDonald sollte JP Morgan und den anderen großen Leerverkäufern ganz im Vertrauen, aber sehr nachdrücklich nahelegen, nie wieder neue Short-Positionen zu eröffnen. Auf diese Weise könnte die perfekte Tradingbilanz unterbrochen werden und die Manipulationen hätten ein unverzügliches Ende. Werden die Regulatoren und McDonald den Mut haben, das zu tun?

Wir werden sehen, aber die Zeit läuft. McDonald ist zwar erst seit zwei Monaten im Amt, doch in dieser Zeit wurde der Silberpreis bereits zweimal auf unglaublich unverfrorene Art und Weise nach unten geschmettert. Um diesen Betrug zu beenden, muss rigoros gegen die Manipulatoren vorgegangen werden. Es nützt nichts, so zu tun als sei das Spiel gar nicht manipuliert.


© Theodore Butler
www.butlerresearch.com



(Diese Abhandlung wurde vom Silberanalysten Theodore Butler, einem unabhängigen Berater, verfasst. Investment Rarities teilt seine Ansichten nicht notwendigerweise, diese können sich als richtig oder falsch herausstellen.)
Exklusiv übersetzt für GoldSeiten.de. Das Original wurde am 22.6.2017 auf der Webseite www.silverseek.com veröffentlicht.



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