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Ist Gold "Hobsons Wahl"?

09.06.2022  |  Egon von Greyerz
Thomas Hobson war der Besitzer eines Mietstalls im Cambridge des 16. Jh. Wollten Reisende ihr Pferd wechseln, mussten sie das Pferd nehmen, das am nächsten zur Tür stand, ansonsten bekamen sie keines. Obwohl es 40 Pferde im Stall gab, hatte der Reisende keine Wahl. Die "Hobsons Choice" bedeutet also die Wahl unter nur einer Sache. In diesem Artikel wird es darum gehen, ob man als Anleger in den kommenden Jahren wirklich mehr als nur "Hobsons Wahl" hat.

Gold ist eine der Top-Anlageklassen dieses Jahrhunderts gewesen, und trotzdem hat es niemand; nur 0,5% der Weltfinanzanlagen sind in Gold investiert. Die meisten Investoren haben Gold gar nicht auf dem Schirm, weil es im Bankenwesen und im Vermögensverwaltungsbereich weder beworben noch verstanden wird. Physisches Gold empfiehlt sich hier auch nicht, weil sich damit praktisch keine laufenden Provisionen und Gebühren abkassieren lassen. Und Edelmetallaktien sind ein derart kleiner Bereich, dass sich kaum jemand darum kümmert.

Alle reden darüber, wie schlecht Gold als Investment abgeschnitten hat. Im Januar 2000 stand Gold bei 290 $, der aktuelle Preis liegt bei 1.855 $. Das ist eine Steigerung um das 6,4-fache innerhalb von 22 Jahren und somit besser als alle anderen Anlageklassen.


Läuft Gold besser als der Dow?

Beim Investieren ist das Timing sicherlich von entscheidender Bedeutung. Schauen wir uns also die Performance von Dow und Gold seit 1971 bis heute an.

In der Tabelle unten findet man die annualisierten Gesamtgewinne für Gold und den Dow (reinvestierte Dividenden inbegriffen). Vom Zeitpunkt als das Goldfenster geschlossen wurde bis heute hat Gold 8,1% p.a. eingebracht, wohingehend der Dow (bei reinvestierten Dividenden) zwischen 1971-2022 auf Jahresbasis eine Rendite von 10,9% gebracht hat. Der Dow hat hier also mit 2,8% p.a. deutlich besser abgeschnitten.

Betrachten wir aber den Zeitraum 2000-2011, so schnitt Gold mit jährlich 18,4% besser ab als der Dow (20,8% minus 2,4%).


Annualisierte Rendite: Dow - Gold - US $ (relativ zu Gold)

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Wenn wir uns die sehr wichtige Tabelle oben noch einmal anschauen, sehen wir auch, dass der Dollar zwischen 1971 und 2022 pro Jahr 7,4% gegenüber Gold verloren hat. Da sich die Verluste beim Dollar in den kommenden Jahren wahrscheinlich verschärfen werden, hat es keinen Sinn, US-Dollars zu halten.


Büchse der Pandora

1971 schloss Nixon das Goldfenster und öffnete damit die Büchse der Pandora, die Defizitfinanzierung, Schuldenexplosion und den Zusammenbruch des Dollars sowie aller anderen Währungen brachte.

Gold, das seit 1933 einen Fixpreis von 35 $ hatte, schoss in die Höhe. Es vervierundzwanzigfachte sich (24 x) - von 35 $ im August 1971 auf 850 $ im Januar 1980. Anschließend korrigierte Gold für 20 Jahre und markierte 1999 bei 250 $ seine Talsohle. Erst 2008 sollte die Marke von 850 $ wieder erreicht werden.

Man könnte natürlich Nixon die Schuld geben an diesem desaströsen halben Jahrhundert geprägt von Schulden, Defiziten und epischen Anlageblasen. Doch: Plus ça change, plus c’est la même chose… (Je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie sich gleich.) Wer sich aber besser mit Geschichte auskennt, könnte wissen, dass noch keine Währung jemals in ihrer ursprünglichen Form überlebt hat - mit Ausnahme von Gold. Noch jede Währung ist bislang auf NULL gefallen.

Nixon fatale Entscheidung war ein überdeutliches Signal, dass die Ära der Zentralbanken, die mit der Gründung der Federal Reserve 1913 begonnen hatte, vorüber war. Der Niedergang von Geld ist ein langsamer und grauenvoller Prozess, der stattfindet, ohne dass es jemand merkt.

Aktuell scheint so, als würden die Dinge aufgrund der Inflation nur ein wenig teurer werden, doch niemand versteht, dass das die Folge von Geld- und Schuldenschöpfung ist, die zu Währungsentwertung führt. Wie der Chart unten zeigt, sind es nicht die Preise, die steigen, sondern der Wert des Geldes, der sinkt.

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Ganz gleich, ob man den Startpunkt bei 1913 oder 1971 setzt, im Verhältnis zu Gold haben alle Währungen bis heute zwischen 97% und 99% verloren.



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