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Beginnt die Schuldenkrise früher als gedacht?

13.11.2018  |  John Mauldin
Sind Schulden gut oder schlecht? Die Antwort darauf ist "ja".

Schulden sind im Grunde genommen zukünftige Ausgaben, die in die Gegenwart verlagert wurden. Sie ermöglichen es Ihnen, jetzt etwas zu kaufen, für das Sie andernfalls noch nicht die nötigen Mittel gehabt hätten. Ob das vernünftig ist oder nicht, hängt davon ab, was Sie kaufen. Wenn Sie Schulden aufnehmen, um sich zu bilden, damit Sie anschließend einen besseren Arbeitsplatz bekommen, kann das eine gute Idee sein. Aber Geld leihen, um Ihren Urlaub zu finanzieren? Wahrscheinlich nicht so schlau.

Leider nehmen zahlreiche Privatpersonen, Unternehmen und Regierungen allein deshalb Kredite auf, weil sie es können. Für viele ist das nur möglich, weil die Zentralbanken es in den letzten zehn Jahren so billig gemacht haben. So gesehen war die Schuldenaufnahme rational, aber das ändert sich, wenn die Zentralbanken ihre Geldpolitik nun zunehmend straffen.

Eher in diesem Jahr hatte ich eine Artikelreihe verfasst, in der ich eine "Schuldenkatastrophe" und deren letztliche Abschreibung bzw. Tilgung prognostizierte - ein Ereignis, das ich als "Großen Neustart" bezeichne. Ich hatte damit gerechnet, dass uns noch ein bis zwei Jahre bleiben, bis die Krise offen zu Tage tritt. Das ist im Prinzip noch immer meine Annahme. Allerdings sind mir mittlerweile Zweifel gekommen... Verschiedene Ereignisse der letzten Zeit deuten darauf hin, dass der Tag der Abrechnung näher sein könnte, als ich vor einigen Monaten vermutet hatte. Heute werden wir diese Entwicklungen sowie einige Vorschläge für eine angemessene Vorbereitung betrachten.


Süchtig nach Schulden

Wie erwähnt können Schulden durchaus sinnvoll sein - selbst Staatsschulden, in einigen Fällen. Ich bin zum Beispiel froh, dass Franklin D. Roosevelt Kriegsanleihen ausgegeben hat, um die Nazis zu besiegen. Heutzutage verschulden sich die Regierungen jedoch nicht, weil sie sich mit existenziellen Bedrohungen konfrontiert sehen, sondern nur, um ihren Bürgern und Kostenträgern möglichst viel Komfort zu bieten.

Analog dazu ermöglichen die Notenbanken diese Verschuldung, weil sie glauben, dass dadurch Wirtschaftswachstum generiert wird. Manchmal stimmt das auch. Das Problem ist, dass sie Schulden erschaffen, ohne groß darauf zu achten, wie die Finanzmittel verwendet werden. So entstehen künstliche Boomphasen und anschließende Crashs.

Uns wird gesagt, dass wir uns über den absoluten Schuldenstand keine Sorgen machen sollen, so lange die Wirtschaft im Gleichschritt wächst. Das ergibt durchaus Sinn. Ein Land mit einem höheren Bruttoinlandsprodukt kann mehr Schulden auf sich nehmen. Doch das ist heute immer weniger der Fall. Ich möchte Ihnen dazu zwei Datensets zeigen. Lacy Hunt verfolgt die Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, aus denen hervorgeht, dass die Schulden allmählich ihre Fähigkeit verlieren, das Wachstum zu stimulieren.

2017 wurde in den USA außerhalb des Finanzsektors durch Schulden in Höhe von 1 Dollar nur ein BIP von 40 Cent erzielt - anderswo war es noch weniger. Zum Vergleich: Vor 50 Jahren waren es noch mehr als 4 Dollar Wachstum für jeden Dollar Neuverschuldung (wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt).

Dieses Verhältnis hat sich im letzten Jahrzehnt erheblich verschlechtert. In China ist die Produktivität der Schulden zwischen 2007 und 2017 um 42,9% gesunken. Das war die weltweit schlechteste Entwicklung in einer großen Volkswirtschaft, aber auch andere Staaten haben an Boden verloren. Alle Industriestaaten verfolgen die gleiche vergebliche Strategie und hoffen auf Resultate, die wir zuletzt vor 40-50 Jahren gesehen haben. Aber wie mich mein Freund Rob Arnott immer wieder erinnert: Hoffnung ist keine Strategie.

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Wenn man sich daran gewöhnt hat, Wachstum durch Kreditaufnahmen zu stimulieren, aber die Kredite eines Tages nicht mehr den gewünschten Effekt haben, was passiert dann als nächstes? Sie haben es schon erraten: Die umsichtigen und vorausschauenden Machthaber erhöhen die Schulden zusätzlich. Das ist das klassische Verhalten eines Süchtigen. Die Dosis muss erhöht werden, um das gleiche High zu erzielen.

An diesem Punkt nennen Paul Krugman und andere mich normalerweise einen Schuldengriesgram und argumentieren, dass die Verschuldung keine Rolle spielt. Ich weise sie dann auf das Buch "Dieses Mal ist alles anders" hin, das vor zehn Jahren von Ken Rogoff und Carmen Reinhart veröffentlicht wurde und zeigt, dass in den vergangenen Jahrhunderten in jeder Phase des starken Schuldenwachstums der angehäufte Schuldenberg letztlich immer einen Unterschied machte. Am Ende gab es immer einen Tag der Abrechnung.

Die US-Wirtschaft ist so groß und mächtig, dass unsere aktuellen Staatsschulden von 24,5 Billionen Dollar (einschließlich der Schulden auf lokaler und bundesstaatlicher Ebene) bis zu diesem Tag ohne Weiteres auf 40 Billionen Dollar anwachsen könnten. Uns trennt nur eine Rezession von einer Staatsverschuldung von 30 Billionen Dollar. Das wird scheinbar über Nacht geschehen. Und anschließend werden die Haushaltsdefizite – ähnlich wie heute - Jahr für Jahr deutlich mehr als 1 Billion Dollar betragen.


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