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Das Ende des Schuldenzyklus naht

04.12.2018  |  John Mauldin
- Seite 3 -
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Quelle: Ray Dalio


Phase 1 ist der "gute" Teil. Die Menschen leihen Geld, aber nicht zu viel, und sie verwenden es für produktive Zwecke. Das unterstützt das Wirtschaftswachstum und hebt die Assetpreise an...und hier beginnen die Dinge, schiefzugehen.

In Phase 2, die Dalio als "Blase" bezeichnet, betrachten die Menschen die jüngere Vergangenheit und entscheiden, dass die Kurse, die Gesamtnachfrage und der Konsum weiter steigen werden. In ihrer übertriebenen Zuversicht nehmen sie zusätzliche Kredite auf und beginnen, sich zu hoch zu verschulden. Dabei ist es allerdings unmöglich, den Moment, an dem aus "genau richtig" "zu viel" wird, exakt zu definieren.

Phase 3, das "Top", tritt ein, wenn die Zentralbanken, Regulatoren und manchmal sogar die Kreditinstitute selbst Probleme erkennen und Schritte einleiten, um das Wachstum zu bremsen. Dabei glauben sie immer, sie könnten es verlangsamen, ohne zu stark auf die Bremse zu treten. Sie erhöhen die Zinssätze, straffen die Kreditvergabestandards etc.

Phase 4, die unheilverheißend als "Depression" bezeichnet wird, tritt ein, wenn sich das Wachstums verlangsamt oder umkehrt, ohne dass die Notenbanken und die Politik noch etwas dagegen tun können. Sie versuchen es dennoch weiter. An diesem Punkt werden die Zinsen auf Null oder in den Minusbereich gesenkt. Den Zentralbanken geht die Munition aus. Alle müssen jetzt die Folgen tragen.

Phase 5 ist die Zeit des Schuldenabbaus, in der die Unternehmen und Familien ihre Ausgaben reduzieren, um die Schulden zurückzahlen. Diese kann lange andauern, doch wenn die Verschuldung sinkt, bekommen die Menschen ihre Kosten in den Griff und beginnen langsam, sich zu erholen. Schließlich erreicht die Volkswirtschaft Phase 6, die Normalisierung, und der Zyklus wiederholt sich.


Das Wohlstandsgefälle

Das war also die Vorlage für eine gewöhnliche Schuldenkrise. Jede Krise hat ihre ganz eigenen Umstände (die Dalio im letzten Teil des Buches alle gesondert betrachtet), aber im Allgemeinen folgen sie diesem Muster. Das wirft die Frage auf, an welchem Punkt wir uns aktuell befinden. Dalio denkt, dass wir uns dem Ende des Zyklus nähern und nennt die Zinsen als Beleg.

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Quelle: Ray Dalio


Die Vereinigten Staaten erlebten im Laufe der letzten 100 Jahre bereits zwei Schuldenkrisen, die so schwerwiegend waren, dass die Fed die Zinsen auf Null senken und auf unkonventionelle Maßnahmen wie quantitative Lockerungen zurückgreifen musste. Das erste Mal war in den 1930er Jahren, das zweite Mal 2008-2009. In beiden Fällen hat es "funktioniert", d. h. die Assetpreise haben sich erholt. Dies hatte aber auch nachteilige Folgen, weil die höheren Preisen vor allem den Besitzern von Finanzwerten zu Gute kommen. Die meisten Menschen verfügen allerdings nicht über derartige Assets, zumindest nicht in nennenswertem Umfang.


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