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Aktien & Schulden: 50-facher Anstieg in 50 Jahren! Wie weit werden sie fallen?

19.10.2022  |  Egon von Greyerz
Aktien, Anleihen und Immobilien stecken in großen Bärenmärkten, Anleger hoffen (und beten) verzweifelt, die Fed und andere Zentralbanken mögen sie retten. Doch diesmal kommt es anders. (Sie kennen den Satz schon.) Die Zentralbanken sind entschlossen, die Inflation abzutöten - und mit ihr die Wirtschaft. Selbstverständlich werden sie dabei auch immer wieder panisch reagieren, wie jüngst die Bank of England, die eine 65 Mrd. £-Finanzspritze setzte, um Rentenfonds und den Staatsanleihemarkt (Gilts) zu retten.

So wie der 40-Jahre-Trend bei den Zinssätzen 2021 endete, so verwandelt sich auch die Hausse an den Aktienmärkten in eine langfristige Baisse. Die Inflation wütet weltweit und die anstehenden rapiden Zinssatzsteigerungen werden nicht nur Investoren schockieren. Die globale Verschuldung von 300 Billionen $ und die 2 Billiarden $ in Derivaten (hauptsächlich Zinsderivate) werden somit zu tödlichen Massenvernichtungswaffen.

Ja, die Zentralbanken werden gelegentlich panisch reagieren und die Zinssätze senken. Allerdings werden die schweren Schuldenlasten zu privaten wie staatlichen Schuldenausfällen führen, welche kontinuierlichen Zinsdruck erzeugen (steigende Zinsen).

Während die Welt vom größten ökonomischen wie (geo-)politischen Sturm der Geschichte erfasst wird, sind nur wenige Anleger auf die komplette Auslöschung ihrer Vermögen vorbereitet.


Dow: 55-facher Anstieg

Im Dezember 1974 markierte der Dow ein Tief bei 677 Punkten; 47 Jahre später markiert der Dow seinen Spitzenstand bei 37.000 Punkten - 55-mal so viel. Mit einer durchschnittlichen jährlichen Steigerungsrate von 9% hatte sich der Dow in dieser Zeit alle 8 Jahre verdoppelt.

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Wird Alfred sein ganzes Geld verlieren?

Kommen wir wieder zurück zu Alfred, einem US-Bürger, der gegen Ende des 2.Weltkriegs geboren wurde. Über ihn hatte ich im Februar 2019 einen Artikel geschrieben: "Aktienanleger wie Alfred verlieren 98% ihrer Investitionen."

Alfred hatte wirklich sehr viel Glück in seinem Leben als Anleger. Indem er alle seine Ersparnisse und Überschussgewinne in Dow-Jones-Anteile steckte, schaffte er es, bis Februar 2019 ein Vermögen von 14 Millionen $ anzuhäufen. Er hatte sogar noch das Glück, mitzuerleben, wie der US-Markt bis Ende 2021 weitere 45% stieg (einschließlich Dividenden). Sein Vermögen wuchs also noch einmal um weitere 6 Millionen $ auf 20,3 Millionen $ an.

Wie ich im Artikel von 2019 schrieb, hatte Alfred nie etwas verkauft; er saß in diesen 77 Jahren alle heftigen Korrekturen einfach aus. Bis Januar 2022 war diese Kaufen-und-Halten-Strategie also wunderbar aufgegangen. Ende der ersten Oktoberwoche 2022 stand Alfreds Portfolio dann im Minus - es sank von 20,3 Mio. $ (Januar) auf jetzt 16,2 Mio. $. Also ein Verlust von 4,1 Mio. $ für das Jahr 2022.

Aktuell ist Alfred in keinster Weise beunruhigt, schließlich hatte er in den letzten 77 Jahren schon viele Korrekturen von 20% bis 60% erlebt. Aufgrund dieser Erfahrungen macht sich Alfred keine Sorgen, obgleich 4 Millionen $ ein großer Papierverlust sind. Doch was, wenn Alfreds Traum zerplatzt und sich in einen Alptraum verwandelt, wenn sich all seine Gewinne in einem Marktzusammenbruch von 90% und mehr auflösen, wie in den Jahren 1929-32?

Aus meiner Sicht stehen die Chancen sehr gut, dass wir Einbrüche dieser Größenordnung erleben werden.


Eine schuldenverseuchte Welt

Seit Beginn der Schuldenorgie - also seit 1971, als Nixon den Goldstandard für den Dollar und folglich die meisten anderen Währungen aussetzte - lebt diese schuldenverseuchte Welt auf Pump und gekaufter Zeit. Und es ist in der Tat eine Orgie gewesen: Von 1971 ist die US-Gesamtverschuldung von 1,7 Bill. $ auf heute 92 Bill. $ angewachsen. Das ist eine atemberaubende Vervierundfünfzigfachung (54x) der US-Schulden in 52 Jahren!

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Jetzt schauen Sie sich den Dow-Jones-Chart am Anfang des Artikels an. Er zeigt eine Verfünfundfünfzigfachung (55x) des Aktienindex im selben Zeitraum! Es ist jedenfalls kein Zufall, dass Aktien und Schulden seit Anfang der 1970er um das 54-fache bzw. 55-fache gestiegen sind. Die Aktienmärkte sind nicht wegen eine gesunden und gut geführten Wirtschaft gestiegen. Nein, die Aktien sind nur deswegen gestiegen, weil Investoren Geld erhielten, um Wirtschaft und Vermögenspreise zu inflationieren.


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