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Die neue Art und Weise, einen Krieg zu führen

31.03.2020  |  Peter Schiff
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Wir haben nichts zurückgelegt und bekommen nun die Konsequenzen zu spüren. Um die anhaltenden Ausgaben zu finanzieren, die unsere Blasenwirtschaft am Laufen hielt, mussten sich Geschäfte und Verbraucher daran gewöhnen, "einen Gehaltsscheck" von der Insolvenz entfernt zu sein. Die Aussichten niedrigerer Erträge, selbst für einige Monate, stellen demnach eine existentielle Bedrohung dar.

Öffentliche Unternehmen nutzten die künstlich niedrigen Zinsen aus, die die Fed-Politik in den letzten 12 Jahren erschuf, um Anleihen mit niedrigen Zinsen zu verkaufen und die Erträge dazu zu verwenden, ihre überpreisten Aktien zurückzukaufen. Jeder, vor allem Präsident Trump, feuerte die Märkte an, als sie Rekordhochs erreichten, ohne Rücksicht auf die Tatsache, dass mit Schulden finanzierte Rückkäufe den Anstieg antrieben. Das ist der Grund, warum der heutige Aktienmarkt in den letzten Wochen bereits so stark eingebrochen ist, wie seit der Gesamtheit des Zweiten Weltkrieges nicht.

Der Zweite Weltkrieg war nicht gut für Aktieninvestoren. Von Spitze zu Tief fiel der Dow Jones um 30% von seinem Hoch 1941 auf sein Tief von 1942. Doch diese Verluste sind gering im Vergleich zu dem, was wir jetzt beobachten können. Bis Ende März war der Dow bereits um 30% eingebrochen und der Russell 2000, der die inländische Wirtschaft stärker widerspiegelt, ist um mehr als 40% gesunken. So schlimm die Bedrohung durch den Coronavirus auch ist, glaubt überhaupt jemand, dass sie so schlimm ist wie der Zweite Weltkrieg?

Erinnern Sie sich daran, dass es im ersten Jahr des Krieges noch nicht einmal so aussah, als würden die Alliierten gewinnen! Das zeigt uns, wie überbewertet unser Aktienmarkt ist und wie die heutige von Schulden angetriebene, auf Konsum basierende Wirtschaft im Vergleich zu der Wirtschaft von 1941 verblasst, die auf Ersparnissen und Produktion basierte.

Und somit wendet sich jeder an Washington für mehr Geld, ungeachtet der Tatsache, dass die Staatsschulden nun 23 Billionen Dollar überschritten haben und aktuell um mehr als 1 Billion Dollar im Jahr (selbst vor dem Virus) steigen. Trotzdem verspricht die Regierung viel, viel mehr.

Erinnern Sie sich daran, dass sich die jährlichen Staatsdefizite, bevor die Rezession 2007 begann, in einer Spanne von 300 Milliarden Dollar im Jahr befanden. Zwei Jahre später war das Defizit auf 1,5 Billionen Dollar, fast das Fünffache, gestiegen. Diese Explosion war auf Steuerquittungen zurückzuführen, die während der Rezession und der Regierungs-Bailouts im Finanzsektor gesammelt wurden.

Diesmal werden Arbeiter größerer Sektoren ähnlich ihre Arbeitsplätze verlieren, zumindest temporär. Und viele weitere Branchen (neben den Banken) werden staatliche Bailouts erhalten. Wenn dieselbe Mathematik nun gilt wie im Jahr 2008, dann könnte es 2020 zu einem Defizit von 4 Billionen Dollar kommen. Woher wird dieses Geld kommen? Natürlich von der Federal Reserve.

Genau zum richtigen Zeitpunkt kündigte die Fed eine Wiederaufnahme der quantitativen Lockerung an, die seit 2015 pausiert wurde. (Auch wenn wir die Repo-Interventionen der Fed, die 2019 begannen, als offizielle Rückkehr der QE werten sollten.) In einer überraschenden Ankündigung führte der Fed-Vorsitzende Jerome Powell, nachdem Trump ihm drohte, ihn aus dem Amt zu entheben, Pläne für Regierungs- sowie hypothekarisch gesicherte Schulden in Höhe von 700 Milliarden Dollar aus.

