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Ihr persönlicher Goldstandard

27.10.2020  |  James Rickards
Die Elite ist dem Gedanken, dass Gold eine Rolle im Währungssystem spielen sollte, extrem abgeneigt. Für sie ist Gold ein barbarisches Relikt, wie John Maynard Keynes einst gesagt haben soll. Man könnte gleichwohl vorschlagen, Pferde und Kutschen als Transportmittel des Alltags zurückzubringen. Außer, dass Keynes niemals gesagt hat, dass Gold ein barbarisches Relikt ist. Was er tatsächlich sagte, ist viel interessanter. In seinem Buch "Monetary Reform" von 1924 schrieb Keynes tatsächlich, dass "der Goldstandard bereits ein barbarisches Relikt" sei. Keynes diskutierte nicht Gold, sondern den Goldstandard. Da scheint es auf den ersten Blick nicht viel Unterschied zu geben, doch das tut es. Im Kontext von 1924 lag er richtig.

Der klassische Goldstandard endete 1914 mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Um den Krieg zu bezahlen, wurden massive Geldmengen gedruckt. Nach dem Krieg wollten viele zum Goldstandard vor dem Krieg zurückkehren. Im Jahr 1925 war der britische Finanzminister beispielsweise Winston Churchill. Er wollte eine Rückkehr zum alten Goldpreis und ignorierte die Tatsache, dass die Gelddruckerei zu Kriegszeiten einen deutlich höheren Goldpreis vorausgesetzt hatte. Er überbewertete das Pfund effektiv.

Keynes erzählte Churchill, dass dies ein deflationäres Desaster wäre. Sollte Großbritannien zu einem Goldstandard zurückkehren, dann müsste man den Goldpreis höher festlegen. Doch Churchill ignorierte seinen Rat. Das Ergebnis waren massive Deflation und Depression in Großbritannien, Jahre bevor die Depression den Rest der Welt erwischte. Der bekannterweise fehlerhafte Goldtauschstandard, der bis 1939 vorherrschte, hätte niemals eingeführt werden dürfen und hätte vor dem Zweiten Weltkrieg abgeschafft werden sollen.

Heutzutage gibt es keine Zentralbank auf der Welt, die zu einem Goldstandard zurückkehren möchte. Doch das ist nicht der Punkt. Die Frage lautet vielmehr, ob sie das tun werden müssen. Ich hatte Diskussionen mit mehreren Fed-Präsidenten. Wenn man Sie direkt fragt: "Gibt es eine theoretische Grenze der Fed-Bilanz?", dann verneinen sie das. Sie meinen, dass es politische Gründe gibt, sie zu erhöhen oder zu verringern, doch dass es kein Limit der Menge Geld gibt, die man drucken kann.

Das ist vollkommen falsch. Das ist es, was sie sagen; so denken sie; und so handeln sie. Doch in ihren Herzen wissen einige Leute bei der Fed, dass sie falsch liegen. Ich erzähle den Leuten immer, dass wir uns auf gewisse Art und Weise in einem Goldstandard befinden. Man kann sich selbst unter einen persönlichen Goldstandard stellen, wenn man Gold erwirbt. In anderen Worten: Wenn Sie denken, dass der Wert des Papiergeldes in Gefahr ist, oder das Vertrauen in Papiergeld verschwunden ist, dann ist eine Schutzmöglichkeit der Kauf von Gold. Und es gibt nichts, was Sie davon abhält.

Die typische Reaktion ist: "Was bringt der Besitz von Gold? Man wird es nur wieder konfiszieren, wie es Roosevelt 1933 tat." Ich halte dies für extrem unwahrscheinlich. Im Jahr 1933 hatten wie die vierjährige Great Depression erst hinter uns und Roosevelt war neu im Amt. Die Leute sprechen immer von den ersten hundert Tagen, doch er schloss die Banken direkt nach seiner Amtseinführung. Und einige Wochen später konfiszierte er das Gold.

Und es war nicht so, als wäre Elliot Ness von Tür zu Tür gegangen, in Ihre Häuser eingebrochen und hätte Ihr Gold genommen. Man wollte eine geringe Anzahl an Leuten haben, die 400-Unzen-Barren in Bankschließfächern aufbewahrten. Und diese Leute erwischten sie, weil man die Banken schließen und als Mittelsmänner in der Konfiszierung des Goldes verwenden konnte. Doch nun ist Gold viel zerstreuter und es gibt deutlich weniger Vertrauen in die Regierung.

