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Schlimmste globale Depression naht

23.12.2019  |  Egon von Greyerz
Seit Beginn der Großen Finanzkrise 2006 hat sich die globale Verschuldung von 125 Billionen $ auf 260 Billionen $ verdoppelt. Je mehr Geld gedruckt wurde, desto stärker sanken die Zinssätze. Im Jahr 2006 standen die kurzfristigen US-Zinssätze bei 5%, zwischen 2008 und 2015 lagen sie bei NULL. Heute haben wir 1,5%. Gleichzeitig sind globale Schulden im Umfang von fast 13 Billionen $ negativ verzinst.

Also: Seit 2006 hat die Welt 135 Billionen $ Schulden produziert - durch das Drücken einiger Knöpfe und zu NULL Kosten. Das heißt, dass mehr als das Doppelte des globalen BIP ohne Kosten und ohne Dienstleistungs- oder Güterproduktion erschaffen wurde. Stattdessen wurde Falschgeld im Umfang der globalen Produktion von ZWEI JAHREN gedruckt, aber ohne dafür einen Arbeitstag aufgewendet oder auch nur ein einziges Produkt hergestellt zu haben. Dieses Geld wurde also aus dem Nichts geschöpft.


Hokuspokus erzeugt 1 Billion Personentage

Die Zahl der weltweit Erwerbstätigen liegt bei geschätzten 3 Milliarden Menschen. Gehen wir nun von der zurückhaltenden Annahme aus, dass eine Person 200 Tage im Jahr arbeitet. Wir kämen also auf 1,2 Billionen Arbeitstage für diese beiden Jahre. Zentralbanken und Staaten können also mit ein wenig Hokuspokus die Arbeit von 1,2 Billionen Personentagen machen. Klar, hier zieht die Arbeit den Kürzeren, zudem harmoniert das Ganze mit der MMT (Modern Monetary Theory), derzufolge sich Länder ihren Wohlstand herbeidrucken können.

Das scheint seit der Gründung der Fed 1913 und vor allen auch seit 1971, als die Schuldenexplosion erst richtig einsetzte, auch gut funktioniert zu haben. Wer es vergessen haben sollte: 1971 war das Jahr, als Nixon das Goldfenster schloss, was wiederum den Zentralbanken die Möglichkeit verschaffte, unbegrenzte Geldmengen und Schulden zu schöpfen.


Mit KI und MMT braucht es keine Menschen

Die Welt ist heute in der wunderbaren Lage, mit MMT (oder Modern Money Trickery) Arbeit durch Geldschöpfung zu ersetzen. In den kommenden Jahren könnte all das auf die Spitze getrieben werden, wobei niemand mehr arbeitet oder irgendwas produziert, ausgenommen einige Roboter. Für alle Bedürfnisse der Welt gibt es unbegrenzte Geldschöpfung. Das ist das beste und wahre Paradies. Oder etwa nicht? Denn dann werden die Roboter die Herrschaft übernehmen und sich der Menschheit entledigen, weil diese nur aus überflüssigen Parasiten besteht.

Das könnte also das Endresultat aus KI (Künstlicher Intelligenz), MMT, Dekadenz sowie unverantwortlichem Festhalten an falschen ökonomischen Theorien sein. Doch das wird wohl nicht mehr zu meinen Lebzeiten passieren, zum Glück.


Ein Schock für die Welt: Der dritte Zusammenbruch in diesem Jahrhundert

Wir befinden uns gerade im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts. In den letzten zwanzig Jahren haben wir den Zusammenbruch der Tech-Bubble erlebt und die Implosion von Scheinschulden – auch bekannt als Subprime-Schuldenkollaps. Geschickt aber auch hinterlistig navigierten die Zentralbanken zwischen Skylla und Charybdis (wie in Homers Odyssee) und konnten somit den totalen und finalen Zusammenbruch des Systems abwenden.

Dass ihnen das auch beim dritten Mal glücken wird, bezweifle ich. Dieses Mal wird die unbegrenzte Gratisgeldschöpfung als das wahrgenommen werden, was sie ist - Moderne Geldtrickserei oder Zauberei, von der sich die Welt seit 2000 kein drittes Mal täuschen lassen wird.

Und das wird Folgen haben: Aktienkäufe bei Kursrücksetzern werden dieses Mal scheitern, weil die Aktienmärkte in Kürze auf Talfahrt gehen werden, also mit Verlusten von mindestens 75%, wahrscheinlich aber mehr, womöglich ganze 95% - effektiv betrachtet. Wenn die Welt jetzt erkennt, dass die letzten 100 Jahre eine Illusion aus Falschgeld, Scheinanlagen und falschen Schulden waren, dann sehen wir dem größten Schock der Weltfinanzgeschichte entgegen.


Ein halbes Jahrhundert Arbeitsleben

Ich hatte das Glück, dass mein eigenes Arbeitsleben in die zweite Hälfte der bemerkenswertesten Weltwirtschaftsphase seit Gründung der Fed 1913 fiel.

Das Jahr 2019 markiert für mich auch das 50. Jubiläum meines persönlichen Arbeitslebens. Es ist schon ein Phänomen, dass viele der Menschen, die ich in meinem Arbeitsleben treffe, noch gar nicht lebten, als ich zu arbeiten begann. Natürlich kann ich mich überaus glücklich schätzen, noch gesund zu sein und einen funktionierenden Verstand zu haben (auch wenn es da ein paar Zweifler geben könnte, die das in Frage stellen würden)!

Es ist auf jeden Fall unglaublich stimulierend, mit Menschen zu arbeiten, die fast ausnahmslos jünger sind als man selbst. Ich wurde gegen Ende des 2.Weltkriegs geboren und hatte das große Glück, keinen Krieg und noch nicht einmal eine Depression direkt miterlebt zu haben. Die 1950er und 1960er waren Jahrzehnte mit sehr hoher Lebensqualität - moralisch, ethisch wie ökonomisch. In diesen Zeiten wurde Wirtschaftswachstum noch erreicht durch harte Arbeit, hohe moralische Standards und ohne exzessive Schuldenfinanzierung und Geldschöpfung. In Europa herrschten Recht und Ordnung, Kriminalität und Gewalt waren keine großen Probleme.


Allein die Chinesen sahen im Jahr 1971 den Anfang vom Ende

Doch der 15. August 1971 sollte alles verändern, obgleich niemand, mit Ausnahme der Chinesen, das damals verstand.

Die Chinesische Volkszeitung schrieb im August 1971:

"Diese unpopulären Maßnahmen zeigen, wie ernst es um die Krise der US-Wirtschaft sowie den Verfall und Niedergang des gesamten kapitalistischen Systems steht.“

Diese Maßnahmen, so heißt es weiter,:

"markieren den Zusammenbruch des kapitalistischen Geldsystems, das sich auf den US-Dollar stützt“. "Auch Nixons neue Wirtschaftspolitik wird es nicht schaffen, die USA aus ihrer finanziellen wie ökonomischen Krise zu holen."

"Die politischen Maßnahmen zielen darauf ab, die amerikanische Arbeiterschaft zu übervorteilen und die immer schlimmeren Auswirkungen der finanziellen, monetären wie ökonomischen Krise in den USA auf andere Länder zu verlagern."



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