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Was diese Goldmarktrally von den anderen unterscheidet

18.10.2019  |  Michael J. Kosares
1. Sie wird von Institutionen und Fonds angetrieben, keinen Privatinvestoren.

Weltweite quantitative Lockerung hat einen großen und mobilen Kapitalpool geschaffen, der das ständige Bedürfnis besitzt, eine Heimat zu finden. Wenn das Bedürfnis nach einem sicheren Hafen den Verwaltern dieses Kapitals offenbar wird, floriert die Goldnachfrage. Die konsistente Präsenz von Fonds und Institutionen als Käufer in dieser Rally, wie dargestellt durch das Wachstum der ETF-Bestände, ist eines ihrer Kennzeichen und repräsentiert einen der wichtigsten Unterschiede zwischen dieser Goldrally und den vergangenen Rallys.

Obgleich die Privatinvestoren spät eingestiegen sind, so ist die rapide Entwicklung des physischen Marktes für Goldmünzen und -bullion innerhalb des Vereinigten Königreiches ein Zeugnis für die Tatsache, dass sich die Stimmung rasch ändern kann.


2. Tägliche Preisumkehrungen treten oftmals ursprünglich in Asien und Europa auf und nicht nur in den Vereinigten Staaten.

Jahrzehntelang haben die US-amerikanischen Rohstoffmärkte den Ton für die Goldpreisfestlegung angegeben und der Rest der Welt gab sich damit zufrieden, dem nachzufolgen. Selbst die alte Londoner Preisfestlegung tendierte dazu, Trends nachzufolgen, die zuvor in den Vereinigten Staaten etabliert wurden. Das änderte sich, als der Shanghai-Goldmarkt damit begann, seinen eigenen Preismechanismus anzubieten und die Auswirkungen des Brexits langsam einen tiefgreifenden Effekt auf beide Seiten des englischen Kanals hatte.

Nun beginnen Preisumkehrungen an den asiatischen oder europäischen Märkten oftmals über Nacht und übertragen sich zum Handelsbeginn auf New York, anstatt andersherum. All dies spiegelt das intensivierte, weltweite Investorinteresse in Gold sowie einen Ausgleich des Spielfeldes dar, wer und was den Preis auf täglicher Basis beeinflusst. Es umfasst unseren zweiten, wichtigen Unterschied zwischen der aktuellen Goldpreisrally und den vergangenen Rallys.


3. Zentralbanken sind Käufer physischen Goldes, keine Verkäufer.

Im Jahr 2011 passierte etwas Ungewöhnliches am Goldmarkt. Zentralbanken waren nicht länger Nettoverkäufer des Edelmetalls, sondern wurden zu Nettokäufern und kehrten somit einen 40-jährigen Trend um. Seitdem hat der offizielle Sektor seine Reserven um 4.563 Tonnen aufgestockt (über die ersten Hälfte 2019 hinweg) - das ist ein Anstieg um 15% auf insgesamt 34.407 Tonnen. Das Gold, dass die Zentralbanken jedoch vom Markt nehmen, ist nur ein Teil der Geschichte.

Der Rest hat damit zu tun, wie die inländische Produktion der beiden wichtigsten Produzenten - China und Russland (weltweit Produzent Nr. 1 und Nr. 3) - behandelt wird. Beide Länder lassen das geförderte Metall in ihre nationalen Reserven fließen, anstatt es auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Viele Analysten sehen diesen neuen und evolutionären Versuch, Goldreserven anzuhäufen, als den Schlüsselunterschied zwischen der aktuellen Goldrally und den vergangenen Rallys.


4. Bullionbanken decken ihre Short-Positionen aufgrund von Preisrückgängen, anstatt sie auszubauen.

Rückläufige, weltweite Zinsen haben einer weiteren traditionellen Quelle des physischen Goldangebots einen Dämpfer verpasst - Leasingprogrammen von Bullionbanken.

"Wir können schlussfolgern", so schreibt Goldmarktanalyst Alasdair Macleod in einem Artikel, "dass die Basis für das hochgerüstete Zinsarbitrage, indem Gold geliehen wird, in eine Sackgasse unterwegs ist. Es besteht nicht nur keinerlei Anreiz für den Leasingeber, es gibt zudem auch einen rückläufigen Appetit für Leasingnehmer, da die Möglichkeiten verschwinden."

"Synthetische Goldverbindlichkeiten werden nach und nach reduziert, nicht nur, indem die Erschaffung neuer Obligationen eingestellt wird, sondern auch durch den Kauf von Bullion, um existierende zu decken. Das war vor allem der Fall, als die US-Renditekurve in den letzten Monaten begann, sich zu umzukehren. Und das war der oberflächliche Grund, dass der Goldpreis rapide von unter 1.200 Dollar auf 1.500 Dollar je Unze gestiegen ist."

Diese Richtungsänderung der Bullionbanken spiegelt einen weiteren grundlegenden Unterschied zwischen dieser Goldpreisrally und den vorherigen Rallys dar. Weiterhin sieht es angesichts des etablierten Niedrigzinsumfelds aus, als würde dies für eine lange Zeit ein relevanter Faktor bleiben.


5. Die Zinsen in wirtschaftlich wichtigen Teilen der Welt sind negativ, nicht positiv.

Negative Zinsen entsprechen der Realität in der Europäischen Union sowie in Japan. Alan Greenspan meinte kürzlich, dass es "nur eine Frage der Zeit sei", bevor sie auch in den Vereinigten Staaten Anwendung finden. Über die Jahre hinweg lautete eines der Argumente gegen Gold, dass es Geld kosten würde, es zu besitzen. Nun kostet es auch Geld, Euros und Yen zu besitzen und in nicht allzu ferner Zukunft könnte es auch Geld kosten, Dollar zu besitzen. Der Aufstieg der negativen Zinsen ist vielleicht einer der tiefgreifendsten Unterschiede zwischen dieser und den vergangenen Goldpreisrallys.

Ebenso könnte er sich als der widerstandsfähigste herausstellen. "Einer der Gründe", fügte Greenspan in demselben Interview hinzu, "warum der Goldpreis so schnell steigt - Sie wissen schon, bei 1.500 Dollar je Unze... Das erzählt uns, dass die Leute auf der Suche nach Ressourcen sind, von denen sie wissen, dass sie noch nach 20 Jahren oder 30 Jahren an Wert besitzen werden, während sie altern. Sie wollen sichergehen, dass sie die notwendigen Ressourcen haben, sich über Wasser zu halten."


Gold und Schwellenländer

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