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Chinas nukleare Option

14.06.2019  |  Dr. Keith Weiner
Eine geldpolitische Thematik wird von einem Paukenschlag begleitet und wächst nun langsam zu einem Crescendo heran: China könnte seine Bestände an US-Staatsanleihen - im Wert von mehr als 1 Billionen Dollar - verkaufen und den Staatsanleihemarkt zum Einsturz bringen. Da die Zinsen invers mit dem Anleihepreis zusammenhängen, würde ein Preiseinbruch die Zinsen in die Höhe schießen lassen. Die US-amerikanische Regierung sehe sich schnell wachsenden Kosten zur Bedienung ihrer Zinsen sowie einem raschen Zusammenbruch gegenüber, der zum Bankrott führen würde. Amerika könnte dem Pfad folgen, der bereits von Venezuela oder Zimbabwe beschritten wurde.

Wie ernst ist diese Bedrohung?

Das Independent Institute schrieb in einem Artikel:

Was würde passieren, wenn die chinesische Regierung ihre Bestände an US-Staatsanleihen zur Waffe machen würde, indem sie diese verkauft?

Das ist eine Option, die von Hu Xijin, dem Herausgeber des staatlichen Magazins Global Times, nahegelegt wurde.

Das Verkaufen der Anleihebestände sei Chinas "nukleare Option", um gegen die US-Regierung im Handelskrieg vorzugehen ...


Eine Schlagzeile der Financial Times sagt schon alles: "China verkauft US-Anleihen so schnell wie noch nie zuvor in den letzten zwei Jahren". Im Mittelteil des Artikel verwendet man die Phrase "zur Waffe machen".

Bloomberg warnt: "Handelskonflikt lässt Anleiheinvestoren einen Blick auf Chinas Bestände bei der Fed werfen." Zumindest verwendet dieser Artikel nicht die Phrase "zur Waffe machen."

CNBC fügt einen neuen Faktor hinzu; nämlich, dass sich China durch Schaden Amerikas auch selbst zerstören würde. Der Artikel verwendet das Wort "Waffe", ebenso wie "nukleare Option."


Kapitalabflüsse

Ambrose Evans-Pritchard vom Telegraph ist eine der Personen, die einen Blick auf "Chinas zunehmende Kapitalabflüsse" werfen. Er führt eine gute Analyse durch, die wir selbst als gesunden Menschenverstand bezeichnen würden. Außer dass dieser aktuell eher Mangelware zu sein scheint. Die Kapitalabflüsse finden aufgrund zweier Faktoren statt. Erstens: Ausländische Investoren fürchten die Auswirkungen von Trumps Zöllen auf die chinesische Unternehmensprofitabilität. Zweitens: Chinesische Unternehmen beschaffen US-Dollar, um mögliche Zahlungsausfälle zu vermeiden.

Auf der ganzen Welt leihen sich Unternehmen US-Dollar. Irgendwie müssen sie Dollarumsatz machen, um diese Schulden zu bedienen. Ein Handelskrieg reduziert das Handelsvolumen und kann die Profitabilität des verbleibenden Handels zerstören. Demnach sind Dollarschuldner deshalb noch verzweifelter auf Dollar aus.

Wir fügen noch einen weiteren Treiber zu Evans-Pritchards Liste hinzu. Mithilfe der vielen informativen Konversationen, die wir hatten, hat sich ein Bild herauskristallisiert: Personen mit hohem Reinvermögen ziehen ihr Kapital aus dem Yuan zurück. Dieser Abfluss droht die Währungskoppelung Hongkongs zu zerbrechen, die durch dessen Währungsausschuss verwaltet wird (eine der brillanten Ideen der geldpolitischen Zentralplanung).

Wir wollen zeigen, dass China seine Staatsanleihen nicht verkaufen kann, da es sich damit selbst schaden würde. China würde einen extremen Rückstoß verkraften müssen, sollte es diese Waffe abfeuern. Dann werden wir unsere Hauptthese beweisen: Dass China zwar den US-Dollarpreis gegenüber anderen Währungen beeinflussen kann, doch nicht die Zinsen.