Wenn die Regierung versuchen würde, heute Gold zu konfiszieren, gäbe es eine Menge Widerstand. Die Regierung weiß das. Also würde sie diese Anordnung nicht machen, weil man sie nicht vollstrecken könnte und eine Menge bürgerlichen Ungehorsam oder Widerstand erschaffen würde. Solange Sie Gold besitzen können, können Sie Ihren eigenen Goldstandard durch Umwandlung von Papiergeld zu Gold haben. Ich empfehle Ihnen das. Ich rate hier nicht, dass Sie all Ihre Dollar zu Gold umwandeln. Überhaupt nicht.

Doch dem konservativen Investor empfehle ich, 10% seiner investierbaren Assets in Gold zu halten, für aggressive Investoren vielleicht 20% - nicht mehr. Dies sind sehr hohe Allokationen im Vergleich zu dem, was die Leute tatsächlich besitzen. Die meisten Leute besitzen gar kein Gold. Wenn die Nachfrage plötzlich steigt, dann gäbe es nicht genügend Gold in der Welt - zum aktuellen Preis - um die Nachfrage zu decken. Der Goldpreis müsste dramatisch steigen, um mit der Nachfrage in Einklang gebracht zu werden.

Wenn sich einige Szenarios abspielen, wird der Goldpreis bis auf den Mond schießen. Und das könnte über einen sehr kurzen Zeitraum passieren. Sie sollten einen steten, allmählichen Anstieg erwarten. Gold könnte sich seitwärts bewegen und über einen Zeitraum stillstehen. Dann kommt es zu einem Anstieg, und noch einem Anstieg und einem Super-Anstieg. Das könnte innerhalb weniger Monate passieren. An diesem Punkt wird Gold zu einer kraftvollen Macht. Letztlich erwarte ich, dass Gold 10.000 bis 15.000 Dollar je Unze erreicht. Diese Zahl habe ich mir nicht ausgedacht. Sie ist ein Produkt tatsächlicher Mathematik. Eine Zahl, die man erhält, wenn man die Geldmenge durch die Menge an Gold am Markt teilt.

Wenn es zu diesem Super-Anstieg kommt, wird es zwei Amerikas geben. Es wird ein Amerika geben, das nicht vorbereitet war. Papierersparnisse werden ausgelöscht werden; Renten, Versicherung, etc. werden durch Inflation abgewertet werden. Grund dafür ist nicht der Goldpreis, der steigt, sondern der Dollar, der fällt. Gold ist ein Indikator. Als würde man dem Thermometer die Schuld geben, dass es 40 Grad anzeigt, wenn man die Temperatur des Patienten misst. Das Thermometer ist nicht schuld am Fieber; es zeigt bloß Tatsachen an.

Ähnlich ist der Goldpreis kein wirtschaftliches Objekt oder Ziel an sich; er ist ein Preissignal. Er erzählt uns, was in der Wirtschaft geschieht. Und Gold auf den Niveaus, die ich erwähnt habe, würde Hyperinflation andeuten. Es erscheint nun unwahrscheinlich, doch sobald die Erwartungen zur Inflation übergehen, kann es dramatisch sein. Die moderne Geldtheorie (MMT) ist in demokratischen Kreisen nun eine große Sache. MMT ist ein Rezept für massive Gelddruckerei. Dennoch werden Zentralbanken niemals freiwillig zu einem Goldstandard zurückkehren. Doch wenn Gold solch ein barbarisches Relikt ist, wenn es keine Rolle im Währungssystem hat und eine "dumme" Investition ist, warum horten Russen und Chinesen Gold dann? Sind sie dumm? Nun, ich habe mit vielen von ihnen gesprochen und kann Ihnen versichern, dass sie nicht dumm sind.

Doch wenn es einen Run auf Papierwährungen gibt oder eine Hyperinflation auftritt, dann könnten Zentralbanken zu einem Goldstandard übergehen. Nicht, weil sie das möchten, sondern weil sie es als notwendig erachten, um die Märkte ruhig zu halten. Ich empfehle Ihnen, dass Sie Gold zum aktuellen Niveau - bei etwa 1.900 Dollar - erwerben und die Welle auf deutlich höhere Niveaus reiten. Es wird Ihren Reichtum in den kommenden Tagen schützen. Wie jeder Markt wird es schwanken. Nichts steigt in einer geraden Linie. Doch Sie sollten sich auf das langfristige Bild konzentrieren. Und dieses sieht sehr positiv für Gold aus. Also lade ich Sie dazu ein, Ihren eigenen, persönlichen Goldstandard einzuführen. Eines Tages könnte sich Ihnen der Rest der Welt anschließen.


© James Rickards



Der Artikel wurde am 21. Oktober 2020 auf www.dailyreckoning.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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