Auch wenn keine Zeitspanne angegeben wurde, wie lange die Fed brauchen wird, um diese Bazooka zu entladen, so nimmt der Großteil an, dass dies nur eine Eröffnungssalve war; wenn man bedenkt, dass die Fed am nächsten Tag direkt zusätzliche 500 Milliarden Dollar ankündigte. Es brauchte nur wenige Tage, bis die Fed dieses Programm vollkommen unbegrenzt einführte.

Von nun an wird es also die Regierung sein, die die Menschen unterstützt. Scheinbar ist der Gedanke, dass die Regierungen von den Steuern der Menschen unterstützt werden, die Reichtum produzieren, veraltet. Doch so etwas wie eine kostenlose Mahlzeit gibt es nicht. Viele politische Entscheidungsträger rufen tatsächlich nach einer Politik von "Helikopter"-Geld, um die Kosten für das Kämpfen dieses Krieges zu decken. Dabei realisieren sie jedoch nicht, dass Milton Friedman, der diesen Ausdruck prägte, ihn eigentlich als Witz meinte.

In Wirklichkeit besitzt Papiergeld an sich keinerlei Wert. Somit würde man mit dem Helikoptergeld nur erfolgreich die Preise erhöhen. Hätte Roosevelt die Fed gebeten, den Zweiten Weltkrieg mit der Druckerpresse zu finanzieren, dann hätten wir sicherlich verloren. Papiergeld basiert seinen Wert auf den Waren und Dienstleistungen, die diejenigen produzieren, die das Geld verdienen. Doch wenn die Leute lieber Netflix gucken, anstatt Dienstleistungen bereitzustellen oder Güter zu produzieren, was wird man dann mit dem neuerschaffenen Geld noch kaufen können?

Der Anleihemarkt ist bereits dabei, unter dem Gewicht von Billionen zusätzlicher Staatsanleihen zusammenzubrechen. Doch da eine Erhöhung der Zinsen bedeuten würde, die hochverschuldete Wirtschaft weiter zu schwächen und dabei einen endlosen Zyklus aus steigenden Zinsen, steigenden Defiziten und wirtschaftlicher Schwäche zu erschaffen, wird die Fed diese Schulden monetisieren anstatt die privaten Kreditmärkte dazu zu zwingen, diese zu absorbieren. Demnach ist es der Dollar, der einbrechen sollte. Doch bisher treibt eine weltweite Liquiditätskrise den Dollar nach oben, trotz der Tatsache, dass man bald mehrere Billionen aus dem Nichts erschaffen wird.

Die 1-Million-Euro-Frage ist nur: Wann werden die Märkte endlich mit dem inflationären Tsunami klarkommen, der sich auf uns zubewegt? Der Coronavirus reduziert das Angebot an Waren und Dienstleistungen, ähnlich wie die Fed die Geldmenge erhöht, um diese zu kaufen. Gläubigernationen, die traditionell dabei geholfen haben, Amerikas Defizite zu finanzieren, haben ihre eigenen finanziellen Schwierigkeiten aufgrund des Virus. Sie besitzen also keine überschüssigen Ersparnisse mehr, um unsere zu finanzieren. Ausländische Produzenten, die sich mit rückläufiger Produktion und gestörten Lieferketten herumschlagen müssen, werden nicht länger in der Position sein, viel in die USA zu exportieren.

Sobald diese Liquiditätskrise endet, sollte der Dollar wie ein Stein fallen. Während er dies tut, könnte eine steigende Inflation eintreten, was die Rendite der Anleihen nach oben treiben wird; trotz der Bemühungen der Fed, diese einzudämmen. Hyperinflation, die ich einst für abwegig hielt, erscheint nun wie eine wahrscheinliche Prognose. Das bedeutet, dass das Heilmittel der Regierung für den Coronavirus deutlich mehr wirtschaftlichen Schaden als das Virus selbst anrichten wird. Ironischerweise werden die größten Opfer aus dem Segment der Bevölkerung stammen, die wir zu schützen versuchen.

Die Älteren sterben eventuell nicht am Coronavirus, doch das Heilmittel wird ihre Renten zerstören. Hyperinflation wird die Ersparnisse der Alten dezimieren, den Wert ihrer Anleihen, Renten, etc. zerstören. Einen Krieg zu gewinnen, bei dem die ältere Generation mittelos dasteht, kann schlecht als ein Sieg anerkannt werden.


© Peter Schiff
www.europac.net



Dieser Artikel erschien am 26.03.2020 auf www.europac.com und wurde exklusiv in Auszügen für GoldSeiten übersetzt.


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