Suche
 

Geblendet von der Geldillusion: Eine Chronologie der Finanzkatastrophen

11.07.2017  |  Michael J. Kosares
- Seite 2 -
"Die Ansichten der Goldbugs, die die Zuverlässigkeit der Fiatwährungen, d. h. des nicht mit Hilfe von Edelmetallen verankerten Papiergeldes, schon immer angezweifelt haben, wurden nun in großen Teilen gerechtfertigt. Doch warum war der Rest von uns so geblendet von der Geldillusion?"

Ja, warum? Und warum sind bitteschön heute noch immer so viele von ihr geblendet?

"Du sagt: 'Ich dachte nicht, dass das geschehen würde.' Doch denkst du, das es etwas gibt, was nicht geschehen wird, wenn du weißt, dass es möglich ist, und siehst, dass es bereits geschehen ist?" - Seneca


Fieberwahn, Panik, Crash und Kollaps: Eine Chronologie der Finanzkrisen

Staatsbankrott, 400 v. Chr., Syrakus, Griechenland: Dionysius konfiszierte Gold- und Silbermünzen, um sie einzuschmelzen und neu zu prägen. Dabei ließ er das Gewicht unverändert, erhöhte aber den Nominalwert von einer Drachme auf zwei Drachmen. Das war die erste bekannte, offizielle Währungsabwertung der Geschichte auf Kosten der allgemeinen Bevölkerung. Sie hatte eine starke Inflation zur Folge.

Staatsbankrott, 377 v. Chr., Ephesos, Griechenland: Gold- und Silberschmuck wurde konfisziert, um das Haushaltsdefizit zu finanzieren und den Zusammenbruch des Stadtstaates zu verhindern. Wie Aristoteles berichtete, wurden die Besitzer nicht entschädigt.

Inflation während der Punischen Kriege, 241-146 v. Chr., Rom: Die Gold- und Silbermünzen wurden kontinuierlich abgewertet, um den Krieg gegen Karthago zu finanzieren. Wohlhabende Sparer, die sich gewisse Edelmetallrücklagen geschaffen hatten, erlitten die größten Verluste. Die Mehrheit der stark verschuldeten Bürger hatte jedoch nichts einzuwenden.

Staatsbankrott, ca. 200 v. Chr., Milet, Griechenland: Während einer wirtschaftlichen Rezession kam es zur ersten überlieferten öffentlichen, erzwungenen Anleihezeichnung durch die Bürger. Mit dem Erlös wurden die Schulden des insolventen Stadtstaates bezahlt.

Inflationskrise, 64 n. Chr., Rom: Die Abwertung der Gold-, Silber- und Kupfermünzen durch Kaiser Nero kam für die römischen Sparer einer indirekten Steuer gleich. Die Geldpolitik führte zu Inflation und einer allgemeinen Verarmung der unteren Klassen. Die gleiche Taktik der Währungsentwertung wurde während des Niedergangs des Römischen Reiches wiederholt angewendet.

Inflationskrise, 301 n. Chr., Rom: Der Kaiser Diokletian prägte einen überbewerteten Silberdenar und löste damit eine rasante und verheerende Preisinflation, einen Spekulationsrausch und gesellschaftliches Chaos aus.

Inflationskrise, 1020, China: Während der S'ung-Dynastie wurde eines der ersten Papierwährungssysteme und das Drucken von neuem Geld genutzt, um mögliche Angreifer zu beschwichtigen. Die Folge war eine grassierende Inflation.

(Hinweis: Der Chinese Cai Lun hat im Jahr 105 n. Chr. das Papier erfunden, daher ist es nur passend, dass China im Jahr 806 n. Chr. auch die ersten papiernen Banknoten einführte. Als Marco Polo aus Fernost zurückkehrte, beschrieb er deren Verwendung als Geld: "All diese Papierscheine werden mit einem solchen Ernst und einer solchen Autorität herausgegeben als wären sie aus reinem Gold und Silber.

Auf jeden Schein müssen verschiedene Beamte ihren Namen schreiben und ihr Siegel setzen. Wenn alles ordnungsgemäß vorbereitet ist, taucht der vom Khan entsandte oberste Beamte das ihm anvertraute Siegel in Zinnoberrot und drückt es auf das Papier, sodass die Form des Siegels in rot aufgedruckt wird. Das Geld ist nun gültig und jeder, der es fälscht, würde mit dem Tode bestraft." Es ist wohl kaum überraschend, dass er erste Missbrauch des Papiergeldes auch dort stattfand, wo es zuerst eingeführt wurde.

Hyperinflation, 1166, China: Als die Regierung der Chin-Dynastie basierend auf ihrem Monopol auf Tee und Salz begann Geld zu drucken, um den Krieg gegen die Mongolen zu finanzieren, führte das zu einem hyperinflationärem Kollaps.

Inflationskrisen von 1296, 1309, 1350 und 1374, China: Verschiedene Dynastien gaben im Zusammenhang mit einem explosiven Anstieg der Verschuldung abgewertete Währungseinheiten heraus und verursachten dadurch eine ganze Reihe von Inflationskrisen, einschließlich nachfolgender Einbrüche der Wirtschaft.

Inflationskrise, 1455, China: Nachdem die übermäßige Ausgabe von Papiergeld einen sprunghaften Anstieg der Inflationsrate verursacht hatte, wurde Papier als Zahlungsmittel für einige hundert Jahre abgeschafft.

Kollaps der Bank der Familie Medici, 1494, Florenz: Korruption, Fehlinvestitionen, politische Intrigen und ein inkompetentes Management führten zum Niedergang des berühmten florentinischen Bankhauses. Die Verluste in Millionenhöhe hatten zur Folge, dass den Bürgern drakonische Steuern aufgebürdet wurden.

Inflation von 1520-1640, Spanien, Europa: Durch das Gold und Silber, das die Seefahrer aus der Neuen Welt mitbrachten, sank der Wert des Geldes und ganz Europa wurde von einer Hyperinflation heimgesucht. Spanien erklärte 1557, 1560, 1575 und 1596 die Staatsinsolvenz, weil es außer Stande war, seine Schulden zu begleichen.


Bewerten 
A A A
PDF Versenden Drucken

Für den Inhalt des Beitrages ist allein der Autor verantwortlich bzw. die aufgeführte Quelle. Bild- oder Filmrechte liegen beim Autor/Quelle bzw. bei der vom ihm benannten Quelle. Bei Übersetzungen können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Der vertretene Standpunkt eines Autors spiegelt generell nicht die Meinung des Webseiten-Betreibers wieder. Mittels der Veröffentlichung will dieser lediglich ein pluralistisches Meinungsbild darstellen. Direkte oder indirekte Aussagen in einem Beitrag stellen keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren dar. Wir wehren uns gegen jede Form von Hass, Diskriminierung und Verletzung der Menschenwürde. Beachten Sie bitte auch unsere AGB/Disclaimer!




Alle Angaben ohne Gewähr! Copyright © by GoldSeiten.de 1999-2019.
Die Reproduktion, Modifikation oder Verwendung der Inhalte ganz oder teilweise ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt!

"Wir weisen Sie ausdrücklich auf unser virtuelles Hausrecht hin!"