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Europa bereitete seit den 1970er Jahren einen weltweiten Goldstandard vor

01.09.2020  |  Jan Nieuwenhuijs
Recherchen enthüllen, dass die europäischen Zentralbanken einen neuen internationalen Goldstandard vorbereitet haben. Seit den 1970er Jahren wurden immer mehr Maßnahmen eingeführt, die den Weg für ein faires und beständiges Geldsystem geebnet haben.

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Meiner Meinung nach endet das derzeitige internationale Fiatgeldsystem - unkonventionelle Geldpolitik ist in einer Sackgasse gelandet und kann nicht mehr umkehren. Ich habe darüber bereits zuvor geschrieben und werde diese Nachricht im heutigen Artikel nicht wiederholen. Stattdessen werde ich eine Thematik ansprechen, die mehr Aufmerksamkeit verdient: Die Tatsache, dass die europäischen Zentralbanken dies bereits Jahrzehnte zuvor kommen sahen, als die Welt zu einem reinen Papiergeldstandard überging. Dementsprechend haben sich europäische Zentralbanken sorgfältig auf ein neues Geldsystem vorbereitet, das auf Gold basiert.

Als die letzten Reste des Goldstandards 1971 von den USA abgeschafft wurden, zwangen die Umstände die europäischen Zentralbanken dazu, die Vorherrschaft des Dollar zu akzeptieren; zumindest vorerst. In Europa war man jedoch dazu aufgelegt, die Dollardominanz zu kontern und langsam ein neues Arrangement vorzubereiten. Derzeit signalisieren die Zentralbanken Europas, das ein neues System, das Gold umfasst, bevorsteht.


Der Aufstieg und Niedergang von Bretton Woods

Ende des Zweiten Weltkrieges wurde ein neues internationales Geldsystem namens Bretton Woods ratifiziert. Unter Bretton Woods wurde der US-Dollar zur offiziellen, weltweiten Reservewährung und wurde durch Gold zu einem Umrechnungskurs von 35 Dollar je Unze gedeckt. Die Vereinigten Staaten besaßen 60% allen monetären Goldes - mehr als 18.000 Tonnen - und versprachen, dass der Dollar "so gut wie Gold" sei. Alle anderen teilnehmenden Länder versprachen, ihre Währungen an den Dollar zu binden. Bretton Woods war ein typischer Goldtauschstandard.

Es brauchte nicht lange, bis die USA mehr Dollar druckten und exportierten, als durch Gold gedeckt worden konnte. Dies sorgte für Sorgen über den Umrechnungskurs von 35 Dollar je Unze. Als Folge dessen begannen Zentralbanken, Dollar gegen Gold beim US-Finanzministerium einzulösen. Die großen Goldreserven der USA begannen zu schwinden und flossen größtenteils nach Westeuropa.

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Um das internationale Geldsystem zu stabilisieren, führte ein Konsortium aus acht westlichen Zentralbanken den Londoner Goldpool im Jahr 1961 ein, um den Goldpreis am freien Markt bei 35 Dollar zu halten. Trotz der Tatsache, dass Frankreich - das sehr kritisch gegenüber der US-Geldpolitik war - ein Mitglied des Pools war, löste es wiederholt Dollar beim Finanzministerium ein. Frankreich kaufte damit also Gold vom US-amerikanischen Finanzministerium, um dieses am freien Markt durch den Pool zu verkaufen.

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Im Jahr 1965 nahm der Druck auf den Dollar zu und der Pool musste große Mengen Gold dazu verwenden, die Währungskopplung aufrechtzuerhalten. Europäische Zentralbanker beratschlagten, wie man aus der Pool-Vereinbarung herauskommen könne. Europa wollte die Währungskopplung nicht auf unbestimmte Zeit gegen ein Problem verteidigen, das essentiell von den Vereinigten Staaten verursacht worden war. Im Jahr 1967 wurde das britische Pfund abgewertet, was das Vertrauen in das gesamte System schädigte; Frankreich zog sich aus dem Pool zurück. Die Situation eskalierte schnell. Der bekannte Goldautor Timothy Green schreibt in "The New World of Gold (1982)":

"Könnte man Gold bei 35 Dollar beibehalten? Der Goldpool, mit Ausnahme von Frankreich (unter de Gaulle, der schlauerweise ausstieg), dachte das. Es standen fast 24.000 Tonnen Gold zur Verfügung. Und William McChesney Martin vom Board der Federal Reserve meinte leichtsinnig, dass man einen Goldpreis von 35 Dollar "bis zum letzten Barren" verteidigen würde.

Doch die Tet-Offensive in Vietnam zerschmetterte diese Zusicherung. Zwischen dem 8. und dem 15. März 1968 musste der Pool fast 1.000 Tonnen bereitstellen, um den Preis auf diesem Niveau zu halten. Flugzeuge der US-amerikanischen Air Force flogen immer mehr Fort-Knox-Gold nach London, und im Wiegeraum der Bank of England stapelte sich so viel Gold, dass der Boden einbrach."


Am 15. März 1968 beendete der Pool seine Operationen und es wurde dem Goldpreis am freien Markt erlaubt zu schwanken. Auch wenn Zentralbanken zustimmten, Gold untereinander zu 35 Dollar zu handeln und nicht am freien Markt zu kaufen und zu verkaufen. Ein "zweistufiger Goldmarkt" war entstanden.

