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Warum steigt Gold nicht?

05.10.2021  |  Matt Piepenburg
Viele fragen sich, warum Gold nicht steigt, während fast jeder andere Rohstoff angesichts inflationärer Impulse neue Hochstände markiert. Das ist eine sehr berechtigte Frage. Einige meinen sogar, Gold sei tot, ein altes, albernes und "barbarisches" Relikt vergangener Zeiten, alter Rechnungsweisen und überkommener Vorstellungen von Vernunft. Natürlich sind wir hier anderer Meinung. Nicht weil wir Goldbugs aus der Schweiz wären, sondern einfach weil… ok, wir erklären es.


Aktuelle Kurse vs. Aktuelle und Zukünftige Funktionen

Wer Geschichte und Mathematik als Richtlinien betrachtet und nicht als "barbarische" und überalterte Disziplinen, der fällt ein Urteil über die eigentliche Funktion von Gold (ja selbst über die Goldkursentwicklung), das nicht allein in Abhängigkeit vom Papiergoldkurs milder oder härter ausfällt.

In einem gewissen Maße bleibt Gold . auch trotz Basel 3 . explizit manipuliert durch eine Handvoll Zentral- und Bullionbanken, denen die Strahlkraft des Goldes ein Graus ist. Und zwar aus keinem anderen Grund als der Scham darüber, dass Währungen (als auch verrückte monetäre Experimente) immer schwerer in Misskredit geraten.

Wir verfolgen tagtäglich die Bewegungen von physischem Gold, und wir können geradezu mit Sicherheit sagen, dass der Goldpapier-Handel nichts zu tun hat mit den ansonsten so "barbarischen" Kräften von echtem Angebot und echter Nachfrage nach dem Edelmetall.

Nichts.

Kurz: Der Papierpreis von Gold ist zu einer Fiktion geworden, die als Realität akzeptiert wurde. Was nicht verwundert in einer Finanzlandschaft, die sich jeder Vorstellung von ehrlicher Preisfindung oder grundlegenden kapitalistischen Prinzipien widersetzt (Beispiele: überbewertete Aktien, negativ verzinste Anleihen und transparenzallergische Zentralbanken).

Mit Blick auf die nicht enden wollende Gold-gegen-BTC-Debatte wäre es falsch zu sagen, Bitcoin hätte Gold überhaupt keinen Marktanteil gekostet. Doch mit weniger als 1 Billion $ wird BTC den 10 Bill. $ schweren Marktanteil von Gold nicht zerstören.

Kurz: Der aktuelle Kurs des Goldes ist ein weniger wichtiges Thema als seine aktuelle wie zukünftige Funktion als historische Absicherung gegen rechnerisch scheiternde Finanz- und Wirtschaftssysteme auf der ganzen Welt.

Abgesehen davon: Wir sind keine kompromisslosen Verteidiger der sinkenden Goldpreise; darüber hinaus haben wir keinen Zweifel daran, dass der Goldpreis bis Ende des Jahrzehnts deutlich über 4.000 $ pro Unze stehen wird und dass informierte Investoren, die auf’s Langfristige setzen und keine Spritztouren machen, dafür kräftig belohnt werden.

Mehr dazu später.


Die drei Funktionen von Gold

Betrachten wir jetzt erst einmal die historischen Funktionen von Gold als Absicherung gegen: 1) Rezessionsrisiken, 2) Marktvolatilität und 3) Inflations-/Währungsrisiken.


Rezessions-Absicherung

Im Kontext von Rezessionen ist Gold wie ein emotionales und mathematisches Barometer, das den Druck überhitzter monetärer Expansion prüft. Als solches steigt es noch bevor politische Entscheidungsträger unvermeidlich weitere "Stimuli" (d.h. Fiat-Währung auf Mausklick) ins System einspeisen. Wenn die Politik die Rezession schließlich offiziell ausruft, ist es für die meisten Anleger schon zu spät, um darauf noch zu reagieren. Glücklicherweise reagiert Gold schneller und antizipiert Geldmengenexpansion, sogar noch bevor die Geldpressen brummen.

