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Silber-Kursdrückung: Geht die Hausse weiter oder droht eine Baisse?

07:00 Uhr  |  Dimitri Speck
Silber gehörte neben Platin und den Goldminen zu den besten Anlageklassen des Jahrs 2025. Mit einem Gewinn von 148 Prozent auf US-Dollar- und 118 Prozent auf Euro-Basis ließ das Edelmetall die Aktienmärkte und den Bitcoin weit hinter sich. Insbesondere im Dezember stieg Silber mit 25 Prozent spektakulär. Den Dezember und das Jahr 2025 schloss das Edelmetall mit 71,5 US US-Dollar je Feinunze.

Zwischenzeitlich kam es zu Höchstkursen bei 84 und in China sogar von umgerechnet 89 US-Dollar je Feinunze. Dabei war der deutlich tiefere frühere Höchstkurs aus dem Jahr 1980 von 54,5 US-Dollar je Feinunze erst wenige Wochen überboten worden.

Dieser spektakuläre Anstieg bis kurz nach Weihnachten wurde jäh unterbrochen. Am Montag, den 29.12., fiel Silber im frühen morgendlichen Handel in Australien binnen etwas mehr als einer Stunde um knapp 10 Prozent. Dieser Kursrückgang wirft Fragen auf, insbesondere die, ob es sich um eine gezielte Kursmanipulation handelt.


Eine kurze Geschichte der Edelmetall-Manipulationen

Das Vorkommen von Kursmanipulationen am Edelmetallmarkt ist kein Gerücht. Es wurde mittlerweile wiederholt gerichtlich festgestellt. So kam es zu Straf- und Vergleichszahlungen bei Instituten wie der Deutsche Bank, JP Morgan oder Nova Scotia in zwei- und dreistelliger Millionenhöhe. Es wurden auch mehrjährige Haftstrafen gegen die Akteure von Manipulationen der Edelmetallpreise ausgesprochen. Die meisten Manipulationen der Edelmetallpreise sind dabei Drückungen. Neben privaten Akteuren haben auch staatliche vor allem den Goldpreis beeinflusst.

Am 5.8.1993 begann die längste systematische Drückung des Goldpreises. Sie dauerte über zwei Jahrzehnt. Sie hinderte erst für drei Jahre bis 1996 den Goldpreis an Kursen oberhalb von 400 US-Dollar je Feinunze und führte ihn dann bis 2001 auf 250 US-Dollar je Feinunze zurück. Die Goldpreismanipulationen wurden auch in der Hausse des Goldpreises nach 2001 durchgeführt, als der Kurs bis 2011 bis auf fast 2.000 US-Dollar je Feinunze stieg.

In der Phase wurde der Preis aber nicht grundsätzlich am Anstieg gehindert. Vielmehr ging es darum, zu schnelle Ansteige zu verhindern, oder solche zu falschen Zeiten – insbesondere während Krisen, was wohl die Marktteilnehmer beruhigen sollte.

Ein Motiv der Kursdrückung nannte der damalige Chef der US-Notenbank Alan Greenspan am 18.5.1993 knapp drei Monate vor Beginn der Drückungen auf einer Sitzung laut einem fünf Jahre später veröffentlichtem Protokoll. Er sagte dies im Kontext von Inflationsgefahren, wobei das Wort "Thermometer" für den Goldpreis steht:

"Wenn wir es hier mit Psychologie zu tun haben, dann hat das Thermometer, das man zum Messen verwendet, einen Einfluss. Ich habe die Frage am Rande des Treffens mit Gouverneur Mullins aufgeworfen, was passieren würde, wenn das Schatzamt etwas Gold in diesen Markt verkaufen würde. Das ist eine interessante Frage, denn wenn Gold in diesem Umfeld ausbricht, wäre das Thermometer nicht nur ein Messgerät. Es würde fundamental die zugrunde liegende Psychologie beeinflussen."

Greenspan denkt hier also daran, durch Verkäufe von Gold einen schnell steigenden Preis zu verhindern, weil dies Inflation signalisiert hätte. So sollte die Inflationserwartung gedämpft und in der Folge das Verhalten der Sparer, Unternehmer und Arbeitnehmer beeinflusst werden.

Manipulationen können somit den Preis bei Edelmetallen über Jahre beeinflussen. Damit gehören sie zu den wichtigsten Einflussfaktoren für den Kurs. Für Anleger stellt sich daher die Frage, ob Ende Dezember 2025 manipuliert wurde und inwieweit Manipulationen den Kurs in den kommenden Monaten prägen können. In den vergangenen Jahren waren die Manipulationen selten geworden, es gab nur wenige Verdachtsfälle. Allerdings wurde beim Anstieg des Silbers zum Hoch 2011 der Preis ebenfalls nicht gedrückt, danach wurde er aber nachgewiesenermaßen systematisch manipuliert.

Im Unterschied zu Verbrauchrohstoffen kann bei Edelmetallen eine solche Manipulation für längere Zeit gelingen, indem sie auf die Lagerhaltung Einfluss nimmt. Eine Drückung beispielsweise bei Rohöl hingegen würde schnell zu einem Mehrverbrauch führen und den Effekt konterkarieren. In meinem Buch Geheime Goldpolitik (FinanzBuch Verlag) habe ich ausführlich über die Edelmetallmanipulationen geschrieben. Das Gold Anti-Trust Action Committee befasst sich seit 1998 mit der Goldpreismanipulation.


Der Intraday-Verlauf Ende Dezember 2025

Kommen wir zu dem Verlauf des Kurses am Silberhoch gegen Ende des Jahres 2025. Der Chart zeigt dazu den Intraday-Verlauf des Spot-Silberkurses von Dienstag, den 23.12, über den feiertagsbedingt verkürzten Mittwoch am 24.12. und den nächsten Handelstag am Freitag, den 26.12. bis Sonntag, den 28.12.25, als sich das Hoch ereignete. Den Kursen innerhalb des Tages liegt die New Yorker-Zeit zugrunde. Daher gibt es bereits am Sonntagnachmittag Kurse, wenn in Australien montagfrüh der Handel beginnt, an der US-Ostküste aber noch Sonntag ist.


Silber am Hoch 2025, in US-Dollar je Feinunze, 23.12. bis 28.12.2025

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Datenquelle: Dukascopy


Deutlich ist erkennbar, wie der Kurs in kurzer Zeit von 72 US-Dollar je Feinunze am Mittwoch vor dem Weihnachtsfeiertag auf 84 US-Dollar je Feinunze nach dem Wochenende am Sonntag in New York steil stieg (Montag früh in Australien). Dann folgte der erwähnte Einbruch am frühen morgendlichen Handel in Australien, als Silber binnen etwas mehr als einer Stunde um knapp 10 Prozent fiel.

Auffällig an dem Rückgang sind die hohen Umsätze am Terminmarkt am Montag früh in Australien, an dem üblicherweise kaum Umsätze stattfinden. Institutionelle Marktteilnehmer, die hohe Umsätze tätigen, platzieren große Orders üblicherweise nicht in einen kaum liquiden Markt hinein. Vielmehr nutzen sie volumenstarke Zeiten und verteilen große Aufträge über längere Zeiträume, um einen möglichst geringen Markteinfluss zu bewirken.


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