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95% minus am Aktienmarkt und ein Riesenproblem, das sich nicht aufschieben läßt

25.04.2019  |  Egon von Greyerz
Wird das durchschnittliche Aktienmarktportfolio erneut um 1.900% aufwerten, damit die kommenden Verluste von 95% wieder wettgemacht werden können? Vor dieser unglaublichen Aufgabe werden Investoren in den kommenden Jahren stehen.

Vor sechs Wochen schrieb ich über Alfred - einen Mann im Alter von 74 Jahren, der ein Vermögen von 14 Millionen $ gemacht hat, indem er sein Leben lang permanent im Dow investiert blieb. Alfred hat nie die US- oder Weltwirtschaft analysiert. Auch keine einzige seiner Aktienpositionen. Kontinuierlich im Markt zu sein - das war sein Geheimnis.

Alfred ist kein tiefgründiger Denker, folglich kam es ihm auch nie in den Sinn, welches Glück er gehabt hatte. In seinen 74 Jahren hatte es keinen großen Krieg gegeben. Auch ökonomische Depressionen hatte es nicht gegeben und die Wirtschaftsabschwünge waren geringfügig. Er hatte sein ganzes Leben über Arbeit gehabt und musste nie mit Arbeitslosigkeit kämpfen. Wie viele andere Investoren ist auch Alfred sich nicht im Geringsten bewusst, dass er enorme Unterstützung vom Staat erhalten hat, der zu seinen Lebzeiten fast ständig Kreditexpansion und Geldschöpfung betrieben hatte.

Alfred hat das Glück gehabt, dass er von größeren Katastrophen abgeschirmt blieb. So auch seine Kinder und Enkel. Seine Kinder gehören zur 40-Plus-Generation, sie sind gut gebildet und haben gute Jobs. Seine Enkel sind zwischen 10 und 17 Jahre alt und haben ebenfalls ein sehr gutes Leben.

Also: Drei Generationen haben bislang ein Leben mit wirtschaftlichem Wohlstand und Frieden genossen. Aus geschichtlicher Sicht ist eine solche Periode einzigartig. Ein dreiviertel Jahrhundert ohne große Kriege oder Wirtschaftsmiseren - das ist bemerkenswert.

Wenn wir die Zukunftsaussichten der Kinder und Enkel Alfreds für die kommenden Jahrzehnte allein an Wahrscheinlichkeiten festmachen, dann werden sie wahrscheinlich keiner so strahlenden Zukunft entgegenblicken, wie sie Alfred noch genießen konnte. Ökonomisch hat sich die Welt ihr eigenes Grab geschaufelt. Jahrzehntelange Defizitfinanzierung und Kreditexpansion haben Alfred einen Lebensstandard und eine Lebensqualität beschert, in deren Genuss die Nachkommen Alfreds höchstwahrscheinlich nicht kommen werden.


Seit 2000: Verdreifachung der globalen Verschuldung in nur 19 Jahren

Wie können diese Schulden jemals zurückgezahlt werden? Es ist erst das 19. Jahr in diesem Jahrhundert und die globale Verschuldung hat sich schon verdreifacht – von 80 Billionen $ auf 250 Billionen $. Ein Teil dieser Schulden hat dazu beigetragen, dass Alfreds Vermögen auf 14 Millionen $ gestiegen ist. Diese unglaubliche Schuldenproduktion hat die Märkte zu Gunsten des obersten 1% dieser Welt künstlich befeuert, während die restlichen 99 % die Schulden am Hals haben. Natürlich werden sie diese nie zurückzahlen.

Wenn die Schuldenkrise beginnt, was wahrscheinlich in den nächsten 12 Monaten der Fall sein wird, wird es mehr Defizite, mehr Schulden und mehr Geldschöpfung geben. Die Zentralbanken werden versuchen, die Schulden aus der Welt zu inflationieren, doch sie können ein Schuldenproblem natürlich nicht mit noch mehr Schulden lösen. Dieses Mal wird das größte QE-Programm der Geschichte nicht wirken.

Im Zeitraum von 2007-09 belief sich die Gesamtsumme aus QE, Kreditexpansion sowie Garantien auf mindestens 25 Billionen $. Das nächste Mal werden es wahrscheinlich mehr als 100 Billionen $ sein, da auch die Derivatepositionen im Umfang von 1,5 Billiarden $ in die Luft gehen werden, sobald Gegenparteien ausfallen. Wenn die Welt dann feststellt, dass auch Zentralbanken mit ihren Geldschöpfungsorgien nichts mehr ausrichten können, wird sich Panik breitmachen.


Moderne Geldtheorie oder einfach mehr Mehr-Geld-Theorie

Lässt sich der kommende Zusammenbruch also durch MMT (Mehr-Geld-Schöpfen) stoppen? Wohl kaum! 2007-09 gelang es der Fed, der EZB und anderen Zentralbanken, das Problem noch um ein Jahrzehnt aufzuschieben. Und das ist bemerkenswert, bedenkt man, wie nah das System schon den Totalzusammenbruch war. Doch dieses Mal ist das Problem zu riesig, es kann auch auf Biegen und Brechen nicht weiter aufgeschoben werden.

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Niemand ist auf die kommenden Aktienmarktverluste von 95% vorbereitet

Irgendwann in den nächsten Jahren wird die größte Asset- und Schuldenblase der Geschichte implodieren. Die Schulden, die niemand zurückzahlen kann, werden wertlos sein. Und alle Anlagen, die mithilfe dieser Schulden künstlich aufgebläht wurden, werden ebenfalls implodieren. Es wird kaum oder kein umlaufendes Geld mehr geben, da das Bankensystem zusammenbrechen wird.


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