Selbstverschuldete Wunden

Mit dem Verkauf der US-Dollar nimmt China einfach nur die andere Seite des Handels ein; im Gegensatz zu denjenigen, die Yuan verkaufen und Dollar erwerben. China möchte nicht, dass der Yuan zusammenbricht. Wenn also starker Verkaufsdruck herrscht, intensiviert es seine Käufe und verkauft seine Dollarreserven. Der Yuanpreis befindet sich unter Chinas Kontrolle solange seine Dollarreserven ausreichen. Wenn dem Land die Dollar ausgehen, dann wird die Welt erkennen, welchen tatsächlichen Marktwert der Yuan besitzt. Die Dollarbestände sind wertvolle Reserven, die vorsichtig verwaltet und nicht verschwendet werden dürfen.

Lassen Sie uns klarstellen, bevor das obige als Rechtfertigung für Trumps Zölle aufgefasst wird, die "zumindest China mehr schaden als Amerika." Wir verdammen das gesamte Regime der uneinlösbaren Währung mit dem Dollar als Weltreservewährung. Um das mit der maximalen Wirkung zu tun, müssen wir die Funktionsweise des Systems akkurat beschreiben.


Das Verlangen des Süchtigen nach Dollarspritzen

Jedes Land dieser Welt (mit Ausnahme einiger Außenseiter) braucht einen stetigen Fluss neugeschaffener Dollar. Sie benötigen Dollarumsatz, um ihre Schulden zu bedienen. Und wie jeder andere auch, sind sie durch das Feature - nicht den Bug - der uneinlösbaren Währung gefangen. Schulden können nicht ausgelöscht, sondern nur bedient werden. Jemand muss mehr Kredit aufnehmen - eine Vielzahl an Personen - um das Vorhaben am Laufen zu halten.

In dieser Diskussion um chinesische Kapitalabflüsse erkennen wir einen kleinen Teil der Bedeutung einer Reservewährung. Das bedeutet nicht, dass Öl in Dollar bepreist ist (auch wenn Öl in Dollar bepreist ist). Das bedeutet nicht, dass Transaktion in Dollar durchgeführt werden (auch wenn sie in Dollar durchgeführt werden). Das bedeutet, dass eine Vielzahl an Krediten in Dollar getätigt werden.

Die wachsende Anzahl chinesischer Produzenten, die im Netz des Handelskrieges gefangen ist, muss ihre Schulden dennoch bedienen. Wenn sie das nicht können, dann geraten sie in Zahlungsverzug und ihre Gläubiger werden ihre Assets beschlagnahmen. Und hierbei sollte klar sein, dass die Gläubiger den monatlichen Cashflow und nicht die Assets der erloschenen Produzenten haben möchten. Denn auch sie haben Kredite aufgenommen, um Kredite vergeben zu können. Sie müssen also ebenso ihre Schulden bedienen oder ihre eigene Liquidierung riskieren.

Der Dollar befindet sich nicht nur auf der Passiva-Seite jeder großer Bilanz dieser Welt, sondern auch auf der Aktiva-Seite. Das schließt auch die People's Bank of China (PBoC) ein. Wie andere Zentralbanken gibt sie die lokale Währung als ihre Verbindlichkeit aus und hält Dollar als Assets. Sie nimmt also Kredite in ihrer lokalen Währung auf, um ihr Portfolio aus Dollarvermögenswerten zu finanzieren. Das ist der Grund, warum wir alle anderen Währungen als Dollarderivate bezeichnen.

Für die lokale Währung gilt dieselbe Funktionsweise wie die der uneinlösbaren Währung. Schulden können nicht ausgelöscht werden. Es muss einen steten Fluss neuer Kredite geben, die ausreichend sind, dass selbst der geringfügige Schuldner seine Schulden bedienen kann. Gegenüber dieser absoluten Vorgabe ist es kontraproduktiv für die PBoC, Yuan zu kaufen und Dollar zu verkaufen. Indem eine Zentralbank ihre eigene Währung erwirbt und Assets verkauft, wird eine monetäre Kontraktion verursacht. Das ist ein Fluch jedes uneinlösbaren Währungsvorhabens.


Vom Regen in die Traufe

An diesem Punkt könnte jemand sagen, dass China seine Dollar gar nicht verkaufen und Yuan erwerben muss. Es könnte seine Dollar gegen eine andere Währung eintauschen. Mit Ausnahme der Frage, ob eine andere Währung die enormen Flüsse stützen könnte, die China erschaffen würde und der Tatsache, dass die anderen Währungen alle Dollarderivate sind, gibt es ein Problem. Das Vorhaben jeder Zentralbank ist es, einen Gewinn aus der Differenz zwischen Passiva und Aktiva zu schlagen. Lassen Sie uns das erklären.


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