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Der übergewichtige Aktienbulle verliert an Zugkraft, seine Knie zittern

05.08.2017  |  Prof. Dr. Hans J. Bocker
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Und wer in 10-jährige japanische Staatsanleihen investierte, braucht nur 200 (zweihundert) Sonnenjahre abzuwarten, bis er seinen Einsatz zurück erhält. Das macht selbst optimistische Menschen (sprich Bond-Investoren) in den Sterbezimmern der Krankenhäuser fast schon etwas mutlos. Für den unwichtigen Rest der Menschheit gilt: Alles bestens. Wir, also die Gemeinschaft der Nullzinsaffen, schaffen das!

Lasst uns eben in die Aktienmärkte flüchten. Dort ist alles sicher, hell und schön. Aktien sind krisenfest, dort kann man nur gewinnen. Bitte beachten: Wenn dort alle optimistisch sind, wer will dann noch verkaufen? Wenn alle pessimistisch sind, wer will dann noch kaufen? Die Börsengeschichte lehrt außerdem noch eine weitere Regel: Wenn alle Analysten, Politiker, Berater, Experten, Banker, Medien und Kommentatoren einhellig der Meinung sind, dass die Börse eine gewaltige und sonnenhelle Zukunft hat - wie gerade derzeit - dann ist der Crash nicht mehr weit.

Außer Angst und Gier herrschen an den Börsen, je nach Phase, weitere Emotionen. Während der Aufschwungphase regieren: Depression, Hoffnung, Spannung und schließlich Euphorie und Jubel.

Der gesamte Zyklus gestaltet sich wie folgt:

  • Optimismus, wie 2004-2005
  • Erregung, wie 2005
  • Hochspannung wie 2006
  • Euphorie, wie 2007
  • Vorübergehender Rückschritt, wie 2008
  • Angst, wie 2008
  • Verzweiflung, Panik, Kapitulation, wie Ende 2008
  • Leugnung der Verluste, Abstreiten, Streitlust, Weigerung Verluste ehrlich anzuerkennen, Kapitulation, wie 2009 …"Wie konnte ich nur so falsch liegen? Aber ich bin ein Langzeitinvestor".
  • Depression, wie 2009-2010
  • Neue Hoffnung und Optimismus, wie ab 2009
  • Mehr Hoffnung, wie 2011
  • Erleichterung, wie 2012
  • Erregung, wie 2014
  • Schwere Erregung und Taumel, wie 2015
  • Euphorie, wie 2016 (genau wie 2007) "Gott sei dank, ich bin ein Superinvestor und sehr schlau, fast schon ein Finanzgenie"
  • Zweifel, erste Bedenken und Ängste, wie 2017 ... Die Zentralbanken und die Wall Street haben alles im Griff und der Bullenmarkt dauert noch viele Jahre oder sogar Jahrzehnte. So sagen die Fachleute und die müssen es ja wissen. Sobald meine Enkel ihr erstes Geld verdienen, steigen auch sie voll in diesen unaufhaltbaren, gut gepanzerten Bullenschnellzug ein.

Wann wohl wird die erste Panikwelle ihre hässliche Schaumkrone aufbauen? Wann wird das erste rote Signal überfahren?

Doch zum Schluss kein kleiner, sondern ein großer Trost. Die zyklischen Regeln und Gesetze der Börse (siehe oben) gelten nicht nur für Aktien, sondern auch für Rohstoffmärkte und natürlich auch für Gold und insbesondere für das derzeit lächerlich billige, und fortwährend herunter manipulierte Silber. Hier herrschen Trauer, fast schon Verzweiflung und Depression.

Erste Keime der Hoffnung sprießen. Doch die Wegstrecke bis zum Waldrand des Optimismus, oder gar zur hellen Lichtung des Jubels, vom Springbrunnen der Euphorie ganz zu schweigen, zieht sich hin. Gut zu wissen, dass die Gesetze der Börse aber dennoch bleiben und gelten. Zudem versiegen die Quellen des Edelmetall-Rohmaterials, also die Minen, langsam aber sicher. Der natürliche Materialnachschub ist wegen tiefer Marktpreise und hoher Produktionskosten gestört.

Die seit über 8 Jahren laufende Bullenphase an der Aktienbörse ist, nebenbei bemerkt, die längste in der Geschichte. Das KGV liegt nicht bei seinem historischen Mittelwert von 10 bis 12, sondern bei über 20. Doch wen stört das schon? Aktien sind extrem teuer. Genau wie Immobilien. Und Gold, und vor allem Silber, sind extrem billig. Ihre Kaufkraft schwankt, geht aber niemals, zu keiner Zeit, und in keinem Land der Welt, auf Null, was man von Papiergeld und von irgendwelchen "Wertpapieren" nicht behaupten kann.

Die Börsengeschichte wiederholt sich selten wortwörtlich und punktgenau, aber sie verschafft Wahrscheinlichkeiten als Maßstab.

Ein kleiner Überblick:

Seit 1929 gab es 25 Bärenmärkte. Ein "Bärenmarkt" ist definiert, wenn der S&P 500 Aktienindex um mindestens 20% fällt. Der gegenwärtige Bulle ist schon 8,3 Jahre alt und gewann bisher 222%, mit kleinem Marschhalt 2015.

Der längste Bär kam 1932 mit minus 35%, der kürzeste wurde mit minus 21% 1949 beobachtet. Rechnet man die gesamte Phase 1929 bis 1932 ein, so verlor der S&P 500 damals satte 86%, mit einem kurzen Marschhalt 1932.

Die Durchschnittsdauer aller Bärenmärkte belief sich auf 3,4 Jahre. Sollte auch nur eine einzige der genannten Großfirmen von der Börse per Abverkauf verschwinden, dann wäre der Rettungs-Notgroschen des Plunge Potection Teams in wenigen Minuten verschwunden.

Wie lange wird der heutige Bulle noch laufen oder kriechen, denn seine Knie zittern schon? Raten Sie mit!


© Prof. Hans-Jürgen Bocker
www.profbocker.ch



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