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Die Elite tanzt auf dem Vulkan

15.12.2020  |  John Mauldin
Wachsende Einkommens- und Reichtumsungleichheit waren schon lange vor COVID-19 mein Fokus. Die Pandemie hat beides offensichtlicher und dringlicher gemacht. Die Handlungen der Federal Reserve haben die Kluft erweitert. Wir befinden uns nun in einer Situation, in der die oberste Klasse der Gesellschaft einfach sicher und wohlhabend bleiben kann, während untere Segmente unsicher und gefährlich leben.

Es ist sogar noch schlimmer. Die obere Klasse ist sicher, weil Millionen "essentieller" Arbeiter Waren, die wir brauchen, produzieren und liefern und sich somit selbst dem Risiko aussetzen. Das war in gewisser Weise schon immer der Fall. Nun ist es klarer und der Preis höher.

Vor zwei Wochen sprach ich über Peter Turchins Idee der "Überproduktion der Elite", was zu gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Krise führte. Was ich ließ, klingt verstörend wie unsere aktuelle Situation. Weiterer Lesestoff war nicht viel beruhigender. Obgleich er keine Lösungen anbietet, hilft Turchin dabei, zu erklären, wie wir diesen Punkt erreicht haben. Heute befassen wir uns etwas tiefgreifender damit und denken über die Auswirkungen nach. Und wie Sie feststellen werden, gibt es viele.


Gegenelite

Die "Memes", die wir in den sozialen Medien sehen - selbst die anonymen - sind oftmals sehr aufschlussreich. Hier eines, das dieses Jahr die Runde machte:

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Soweit ich weiß, war bisher niemand in der Lage, diese Geschichte zu verifizieren oder zu ihrer Quelle zurückzuverfolgen. Sie könnte nicht der Wahrheit entsprechen, klingt aber vollkommen plausibel. Ich kenne Leute, die so etwas durchgemacht haben. Das tun Sie wahrscheinlich auch. Sie befolgten die Regeln, taten alles richtig, dann zerstörte plötzlich Krebs oder etwas anderes alles. Das passiert immer wieder.

Doch hier ist der Punkt: Das passiert nicht jedem. Die obere Schicht, die märchenhaften 1% oder 10% oder wo auch immer Sie die Linie ziehen möchten, verliert nichts, wenn jemand Krebs bekommt. Sie sind, wie Peggy Noonan meinte, eine "geschützte" Klasse. In einem Artikel aus dem Jahr 2016 schrieb ich über die Frustration beider politischen Parteien gegenüber dem, was sie als "die Elite" bezeichneten.

Ich sprach darüber, wie eine geschützte Klasse nichts von der margenumdrehenden Realität der ungeschützten Klasse versteht, deren Ersparnisse durch einen geplatzten Reifen, einen Trip zur Notaufnahme oder andere persönliche Desaster vollkommen ausgelöscht werden. Sie blicken zu denjenigen hinauf, die sich alles zu leisten scheinen, "die geschützte Klasse" und fragen sich: Warum bin ich das nicht? Sie möchten auch zu dieser Klasse gehören.

Doch es ist nicht einfach, sich ihr anzuschließen, wie ich schon seit Jahren lamentiere. Peter Turchins Arbeit verstärkt meine Sorgen. Er meint mit einem Blick auf viele Zivilisationen in der Geschichte, dass Wohlstand mehr Reichtum und reiche Menschen erschafft. Das Problem ist, dass ihre Zahl tendenziell schneller zunimmt, als die Anzahl "elitärer" Positionen oder Jobs. In den USA gibt es beispielsweise 100 Senatoren und 435 Abgeordnete des Repräsentantenhauses.

Diese Zahlen sind fest, während die Anzahl der Menschen, die meinen, sie seien für diese Ämter qualifiziert, zunimmt. Die Wall Street folgt einem ähnlichen Muster. Ebenso wie große Unternehmen, Universitäten, staatliche und lokale Regierungen - praktisch alle Institutionen, die ein Fundament der Gesellschaft darstellen.

Währenddessen befindet sich ein bis zwei Stufen abwärts eine große Zahl an Menschen, die sich den oberen Rängen anschließen möchten. Sie denken, dass Bildung der Schlüssel ist. Angeln wir uns einen College-Abschluss und die Türen zu Erfolg werden sich öffnen. Dabei liegen sie nicht einmal falsch. Doch auch hier sind nicht alle Abschlüsse gleich. Vieles hängt davon ab, wo Sie aufs College gegangen sind und wen Sie dort getroffen haben. Noten sind nicht der einzige Faktor.


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