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US-Dollar, Euro und Co: Es gibt kein Zurück mehr

25.09.2020  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
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Gut zu erkennen ist, dass seit den frühen 1980er Jahren der US-Leitzins im Trend abgesunken ist, gleichzeitig ist die öffentliche Schuldenquote im Trend angestiegen. Dafür gibt es eine naheliegende Erklärung. Das Absenken der Zinsen begünstigt die Verschuldung: Staaten, Unternehmen und Konsumenten beginnen, ihre Ausgaben zusehends auf Pump zu finanzieren. Aber die kreditfinanzierten Staatsausgaben bleiben hinter dem wirtschaftlichen Leistungszuwachs zurück, und deshalb steigt die Schuldenlast im Zeitablauf immer weiter an. Durch die politisch diktierte Lockdown-Krise hat sich das Verschuldungsproblem natürlich noch weiter dramatisiert.

Um das Fiat-Geldsystem und die Schuldenpyramide, für die es gesorgt hat, vor dem Einsturz zu bewahren, haben die Zentralbanken die Leit- und Kapitalmarktzinsen auf extrem niedrige Niveaus gedrückt. Zudem finanzieren sie ausgefallene Einkommen der Arbeitnehmer mit neu geschaffenem Geld: Sie haben sprichwörtlich die elektronische Notenpresse angeworfen, finanzieren defizitäre Staatshaushalte mit neuem Geld. Das gilt vor allem für die Vereinigten Staaten von Amerika, aber auch für den Euroraum. Die drängende Frage für die Anleger ist nun die Folgende: Wohin führt das alles? Nachstehend sind drei denkbare Zukunftsszenarien kurz angedacht.


In Szenarien denken

• Szenario 1: Die Volkswirtschaften arbeiten sich aus der Lockdown-Krise heraus, erholen sich relativ rasch. Die extreme Geldmengenvermehrung wird gedrosselt, die Zentralbanken kehren zu ihrem bisherigen "normalen", "gemäßigten" Inflationskurs zurück. Die bereits erfolgte Geldmengenausweitung sorgt für einen zeitlich begrenzten "Inflationsschub", der in erhöhter Konsumgüterund Vermögenspreisinflation zutage tritt.

• Szenario 2: Die Wachstumskräfte der Volkswirtschaften sind nachhaltig beschädigt. Damit die Schuldner ihren Schuldendienst leisten können, müssen ausstehende Schulden dauerhaft und in ganz großem Stil monetisiert werden. Das damit verbundene Anwachsen der Geldmengen treibt die Konsumgüterund Vermögenspreisinflation stark in die Höhe - die sich nach und nach dramatisiert und in Hoch- oder gar, im Extremfall, in Hyperinflation endet.

• Szenario 3: Den Zentralbanken gelingt es nicht mehr, die Inflationierung der Güterpreise auf breiter Front aufrecht zu erhalten. Es kommt - ähnlich wie in Japan - zu Güterpreisverfall (Preisdeflation). Schuldner fallen reihenweise aus, Banken erleiden Kreditausfälle. Die Volkswirtschaften fallen in eine tiefe Rezession-Depression. Mit der Massenarbeitslosigkeit kommt es zu schweren sozialen und politischen Verwerfungen.


Zur Rolle der Geldmenge für die Güterpreise im Euroraum

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Quelle: Refinitiv, Berechnungen Degussa. (1) Geldmenge bis Juli. ‘20, Konsumgüterpreise bis Aug. ’20; (2) Geldmenge bis Juli ’20, Häuserpreise bis Q1 ’20.


Abb. 3 a zeigt die Jahreswachstumsraten der Geldmenge M3 und der Konsumgüterpreise im Euroraum. Wie man erkennen kann, waren beide Linien langfristig gesehen positiv korreliert: Je höher das Geldmengenwachstum, desto höher die Konsumgüterpreisinflation (und umgekehrt). Das Geldmengenwachstum fiel dabei durchschnittlich deutlich höher aus als die Konsumgüterpreisinflation. Der Grund: Ein Teil des Inflationseffektes, den die Ausweitung der Geldmenge verursachte, wurde durch ein steigendes Güterangebot "aufgefangen". Und zuletzt: Die beiden Linien verliefen in der kurzen bis mittleren Frist nicht immer parallel; sie entfernten sich zuweilen merklich voneinander.


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