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Zentralbanken treiben Gold an

11.07.2020  |  James Rickards
Gold ist eine Vermögenswertklasse, die die meisten Investoren verwirrt. Selbst erfahrene Investoren sind es gewohnt, dass Gold als "glänzender Stein" verspottet wird und ernsthafte Goldanalysten als "Goldenthusiasten", "Goldverrückte" oder Schlimmeres verunglimpft werden. Als Goldanalyst habe ich mich längst an so etwas gewöhnt. Doch es ist dennoch befremdlich, zu realisieren, in welchen Ausmaße Gold einfach nicht ernst genommen wird oder als bloßer Rohstoff behandelt wird, der sich nicht von Sojabohnen oder Weizen unterscheidet.

Gründe für diesen verächtlichen Ansatz zu Gold zu finden, ist nicht sonderlich schwer. Die wirtschaftliche Elite und die akademischen Volkswirtschaftler kontrollieren die Zentralbanken. Die Zentralbanken kontrollieren, was wir nun als "Geld" ansehen (Dollar, Euro, Yen und andere wichtige Währungen). Diejenigen, die die Geldmenge kontrollieren, können indirekt die Volkswirtschaften und das Schicksal vieler Nationen kontrollieren, indem entschieden wird, wann und wie Kreditbedingungen gelockert oder gestrafft werden und wann bestimmte Arten von Kreditvergabe bevorzugt (oder benachteiligt) werden.

Wenn Kreditbedingungen in einem schwierigen Umfeld gelockert werden, dann hilft dies bevorzugten Institutionen (größtenteils Banken) dabei, zu überleben. Wenn man Kreditbedingungen in einem schwierigen Umfeld strafft, dann kann man mehr oder weniger garantieren, dass bestimmte Unternehmen, Banken oder sogar Nationen scheitern werden. Diese Macht basiert auf Geld und Geld wird von Zentralbanken und primär dem Federal Reserve System kontrolliert. Doch die geldbasierte Macht hängt von einem Monopol auf die Gelderschaffung ab.

Solange die Investoren und Institutionen in ein auf Dollar basierendes System gezwungen werden, ist die Kontrolle des Dollar mit der Kontrolle dieser Institutionen gleichzusetzen. Der Augenblick, in dem eine andere Form des Geldes mit dem Dollar (oder Euro, etc.) als eine Wertanlage und ein Tauschmittel konkurriert, wird die Kontrolle der machtvollen Elite durchbrochen. Das ist der Grund, warum die Elite Gold verunglimpft und an den Rand drängt. Es ist einfach zu zeigen, warum Gold eine bessere Form des Geldes ist und warum es verlässlicher zum Reichtumserhalt ist als Zentralbankengeld und warum es eine Bedrohung für das Geldmonopol ist, von dem die Elite abhängig ist, um ihre Macht zu behalten.

Gold ist nicht nur eine überlegenere Form des Geldes, sondern steht zudem nicht unter Kontrolle irgendeiner Zentralbank oder Gruppe von Einzelpersonen. Ja, Bergbauunternehmen kontrollieren den neuen Output, doch der jährliche Output macht nur etwa 1,8% aller oberirdischen Goldbestände der Welt aus. Der Wert des Goldes wird nicht durch den neuen Output festgelegt, sondern durch das oberirdische Angebot - das sich auf etwa 190.000 Tonnen beläuft. Der Großteil dieses oberirdischen Angebots befindet sich entweder im Besitz von Zentralbanken und Finanzministerien (etwa 34.000 Tonnen) oder wird privat als Schmuck ("tragbarer Reichtum") oder Bullion (Münzen und Barren) gehalten.

Das variable Angebot, das für den täglichen Handel und Investitionen verfügbar ist, ist nur ein kleiner Teil des Gesamtangebots. Gold ist wertvoll und ist eine machtvolle Form des Geldes, doch befindet sich nicht unter Kontrolle einer einzigen Institution oder einer Gruppe von Institutionen. Gold ist offensichtlich eine Bedrohung für das Geldmonopol der Zentralbanken. Gold kann nicht zum Verschwinden gebracht werden (es ist zu wertvoll) und es wäre fast unmöglich, es zu konfiszieren (trotz hartnäckiger Gerüchte).

Wenn Gold eine Bedrohung für das Zentralbankgeld ist und nicht zum Verschwinden gebracht werden kann, dann muss man es diskreditieren. Für Zentralbanker und akademische Volkswirtschaftler wird es wichtig, eine Narrative zu konstruieren, die einfach von täglichen Investoren absorbiert wird, die sagen, dass Gold nicht Geld ist.

Diese Narrative lautet wie folgt:

• Es gibt nicht genügend Gold in der Welt, um den Handel zu unterstützen. (Das ist falsch: Es gibt immer genügend Gold, es ist nur eine Frage des Preises. Dieselbe Menge Gold unterstützt eine größere Zahl an Transaktionen, wenn der Preis erhöht wird.)

• Das Goldangebot kann nicht schnell genug erhöht werden, um mit dem Wirtschaftswachstum mitzuhalten. (Das ist falsch: Hierbei werden offizielles Angebot mit dem Gesamtangebot verwechselt. Zentralbanken können das offizielle Angebot immer durch Gelddruckerei und Goldkäufe aus Privathänden erhöhen. Das erhöht die Geldmenge und unterstützt wirtschaftliche Expansion.)

• Gold verursacht Finanzpaniken und Zusammenbrüche. (Das ist falsch: Während und nach Ende des Goldstandards gab es Paniken und Zusammenbrüche. Paniken und Crashs werden nicht durch Gold verursacht oder von Gold geheilt. Sie werden durch einen Vertrauensverlust in Banken, Papiergeld oder die Wirtschaft verursacht. Es gibt keine Korrelation zwischen Gold und Finanzpanik.)

• Gold verursachte und verlängerte die Weltwirtschaftskrise. (Das ist falsch: Selbst Milton Friedman und Ben Bernanke haben geschrieben, dass die Weltwirtschaftskrise von der Fed verursacht wurde. Während der Weltwirtschaftskrise konnte sich die Basisgeldmenge auf 250% des Marktwertes offiziellen Goldes belaufen. Die tatsächliche Geldmenge überschritt niemals 100% des Goldwertes. In anderen Worten: Die Fed hätte die Geldmenge selbst mit einem Goldstandard mehr als verdoppeln können. Daran scheiterte sie. Das ist eine Scheitern der Fed und kein Scheitern des Goldes.)


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