Als Beispiel: Schon lange vor der "COVID-Rezession" von 2020 waren die Zeichen der Zeit - d.h. wachsende Verzweiflung an den Märkten und unter den Zentralbankern - ersichtlich.

Schon Ende 2019 waren die Verschuldungsstände jenseits von Gut und Böse, Liquidität versiegte, der Repo-Markt sog Monat für Monat hunderte Milliarden Fed-Dollar auf und inoffizielle quantitative Lockerungen im Umfang von 60 Mrd. $ monatlich waren schon im vollen Gang. Dann kam im März COVID. Märkte und BIP gingen in den Keller, und Gold war längst auf dem Weg zu einem 25%igen Anstieg (in Dollar) für das Jahr 2020, nachdem es 2019 schon um 19% gestiegen war.

Kurz: Als Rezessionsabsicherung war Gold beim Investorenschutz den Zentralbankern voraus.

Übrigens: Die Fed-Bilanz für Rezessionsvorhersagen und Anlegerwarnungen liegt bei 0 von 10…


Absicherung gegen Marktvolatilität

Wir alle erinnern uns an den März 2020, als die Märkte einen "Brechanfall" bekamen, und Gold mit ihnen fiel - in erster Linie ein Ausverkauf bedingt durch Liquiditätsnöte von Marktakteuren, die sich plötzlich mit Nachschussforderungen konfrontiert sahen und diese notgedrungen durch den Verkauf von Goldpositionen finanzierten.

Wie schon 2008 und 2009 folgte Gold anfangs dem Aktienmarkt auf seinem Weg unter die Wasserlinie - jedoch nicht mal ansatzweise so weit wie BTC es tat… Aber wie oben schon erwähnt: Gold reagierte schnell und antizipierte kommende Geldschöpfung (und somit Dollar-Entwertung); und so vollzog es für den Rest des Fiskaljahres einen stetigen Anstieg.

Natürlich stieg auch der Aktienmarkt, dank der unglaublichen und historisch beispiellosen Geldschöpfung, die im Jahr 2020 zu beobachten war: Mehr QE in weniger als einem Jahr als zwischen 2009-2015 (QE1-QE4 plus „Operation Twist“) im der Summe zusammenkam. Doch dankenswerterweise folgt Gold nicht bloß den Aktienmärkten, sondern sichert sie auch ab, wie die Vergangenheit zeigt und die Zukunft erneut bestätigen wird.

Derartige monetäre Stimuli lassen das entstehen, was Mises einen "Crack-Up-Boom" nennen würde; kurzfristig ist solche Liquidität allerdings eine wunderbare Sache für Aktien und Anleihen.

Wie wir an anderer Stelle geschrieben hatten, war COVID - und die anschließenden Maßnahmen der Politik - buchstäblich die Rettung für die Wertpapierblasen; sie verschärften den "Boom" sogar noch. Doch das anstehende Aufeinanderfolgen vom erst “Boom“ und später Volatilität - eben weil Risikoanlagen Kursstände erreichen, die rein gar nichts mehr mit Bewertung zu tun haben - wird dafür sorgen, dass diese Risikoanlagen im weiteren Verlauf mit unendlich heftigeren ("Crack-Up") Folgen zu kämpfen haben werden als Gold - und zwar in dem Moment, wenn (und nicht ‘falls’) dieses erschreckende Finanzsystem unter seinem eigenen sowie historisch noch nie erreichtem Gewicht implodiert.

Kurz: Gold wird zick machen, wenn die Märkte zack machen.

Das Anti-Gold-Lager wird natürlich süffisant grinsen und die eigenen Anleihen umarmen, und uns daran erinnern, dass Gold ein ertragsloses Relikt ist, aber gleichzeitig vergessen, zu gestehen, dass ironischerweise in diesem Fall "Renditelosigkeit" zu bevorzugen ist, da aktuell Staatsanleihen im Gegenwert von mehr als 19 Billionen $ negativ verzinst sind…


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