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Interview mit Tom Woods: US-Geldgeschichte, Zentralbanken und Gold

14.03.2018  |  Mike Gleason
Mike Gleason: Es ist mir eine Ehre, heute Tom Woods in der Sendung zu begrüßen - er ist leitender Wissenschaftler am Mises Institute und Gastgeber der Tom Woods Show. Tom ist ein bekannter freiheitsliebender Gelehrter mit einem Harvard-Bachelor in Geschichte und einem Doktortitel von der Columbia University. Er ist Autor zahlreicher Bücher darunter Nullification, Meltdown, The Politically Incorrect Guide to American History, Who Killed the Constitution und viele andere, über die man auf TomWoods.com mehr erfahren kann.

Erstmal vielen Dank, dass Sie sich heute die Zeit für ein Interview genommen haben. Ich freu mich drauf. Herzlich willkommen.


Tom Woods: Ebenso. Vielen Dank.


Mike Gleason: Einer der Hauptgründe, warum wir Sie heute zu uns eingeladen haben, sind ihre Erfahrungen mit US- und Weltgeschichte. Geschichte ist schließlich eine so wichtige Richtschnur für uns.

Ich möchte Sie bitten, dass Sie uns zurück zur Entstehung unseres Landes führen. Geben Sie uns einen kurzen Überblick darüber, warum die Gründungsväter die Dinge so erdacht und konstruiert haben, wie es eben taten - hauptsächlich in Bezug auf Geld und unser monetäres System sowie die Rolle von Gold und Silber darin.

Doch bevor wir darüber sprechen, wie sehr wir schon vom Pfad abgewichen sind, den unsere Gründungsväter vorgesehen hatten, erklären Sie doch bitte, warum überhaupt ein bimetallisches Währungssystem mit Gold und Silber eingeführt wurde.


Open in new windowTom Woods: In Kolonialzeiten war es ganz normal, diese Metalle zu nutzen. Übrigens war die meistgenutzte Münze eine spanische. Da war das spanische Acht-Reales-Stück - eine Silbermünze. Die war im regen Umlauf. Richtig ist aber auch, dass es Zeiten gab, in denen Papiergeld in den Kolonien genutzt wurde. Das war zum ersten Mal in Massachusetts im Jahr 1690 der Fall.

Übrigens macht sich auch Benjamin Franklin für die Einführung von Papiergeld in Pennsylvania stark. Raten Sie mal, wessen Druckereigeschäft am Ende den Vertrag für den Druck des Geldes bekam. Womöglich waren es nicht nur rein allgemein ökonomische Argumente, die “Old Ben" in diesem Fall vorbrachte.

Doch insgesamt betrachtet, gab es, mit der Ausnahme der Periode des Unabhängigkeitskriegs, viel eher einen Hang zu Hartgeld. Während des Unabhängigkeitskriegs, wir alle kennen diese Standardgeschichte, wurde die kontinentale Währung immer weiter abgewertet. Sie war eine Art Papiergeld und wurde abgewertet. Es gibt sogar eine Geschichte über jemand, der seine Schulden zurückzahlen wollte. Da das Geld aber so wertlos geworden war, ging der Gläubiger einfach stiften. Diese Person bedrohte ihn förmlich mit der Rückzahlung. In dieser wertlosen Währung wollte er nicht ausgezahlt werden.

Viele Menschen zogen ihren Schluss daraus: Es ist immer besser, eine werthaltige Währung oder werthaltiges Geld zu haben, das der Staat nicht allzu leicht manipulieren kann. Das ist der Grund, warum Edelmetalle, speziell Gold und Silber, in so vielen Teilen der Welt als Geld galten. Sie waren seit tausend Jahren Geld - zumindest im byzantinischen Reich. Und deshalb meinte auch Ludwig von Mises, der große Ökonom, dass werthaltiges Geld im Kontext von Freiheitsrechtsgarantien mit der Bill of Rights oder anderen geschriebene Konstitutionen auf eine Stufe gestellt gehöre. Werthaltiges Geld.

Heutzutage wird es verunglimpft, die Menschen machen sich darüber lustig und bezeichnen es als altmodisch und dumm. Man sei heute so viel weltklüger und raffinierter, doch dafür gibt es überhaupt kein Argument.


Mike Gleason: Die Befürworter des Hartgeldes hatten mit einigen Meinungsverschiedenheiten zu kämpfen. Erzählen Sie uns, was anschließend passierte und welche geldpolitischen Schlüsselmomente es in den letzten 100 Jahren in den USA gegeben hatte.

Tom Woods: Ich will vielleicht ein wenig darüber erzählen, wie es dazu kommen konnte, dass Menschen, die zuvor vielleicht geldpolitisch laxere Ansichten gehabt hatten, zu Hartgeld-Befürworter wurden.

Die Panik des Jahres 1819 war für die US-Geschichte dahingehend ein Schlüsselmoment. Viele Leute beschuldigten die First Bank of the United States und andere Staatsbanken, sie hätten durch Geldneuschöpfung eine große Geldflut in Gang gebracht.

Also wurde die First Bank etwa zur Zeit des Krieges von 1812 stillgelegt. Doch dann kam die Second Bank of the United States, und auf Staatsbankebene wurde wieder stark inflationiert. Die Menschen kamen zu dem Schluss, dass die Wirtschaft im Vorfeld dieser Panik von 1819 deshalb so instabil gewesen sei, weil es einen künstlichen Anreiz zur Schaffung von Papiergeld gegeben hatte. Hätte es ein korrektes, gut fundiertes Geldsystem gegeben und hätte man der Regierung verbieten können, Papiergeld zu akzeptieren - was besonders die Nutzung von Hartgeld beflügelt hätte -, so hätte es auch dieses stetige Auf und Ab der ökonomischen Geschicke nicht gegeben.

Zahlreiche Amerikaner kamen zu dem Schluss, dass man, wie Jefferson damals meinte, das gesamte umlaufende Papiergeld komplett aus dem Verkehr ziehen und durch ein 100 %iges Hartgeldsystem ersetzen sollte. Man bezieht sich, auch später, immer und immer wieder auf Menschen wie Jefferson. Immer wieder heißt es: Vielleicht lag ich in Bezug auf Geld in der Vergangenheit falsch. Jefferson lag in Gelddingen immer richtig. Diese Panik von 1819 hat uns aber eines Besseren belehrt.

Das war das Narrativ. Das findet man immer wieder in der US-Geschichte. 1857, bei der Panik von 1857, meinte Präsident James Buchanan, dass all das nicht Schuld des Goldstandards sei, sondern eben der Tatsache geschuldet sei, dass es Banken gäbe, die den Goldstandard ignorierten und all das falsche und blödsinnige Geld schöpften. Zudem gäbe es auf staatlicher Ebene diese Gesetze, die all dies zuließen.


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