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Ein "letztes Hurra" für Zentralbanker

01.02.2020  |  James Rickards
Wir alle haben schon einmal Zombie-Filme gesehen, in denen die Guten die Zombies abschießen, doch die Horde einfach nicht weniger wird... weil es Zombies sind!

Marktbeobachtern kann man es nicht verdenken, wenn sie ähnlich über den ehemaligen Vorsitzenden der Federal Reserve Ben Bernanke denken.

Bernanke war Fed-Vorsitzender von 2006 bis 2014, bevor er das Amt an Janet Yellen übergab. Nach seiner Amtszeit kehrte Bernanke nicht in die akademische Welt zurück (zuvor war er Professor an der Princeton University gewesen), sondern schloss sich der linkspolitischen Brookings Institution in Washington, D.C. an.

Bernanke ist Beweis dafür, dass Washington eine merkwürdige Anziehungskraft auf die Menschen auswirkt. Sie kommen aus jedem Teil Amerikas, doch die meisten von ihnen gehen niemals. Es wird jeden Tag mehr und mehr zum imperialistischen Rom.

Doch gerade als wir dachten, dass Bernanke im D.C.-Sumpf vergraben sein könnte und wir niemals wieder etwas von ihm hören würden... kam er zurück, wie ein Zombie!

Bernanke hielt eine hoch profilierte Ansprache an die American Economic Association während eines Treffens in San Diego am 4. Januar. In seiner Ansprache erklärte Beranke, dass die Fed noch immer genügend Werkzeuge besitzen würde, um eine neue Rezession zu bekämpfen.

Er erwähnte quantitative Lockerung (QE), Negativzinsen und Forward Guidance als mögliche Werkzeuge im Werkzeugkasten. Er schätzt, dass sie gemeinsam wie 3 Prozentpunkte zusätzlicher Zinssenkungen fungieren würden. Doch das ist Unsinn.

Hier ist die echte Wahrheit...

Dass QE2 und QE3 die Wirtschaft überhaupt nicht angekurbelt haben; dass dies die schwächste Wirtschaftsexpansion der US-Geschichte ist. Alles, was QE tat, war die Schaffung von Assetblasen in Aktien, Anleihen und Immobilien, die noch nicht geplatzt sind (wenn wir Glück haben) oder zusammengebrochen sind (wenn wir Pech haben).

Währenddessen regen Negativzinsen die Leute nicht zum Ausgeben an, wie Bernanke erwartet. Stattdessen sparen die Leute mehr, um das wieder gut zu machen, was die Bank als "negative" Zinsen konfisziert. Das schadet dem Wachstum und befördert die Fed noch weiter von ihrem Inflationsziel weg.

Was ist mit "Forward Guidance?"

Forward Guidance fehlt es an Glaubwürdigkeit, weil die Prognosebilanz der Fed miserabel ist. Ich habe mindestens 13 Male gezählt, als die Fed mit ihrer Politik auf die Nase fiel, weil sie keine richtige Prognose anstellen konnte.

So ist jede von Bernankes Behauptungen also fragwürdig. Es gibt einfach keine realistische Basis, um zu argumentieren, dass diese kombinierten politischen Maßnahmen 3 Prozentpunkten zusätzlicher Zinssenkungen gleichkommen würden.

Und die Bilanz ist deutlich: Die Fed braucht Zinsen zwischen 4% und 5%, um Rezession zu bekämpfen. So viel "Pulver" braucht die Fed zum Eintritt in eine Rezession.

Im September 2007 belief sich der US-Leitzins auf 4,75%, am oberen Ende des Spektrums. Das gab der Fed genügend Raum zur Zinssenkung, was sie sicherlich auch tat. Zwischen 2008 und 2015 lagen die Zinsen essentiell bei Null.

Die aktuelle Zielspanne des US-Leitzinses liegt zwischen 1,50% und 1,75%. Ich prognostiziere für dieses Jahr keine Rezession, doch wenn diese eintritt, dann wird die Fed keinerlei Raum mehr haben, um die Zinsen zu senken; wie sie es im Kampf gegen die große Rezession tat.

Ich bin nicht der Einzige, der dieses Argument anführt. Hier ein Zitat vom ehemaligen Finanzminister Larry Summers:

"[Bernanke] argumentierte, dass die Geldpolitik es das nächste Mal schaffen wird. Ich denke, dass ist ziemlich unwahrscheinlich, wenn man bedenkt, dass wir während Rezessionen typischerweise die Zinsen um fünf Prozentpunkte senken und die Zinsen heute unter 2% liegen... Ich denke einfach nicht, dass QE und dieses Zeug weitere 3 Prozentpunkte wert sind."


Summers nennt Bernankes Ansprache zudem noch "eine Art letztes Hurra für die Zentralbanker."

Er liegt richtig. Doch wenn die Geldpolitik nicht die Antwort ist, was hält Summers dann für die Antwort?

Fiskalpolitik. Die Regierung wird direkt Geld in die Wirtschaft fließen lassen müssen, anstatt sich auf den sickernden "Reichtumseffekt" zu verlassen, um die Wirtschaft zu stimulieren.

Hier ein Zitat von Summers:

"Wir werden uns darauf verlassen müssen, das Geld direkt in die Taschen der Menschen fließen zu lassen, auf direkte Regierungsausgaben."

Erinnern Sie sich an den Begriff "Helikoptergeld?" Milton Friedman prägte den Begriff vor 50 Jahren, als er eine Analogie darüber anstellte, Geld aus einem Helikopter zu werfen, um die Auswirkungen aggressiver Fiskalpolitik zu illustrieren.

Das ist essentiell, was Summers befürwortet. Es mag ähnlich wie die Idee hinter der modernen Geldtheorie oder MMT klingen, doch es ist nicht notwendigerweise dasselbe. MMT führt Helikoptergeld in vollkommen andere Dimensionen und Summers war tatsächlich sehr kritisch gegenüber der MMT.

Doch die Idee der direkten Regierungsausgaben, um die Wirtschaft anzukurbeln, ist dieselbe und erhält in offiziellen Kreisen mehr und mehr Aufmerksamkeit.

Es gibt guten Grund zu glauben, dass es bald auch in ihre Kinos kommen wird. Und vielleicht früher als Sie glauben.


© James Rickards



Der Artikel wurde am 23. September 2019 auf www.dailyreckoning.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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