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Die Falken kapitulieren

08.02.2019  |  Peter Schiff
- Seite 3 -
Und obwohl das zweite (milde) Szenario zu einer kurzfristigen Erholung an der Wall Street führen könnte (wie wir sie im Moment sehen), sind die Langzeitfolgen nicht gut. Das gilt vor allem dann, wenn die erfolgten Zinserhöhungen ohnehin schon eine Rezession garantieren könnten, selbst wenn die Fed auf weitere Zinserhöhungen verzichtet. Außerdem wird es nicht reichen, bloß QT zu beenden. Die nächste Rezession und der Anstieg des jährlichen Haushaltsdefizits, der bereits eine Billion übersteigt, wird, meiner Meinung nach, nicht nur eine Rückkehr zu QE erfordern, sondern eine QE, die größer ist, als die drei bisherigen Lockerungen in den USA zusammen.

Sollte der Aktienmarkt allerdings sinken, während die Fed ihre Lockerungen fortsetzt, wovon ich ausgehe, könnten Investoren weltweit endlich erkennen, dass die USA zu einer geldpolitischen Fliegenfalle geworden seien, an der geldpolitische Anreize ansetzen, aber nicht mehr herauskommen können. Das wirtschaftliche Kartenhaus, das uns für ein Jahrzehnt gestützt hat, würde endlich aufgedeckt werden. Investoren würden erkennen, dass Zinssätze nie auf Normalniveau zurückkehren werden und dass die Größe der Bilanz der Fed auf ewig steigen werde.

An diesem Punkt könnten die USA offiziell zur weltgrößten Bananenrepublik geworden sein, nur ohne Bananen. Das heißt, dass eine Krise vielleicht nicht bloß eine Wald-und-Wiesen-Finanzkrise wie 2008 ist, sondern eine viel weitreichendere Staatsschulden- und Währungskrise. Das Vertrauen in den US-Dollar könnte abstürzen.

Also wird eine Rückkehr zur Nullzinspolitik und QE kein Anreiz sein, der die Wirtschaft wiederbelebt, indem eine Illusion von Wachstum kreiert wird, sondern eine Überdosis, die unsere Währung umbringen könnte. Die Entwicklungen der letzten Wochen, die zeigen wie wenig Unterstützung es für finanz- und geldpolitische Disziplin gibt, machen dieses Szenario umso wahrscheinlicher. In unseren Schützengraben werden alle beten und niemand wird den Mut haben, aufzustehen und zu schießen.

Aber vielleicht ist die größte Gefahr, die der US-amerikanischen Wirtschaft bevorsteht, nicht finanzieller oder geldpolitischer Natur, sondern politisch. Wenn wir im Anfangsstadium einer Rezession sind, die sich als schwerer herausstellen sollte als die Vorherige - wovon ich ausgehe - werden Donald Trump und die Republikanische Partei die Schuld auf sich nehmen. Trump würde der transformative Präsident werden, auf den seine Wähler gehofft hatten, allerdings in umgekehrter Weise, als sie erwarteten. Trump könnte das für die Demokraten erreichen, was Jimmy Carter vor 40 Jahren für die Republikaner erreichte.

Obwohl Carter die schreckliche Wirtschaft Ende der 1970er nicht verursachte, trug er dennoch die Schuld für eine Rezession, die sich seit über zehn Jahren angebahnt hatte. Das Versagen seiner Politik, die Wirtschaft anzukurbeln, trug zur Gegenreaktion konservativer Republikaner bei, die Ronald Reagan 1980 zum Präsidenten wählten. Mit Ausnahme der Wahl von 1964 wurde die Politik republikanischer Präsidenten in den Nachkriegsjahren von gemäßigten "Rockefeller-Republikanern" dominiert.

Als unverbesserlicher Barry-Goldwater-Konservativer gelang es Reagan 1976 nicht, die Präsidentschaftskandidatur zu erringen. Aber bis 1980 hatten Wähler richtig gefolgert, dass die Wirtschaftskrise das Ergebnis einer linksorientierten Politik sei, die sowohl von Demokraten als auch Rockefeller-Republikanern umgesetzt wurde. Die Gegenreaktion ließ eine echte politische Verlagerung nach rechts zu.

Trump könnte dasselbe in die Gegenrichtung vollbringen. Bei den Präsidentschaftswahlen 2020, glaube ich, dass die Wirtschaft ein Trümmerfeld sein wird. An diesem Punkt wird die Gegenreaktion gegen Republikaner in vollem Schwung sein. Die Wähler werden fälschlicherweise annehmen, dass die Politik von Trump in der Tat "rechts" war, obwohl seine das Defizit ausweitende, mit großen Ausgaben verbundene Methode nichts mit wahrem Konservatismus gemein hat.

Die Abneigung vor Trump könnte das Undenkbare ermöglichen: die Wahl eines Präsidenten der extremen Linken der Demokratischen Partei. Schlimmer noch, diese zukünftigen Kamala Harris oder Bernie Sanders werden sich auf einen vollkommen demokratischen Kongress verlassen können, um ihre Absichten durchzusetzen. In kurzer Zeit hätten wir das volle "demokratisch-sozialistische" Programm: viel höhere Steuern, viel stärkere Regulierung von Unternehmen, universelle Gesundheitsversorgung, Erlass von Studiendarlehen, Rassen- und Genderquoten für Unternehmen, erneuerbare Energien und signifikanter Ausbau der Sozialausgaben.

Die daraus resultierenden Schulden und wirtschaftlichen Restriktionen werden die US-amerikanische Wirtschaft endlich in die Knie zwingen. Das Ergebnis wird eine inflationäre Depression, die in unserer Geschichte beispiellos ist, jedoch in anderen stark verschuldeten Nationen, die diesen Todespfad hinuntergestiegen sind, weitverbreitet.

Im Jahr 2024 könnten wir eine letzte Chance bekommen, uns unser Land zurückzuholen. Doch sollten die Sozialisten trotz ihres kläglichen Misserfolgs an der Macht bleiben, könnte es sein, dass sie sie nie verlieren. Dann wird das Experiment unserer Gründerväter zur Autonomie und Freiheit in Misserfolg geendet haben, und das Licht wird nicht mehr auf Ronald Reagans Stadt auf einem Hügel scheinen.


© Peter Schiff
www.europac.net



Dieser Artikel erschien am 22.01.2019 auf www.europac.com und wurde exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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