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Warum steigt Gold nicht?

05.10.2021  |  Matt Piepenburg
- Seite 3 -
Schlichter Realismus - Inflation ist unumgänglich, und kein strittiger Punkt

Zentralbanken arbeiten verzweifelt daran, höhere Inflation zu erzeugen, um Schulden wegzuinflationieren, ohne dies zugeben zu müssen.

Was doppelzüngige politische Entscheidungsträger da machen, ist grundsätzlich nichts Neues; einst wurden 2% Inflation als Obergrenze anvisiert, neu ist heute, dass jene 2% Inflation als neue Untergrenze "erlaubt" sind.

So wie Nixons Aussage 1971 zur "vorübergehenden" Schließung des Goldfensters oder Bernankes Versprechen von 2009 zum vorübergehenden Einsatz von QE, so ist auch die Lüge des Jahres 2021 von "vorübergehender Inflation" nicht weniger eine Lüge als die Lügen von 1971 oder 2009.

Und? Kommt einem irgendwie bekannt vor, oder?

Darüber hinaus braucht man bloß Realist zu sein, und kein Träumer, um die heutige und vor uns liegende inflationäre Wirklichkeit zu erkennen. Zentralbanker mögen beispielsweise unehrlich sein, aber sie sind nicht vollkommen blöd; nein, nur verzweifelt und realistisch. In den USA zum Beispiel setzt eine niederschmetternde aber auch explizit beschämende öffentliche Verschuldung (d.h. Staatsschuld) von 28,5 Billionen $ dem Handlungsspielräumen im Weisen Haus oder im Eccles Building (dem Fed-Hauptsitz) sehr schnell Grenzen.


Kaum weitere Optionen als Inflation

Aus diesem realistischen Blickwinkel betrachten wir jetzt die Handlungsoptionen der politischen Entscheidungsträger. Sie haben vier Möglichkeiten, um mit solchen Schulden umzugehen: Steuererhöhungen, Ausgabeneinschnitte, Bankrotterklärung oder aber die Entwertung der eigenen Währungen durch Inflation. Die ersten zwei werden in den USA schon angewendet - sprich politische Anstrengungen, um Steuererhöhungen zu erreichen und "Gerede" um Ausgabeneinschnitte. Beides politisch schwierige Optionen.

Die Bankrotterklärung außen vor gelassen, bleibt als bevorzugte Option nur noch die Abwertung des US-Dollars, welche dadurch erreicht wird, dass man die Realzinsen vorsätzlich auf extrem negative Stände treibt.

Lässt man der Inflation ihren Lauf und hält die Zinsen gleichzeitig niedrig, so reduziert sich die Zahl der Dollars, die zur Schuldenrückzahlung benötigt wird. Für normale Menschen ist das überhaupt nicht schön, allerdings ist die Fed, wie wir schon so häufig erklärt hatten, auch nicht an normalen Menschen interessiert. Anders formuliert: Indem der Wert des US-Dollars verringert wird, können die USA nun ihre laufenden Schulden mit abgewertetem Geld begleichen. Dazu braucht es auch keine Erlaubniszettel vom US-Kongress, und auch nicht vom Steuerzahler.

Angesichts eines derartigen Realismus wollen wir nochmals klar und unumwunden festhalten: Im Gegensatz zu gerade "nicht-steigenden" Goldpreisen ist diese Inflation definitiv nicht "vorübergehend" und wird es auch nicht sein. Viel mehr wird bewusst betriebene Inflation aktiv als Werkzeug des Sachzwangs eingesetzt - von eben jene Antihelden, die uns in dieses Schuldenloch gebracht haben.


Mehr Fed-Sprech, Weniger Redlichkeit

Das heißt: Die Fed wird wie auch immer geartete Ausreden, Wörter, Phrasen und Lügen auffahren, um ihr geldpolitisch moderates Vorgehen zu rechtfertigen, obgleich sie öffentlich mit strengem Gerede über geldpolitische Straffungen (Fed-Tapering) kokettiert. Schon jetzt drängt Powell, wenn er sozialen und umweltpolitischen Aktivismus anspricht, die Federal Reserve weit über ihr Mandat hinaus, denn das sind die netten Phrasen, mit denen sich… ja sie raten richtig… mehr Geldschöpfung und mehr (aber nicht "vorübergehende") Inflation rechtfertigen lässt.

Wenn ich Powell über die "Ungleichheiten am Arbeitsmarkt" reden höre, nachdem die Fed Jahre damit zugebracht hat, das oberste 1% der Gesellschaft zu Lasten der zunehmend ärmer werden unteren 90% reicher zu machen, dann höre ich hier derart triefende Scheinheiligkeit, dass mir die Augen tränen.

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In diesem dunklen Licht betrachtet, ist die Idee der Unabhängigkeit der Fed komplett und restlos fiktiv. Stattdessen überschreitet die Fed langsam die Linie, hinter der sie zum direkten Financier der gesamten Nation wird - und das geht allein mithilfe monetärer Expansion sowie vorsätzlicher (und damit deutlich steigender) Inflation. Und das ist die Besteuerung der Armen und eine Kugel ins Herz des US-Dollars. Satzende. Punkt.


Alles dreht sich um Schulden

An diesem Punkt sind wir realistischerweise wieder beim Thema Verschuldung angekommen. Ist die Menge der unrückzahlbaren Schulden zu hoch (ob nun im zombiefizierten Unternehmenssektor oder beschämenderweise auf nationalen Niveau), entfalten steigende Zinsen tödliche Wirkung.

Wie die Fed seit 2018 erfahren musste, reichen schon ein kleine Zinsanstiege, um die schuldengesättigte Märkte zu vernichten. Und die Kapitalertragssteuern dieser Märkte sind im Grunde alles, was Uncle Sam auf der Einnahmeseite einer Nation verbuchen kann, deren BIP vor Jahren an China verkauft wurde. Und dennoch… und dennoch… scheinen die Märkte vom Wunsch getrieben, dem Fantasiegebilde (und Fed-Sprech) von einer "vorübergehenden" Inflation, Glauben zu schenken.



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