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Aristoteles: China baut Strukturen - was macht der Westen (USA)?

10.08.2017  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1732 (07.58 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1689 im europäischen Handel markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 110.00. In der Folge notiert EUR-JPY bei 129.05. EUR-CHF oszilliert bei 1.1334.

Geopolitik schwingt den Taktstock bezüglich der Befindlichkeiten an den Finanzmärkten. In der Folge der virulenten Spannungen um Nordkorea und der mehr oder weniger eingefrorenen Konflikte in der Ukraine und Syrien neben dem Jemen und anderen Hotspots, die in unserer Wahrnehmung weniger ausgeprägt sind, hat die Risikoaversion an den Märkten zugenommen. Das ist ablesbar an der positiven Performance des Schweizer Franken, dem Anstieg des Goldkurses und der überschaubarer Schwäche an den Aktienmärkten.

Bisweilen ist es elementar, sich ein Stück weit zurückzulehnen und eine alternative Perspektive einzunehmen. Sie ahnen, es geht wieder um Aristoteles:
Wer Strukturen verändert, verändert Konjunkturverläufe und ultimativ Haushaltslagen (freie Interpretation).

Wir waren eines der ersten Häuser, die das Thema Seidenstraße und "One Belt - One Road" vor circa vier Jahren themtisch aufgegriffen haben und die Bedeutung für die Weltwirtschaft und für Sie sachgerecht und professionell erklärten. Diese Infrastrukturmaßnahmen mit der damit verbundenen Erschließung des bisher extensiv genutzten Humankapitals ist Aristoteles par excellence.

Leider wird über die Projekte viel zu wenig berichtet. Wir liefern heute ein Appetithäppchen: Im Rahmen des Projekts Seidenstraße plant China eine Investition in Malaysia in der Größenordnung von 13 Mrd. USD. Das wäre das größte Projekt im Bahnsektor in der Geschichte Malaysias.

Diese Politik des länderübergreifenden Strukturaufbaus seitens Chinas ist Kooperation und Friedenspolitik, nicht Konfrontation! Sie ist aber aus Ermangelung vergleichbarer westlicher Initiativen fraglos Ausdruck einer finanz-ökonomischen Machtachsenverschiebung und damit auch Machtpolitik.

Was macht der Westen unter der Führung der USA hinsichtlich dieser Herausforderungen?

Machen Sie sich Ihre eigenen Gedanken und keine Sorgen um meine politische Korrektheit.

Aus Europa gibt es von Seiten der Reformländer positive Nachrichten: Aristoteles bestätigt! In Portugal ist die Arbeitslosenquote im zweiten Quartal deutlich gesunken. Sie stellte sich im 2. Quartal 2017 auf 8,8% nach 10,1% im ersten Quartal. Damit wurde die niedrigste Quote seit 2009 markiert!

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© Reuters


Im UK sieht nicht alles so rosig aus. Der Brexit, der auch eine Strukturmaßnahme nach Aristoteles darstellt (hier negative Strukturveränderung) hat seinen Preis, der jetzt auch am Immobilienmarkt tentativ erkennbar wird. Der als Frühindikator für den britischen Immobilienmarkt geltende Index des RICS-Survey (RICS: Royal Institute of Chartered Surveyors, der Index misst Preisentwicklung) sank per Juli unerwartet von zuvor 7 auf 1 Punkt. Die Prognose lag bei 8 Zählern. Damit wurde der niedrigste Wert seit Frühjahr 2013 markiert.

Festzuhalten ist, dass es damit immer noch zu einer Preissteigerung auf sehr mäßigem Niveau kommt. Ergo ist nur die Tendenz der Preisdynamik als kritisches Indiz einzuwerten.

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© Reuters


Die US-Produktivität setzte per Erstschätzung des 2. Quartals oberflächlich einen positiven Akzent. Es kam zu einer Zunahme um 0,9%. Die Prognose lag bei lediglich 0,7%. Gleichzeitig wurden die Daten des Vorjahres revidiert. Für das Gesamtjahr kam es nicht zu einem Anstieg um 0,2%, sondern zu einem Rückgang um 0,1%, dem ersten seit 1982.

Das war der schlechteste Jahreswert seit 1982!

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© Zerohedge


Im US-Großhandel ergab sich weitgehend ein rundes Bild. Die Lagerbestände legten per Juni um 0,7% im Monatsvergleich zu (Prognose 0,6%). Der Absatz war mit einem Anstieg um 0,7% im Monatsvergleich stark. Mehr noch wurde das Vormonatsergebnis von -0,5% auf -0,1% revidiert. An dieser Front gibt es Entwarnung.

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung bezüglich EUR-USD favorisiert. Eine neue Bandbreite ist etabliert. 1.10 - 1.12 stellt eine solide Unterstützungszone dar, während das Niveau 1,18 - 1,20 eine (noch) markante Widerstandszone liefert. "Buy the dip" Strategien sind in der Bandbreite favorisierrt.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Bremer Landesbank



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