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US-Dollar, Euro und Co: Es gibt kein Zurück mehr

25.09.2020  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
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Abb. 4 b zeigt das Geldmengenwachstum und die Inflation der Häuserpreise im Euroraum. Beide Linien waren erstaunlich eng und positiv miteinander verbunden. Das deutet an: Die Preisinflationseffekte, für die die Geldmengenvermehrung sorgte, wurden nicht nur durch die Konsumgüterpreise reflektiert, sondern auch in der Haus- beziehungsweise Vermögenspreisinflation.

Was man an dieser Stelle lernen kann, ist das Folgende: Als Reaktion auf die Lockdown-Krise sorgt die Europäische Zentralbank (EZB) jetzt für einen sehr starken Anstieg der Geldmenge. Die Folge wird sehr wahrscheinlich Preisinflation sein: steigende Konsumgüterpreise und/oder Häuser- und Aktienpreise. Die Kaufkraft des Euro kommt unter die Räder. Die EZB-Geldpolitik setzt die Kaufkraft des Euro herab.



Es gibt kein Zurück mehr

Szenario 3 ist aus einem Grund relativ unwahrscheinlich: Eine Preisdeflation und die damit verbundenen Folgen scheuen Regierende und Regierte wie der Teufel das Weihwasser. Das hat die Lockdown-Krise in aller Deutlichkeit gezeigt: Mit neuen Schulden und neu geschaffenem Geld soll der Systemzusammenbruch "um jeden Preis" abgewendet werden. Und in einem Fiat-Geldsystem können die Zentralbanken jede gewünschte Geldmenge bereitstellen - durch Ankauf von Schulden, Kreditvergabe oder die Ausgabe von "Helikoptergeld". Daher können die Zentralbanken auch eine Güterpreisdeflation auf breiter Front verhindern; denn auf die Geldmengenausweitung kommt es an!

So gesehen sind Szenario 1 und 2 wahrscheinlicher als Szenario 3 - und damit droht dem Anleger ein mitunter großer Kaufkraftverlust des Geldes. Die weiterführende Frage ist, ob es den Zentralbanken gelingen wird (und kann), eine "kontrollierbare" Preisinflation auf den Weg zu bringen, oder ob nicht letztlich doch ein "explosiver Inflationsprozess" einsetzt. Eines ist so gut wie sicher: Es gibt kein zurück. Die bereits Jahrzehnte währende Vermehrung der Fiat-Geldmengen lässt sich nicht so einfach beenden, ohne gewaltige wirtschaftliche und gesellschaftliche Erschütterungen auszulösen - vor denen aber Regierende wie auch Regierte zurückschrecken.

Der Anreiz für Regierende und Regierte, das System zu halten, alles zu tun, damit es nicht kollabiert, ist sehr groß. Man ist sogar bereit, dem Ziel des "Systemerhalts" andere wichtige Ziele unterzuordnen. Das führt dazu, dass die verbliebenen Elemente des freien Marktsystems immer weiter zurückgedrängt werden. Dadurch werden auch die Marktkräfte, die die aufgelaufenen Ungleichgewichte korrigieren könnten, zusehends außer Kraft gesetzt. Das gilt insbesondere für die Kreditmärkte. Durch die Maßnahmen der Zentralbanken wird eine marktkonforme Zinsbildung unmöglich gemacht; die Wahrscheinlichkeit, dass steigende Zinsen die Kreditpyramide zum Einsturz bringen könnten,
ist gering.


Schutz vor Geldentwertung

Welches der oben genannten Szenarien eintritt, hat erhebliche Auswirkungen auf den Erfolg der Anlage-Strategie. Mit Szenario 1 wie auch in Szenario 2 ist die Einschätzung verbunden, dass der Erhalt des Fiat-Geldsystems bis auf weiteres wahrscheinlich ist; dass sein baldiger Zusammenbruch zwar nicht unmöglich ist, aber derzeit noch keine allzu hohe Wahrscheinlichkeit hat. In beiden Szenarien wird es darum gehen, Entscheidungen zu treffen, die vor dem Kaufkraftverlust des Geldes schützen. Um das Ausmaß der bisher schon aufgelaufenen Geldentwertung zu illustrieren, zeigt Abb. 4 für die Zeit 1999 bis 2020 die Kaufkraftentwicklung des Euro - gemessen anhand der Konsumgüter, Häuser, US-Aktien und einer Feinunze Gold.

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Quelle: Refinitiv; Graphik Degussa. (1) Häuserpreise bis Q1 ‘20; Konsumgüterpreise bis Q2 ’20; US-Aktien und Gold (jeweils in Euro umgerechnet) bis Q3 ’20.



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