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Die Risiken für Märkte ballen sich zusammen

27.11.2018  |  James Rickards
Während meiner weltweiten Reisen wird mir oftmals die Frage gestellt, welcher Faktor die nächste Finanzkrise auslösen wird. Diese Frage wird von denjenigen gestellt, die wissen, dass uns eine Krise bevorsteht. Doch diese Leute möchten auch zeitgleich ein bestimmtes Datum oder eine bestimmte Kette von Ereignissen gesagt bekommen, anhand dessen sie den richtigen Zeitpunkt für eine Reaktion festlegen.

Meine Antwort ist immer dieselbe: Wir können sicher sein, dass uns eine Krise bevorsteht und können auch deren Ausmaß einschätzen. Doch niemand weiß genau, wann diese auftritt und welcher spezifische Katalysator diese Krise auslöst.

Der zweite Teil meiner Antwort lautet: Bereiten Sie sich jetzt schon auf die Krise vor. Wenn sie eintritt, dann könnte sie sich äußerst schnell entfalten. Wenn Sie dem Aktienmarkt in letzter Zeit Ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben, dann wissen Sie, wie schnell sich ein Verkaufsfieber ausbreiten kann, sobald es begonnen hat. Betrachten Sie alleine schon die letzten zwei Tage.

Seit Oktober, als der Dow - sowie andere große Indices, die ähnliche Verluste auf einer Prozentbasis zu verzeichnen hatten - mehrere 100 Punkte verlor, sind nun schon mehrere Tage vergangen.

Inmitten der Krise mag es keine Zeit oder Möglichkeit geben, defensive Maßnahmen zu ergreifen. Das ist der Grund, warum ich meine Leser immer wieder daran erinnern möchte, dass nun der Zeitpunkt gekommen ist, um sich durch zunehmende Umverteilung zu Bargeld und Gold vorzubereiten.

Deshalb ist es nützlich, die wahrscheinlichen Krisenherde der nächsten Krise zu bedenken und die Ereignisse im Auge zu behalten, um die eigenen Chancen zu verbessern, eine Krise frühzeitig zu erkennen.

In einem früheren Artikel habe ich das Argument angebracht, dass die nächste Krise am Schrottanleihemarkt beginnen könnte. Es gibt jedoch auch eine Vielzahl anderer Möglichkeiten.

Sie erinnern sich sicherlich, dass die Finanzpanik von 2008 tatsächlich 2007 mit massiven Kreditverlusten der Subprime-Hypotheken begann. Diese Verluste führten dazu, dass bestimmte Hedgefonds und Geldmarktfonds ihre Tore schlossen. Investoren kämpften um die notwendige Liquidität, um die Verluste ihrer Hypotheken zu decken. Das veranlasste sie dazu, Aktien, Anleihen und Gold zu verkaufen, um Bargeld zur Deckung von Margin Calls zu erhalten.

Ende 2007 war die Panik eingedämmt, wurde 2008 jedoch mit dem Zusammenbruch von Bear Stearns, Lehman Brothers, AIG und anderer Unternehmen wieder zum Leben erweckt. Die Fed und das Finanzministerium griffen ein, um Garantien und Liquidität zur Verfügung zu stellen. Doch zuvor hatte der einfache Anleger schon die Hälfte seines Nettoreichtums verloren. Die Krise war jedoch nicht nur auf die USA begrenzt, sondern breitete sich weltweit auch nach Europa, China und Japan aus.

Nun offenbart sich eine neue Kreditverlustkrise. Die neue Krise findet nicht bei den Hypotheken sondern bei den Studienschulden statt.

Die gesamten, aktuellen Studienschulden im Wert von 1,6 Billionen Dollar sind größer als die Menge an Schrottanleihen im Spätjahr 2007 im Wert von 1 Billionen Dollar. Die Ausfallquoten der Studienschulden sind bereits höher als die der Hypotheken aus dem Jahr 2007. Dieses Mal entfallen die Kreditverluste nicht auf die Banken und Hedgefonds, sondern auf das Finanzministerium selbst - aufgrund von Regierungsgarantien.

Nicht nur die Zahlungsausfälle von Studienschulden nehmen zu, die Haushaltsverschuldung hat ebenfalls ein Rekordhoch erreicht. Studienschulden und Haushaltsverschuldung sind nur die Spitze des Schuldeneisbergs, der ebenfalls Schrottanleihen, Unternehmensschulden und sogar Staatsschulden umfasst; und all diese befinden sich weltweit auf oder nahe Rekordhochs.

Währenddessen bleibt der Handelskrieg ein weiteres großes Risiko für die Märkte.

Als die Handelsdispute im Frühjahr 2018 aufkamen, meinte ich, dass die Handelskriege langandauernd und schwer zu lösen sein werden. Und dass sie wesentliche negative Auswirkungen für die Wirtschaft mit sich bringen werden.

Die Wall Street nahm eine gegenteilige Haltung ein und schätzte, dass die Bedrohung durch die Handelskriege größtenteils nur zur Schau sei und selbst eher minimal Einfluss haben würde. Und natürlich, dass Trump und der chinesische Präsident Xi Jinping ihre Differenzen rasch beilegen würden. Typischerweise lag die Wall Street damit daneben.

Trumps bester Handelsberater, Peter Navarro, hielt vor kurzem eine Rede, in der er klarstellte, dass der Handelsdisput in absehbarer Zeit nicht gelöst werden wird. Ebenfalls wies er die Wall Street an, sich aus dem politischen Prozess zurückzuziehen.

Er meinte: "Falls es eine Vereinbarung gibt, falls und wenn es eine Vereinbarung gibt, dann zu Präsident Donalds J. Trumps Konditionen und nicht zu den Bedingungen der Wall Street."


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