Ausländische Zentralbanken konnten Dollar noch immer beim Finanzministerium einlösen - zum offiziellen Goldpreis, der niedriger war als der Preis am freien Markt - doch das wurde als "unfreundlich" angesehen. Anfang August 1971 sendete Frankreich ein Kriegsschiff nach New York, um Gold in Austausch gegen Dollar aufzuladen. Einige Tage später, am 15. August, beschlossen die Vereinigten Staaten eigenmächtig, Bretton Woods zu beenden, indem der Umtausch von Dollar suspendiert wurde. Europa, Japan und andere Länder waren nicht amüsiert. Die Dollarreserven, die zuvor durch Gold gedeckt waren, hatten sich nun in Papier verwandelt, dessen Wert gegenüber Gold einbrach. Es folgte ein diplomatischer Konflikt zwischen Europa und USA.

Seit den 1960er Jahren verführte Amerika ausländische Zentralbanken dazu, ihre Dollarreserven in US-amerikanische Staatsanleihen zu reinvestieren anstatt diese gegen Gold einzulösen. Würden Staatsanleihen Gold im internationalen Geldsystem ersetzen, dann könnten die Vereinigten Staaten weiterhin Geld für Importe drucken und Sparer im Ausland ihre Finanzdefizite finanzieren lassen. Ein derartiger Dollarstandard würde den USA eine präzedenzlose Macht gewähren, auch wenn es kein faires System wäre.

Einer der Gründe, warum der Euro geschaffen wurde, war als eine Gegenmaßnahme zur Dollardominanz. Viele Jahrzehnte bevor er eingeführt wurde, begann Westeuropa sich zu integrieren. Der erste Keim war der Vertrag von Rom im Jahr 1957, der zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) führte. Aus geheimen Dokumenten, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden, wissen wir, dass die USA gegen eine monetäre Kooperation in Europa waren; alleine aufgrund der Tatsache, dass man keine Konkurrenz für die Dollardominanz haben wollte. Unten finden Sie einen Auszug aus einem Telefongespräch zwischen dem US-amerikanischen Sicherheitsberater, Henry Kissinger, und dem stellvertretenden Finanzminister, William Simon, vom 14. März 1973:

Kissinger: ...Ich bin grundlegend der Meinung, dass wir alles tun sollten, um eine vereinte, europäische Position zu verhindern, ohne unser Blatt zu zeigen... Ich denke nicht, dass ein vereintes Geldsystem in Europa in unserem Interesse ist.

...Sie verstehen, meine Gründe sind vollkommen politischer Natur, doch ich erhielt einen Geheimdienstbericht über Diskussionen in der deutschen Regierung und als mir klar wurde, dass alle unsere Feinde für die europäische Lösung sind, war meine Entscheidung getroffen.


Die "europäische Lösung" war es, die Wechselkurse der EWG-Währungen festzulegen und als Block gegenüber dem Dollar schwanken zu lassen. Das "gemeinsame Schwanken" würde den Handel innerhalb Europas verbessern und der Welt Europas Einigkeit und Führung beweisen. Das war nicht im Interesse der USA. Laut dem Staatssekretär des Finanzministeriums für Währung, Paul Volcker, war die europäische Lösung ein Euphemismus für: "Lassen wir die Vereinigten Staaten dort draußen alleine und schlagen unsere eigenen Wege ein."

Des Weiteren vertrat die EWG die Haltung, dass Zentralbanken in der Lage sein sollten, Gold zu einem marktähnlichen Preis zu kaufen und zu verkaufen, sowohl untereinander als auch am freien Markt. Zudem meinte die EWG 1973 öffentlich in einem Statement, das von der New York Times publiziert wurde: "[Europa] wird die Vereinbarung einer internationalen Währungsreform fördern, um ein faires und standhaftes System zu erreichen, das die Interessen der Entwicklungsländer einbezieht."

Dieses Statement kann auf das zurückgeführt werden, was Georges Pompidou, Präsident von Frankreich, in einem Treffen mit Richard Nixon, dem Präsidenten der USA, im Jahr 1970 sagte: "Macht, die derart etabliert wurde, bleibt niemals lange bestehen. Die Existenz mehrerer Zentren wirtschaftlicher und politischer Macht verkompliziert die Dinge, hat langfristig jedoch größere Vorteile." Frankreichs Meinung war, dass die Welt stabiler wäre, wenn es mehr Zentren wirtschaftlicher und politischer Macht gäbe.

Die USA waren gegen das Ende des zweistufigen System, weil dies den offiziellen Goldpreis erhöhen und das gelbe Edelmetall zurück in den Fokus des internationalen Geldsystems rücken würde. Amerika drängte weiterhin darauf, "Gold aus dem internationalen Währungssystem" zu verbannen, weil Europa außerdem seit den 1960er Jahren mehr Gold als die USA besaß. Ein historisches Dokument, das gezielt die erwähnten Dynamiken illustriert, ist das "Protokoll von Außenminister Kissingers Belegschaftsversammlung, Washington, 25. April 1974." Ein Auszug von der Versammlung:


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