Gold strahlt, während bei Private Equity die Lichter ausgehen
19.06.2025 | Matt Piepenburg
Gehen bei Private Equity die Lichter aus? Und was hat das mit Gold zu tun? Die Antworten auf diese Fragen werden immer schwerer zu ignorieren.Wer den Anstieg des Goldpreises im Kontext makroökonomischer Kräfte versteht – sprich: historisch beispiellose Verschuldung, Überangebot und Nachfragemangel bei US-Staatsanleihen und der daraus resultierende Anstieg bei Anleiherenditen / Kreditkosten –, der kann auch die Entwicklungen in anderen Anlageklassen, wie Private Equity (PE), aus einer nüchternen Perspektive betrachten.
Gehen bei Private Equity die Lichter aus?
Wie in allen Finanznischen gibt es auch hier die Guten, die Schlechten und die Hässlichen. Im ganzen Land wurden viele PE-Firmen zu Recht dafür gelobt, dass sie anständige Unternehmen zu fairen bis unfairen (oder sogar aufgeblähten) Bewertungen gekauft haben und den Eigentümern der Unternehmen (vom Schuhgeschäft über Einkaufsketten bis zur Biotech-Firma) profitable "Exits" und den PE-Investoren solide Renditen beschert haben.
Als die Zinsen niedrig waren und das Geld billig floss, boomte die PE-Sparte, in der es – neben guten und schlechten Akteuren – auch eine unstrittig solide Gewinnlage gab. Der Cambridge Associates US Private Equity Index erzielte in den letzten 25 Jahren eine annualisierte Nettorendite von 12,77%.
Doch jetzt steht dieser PE-Boom, objektiv betrachtet, aber weitestgehend ignoriert, vor einem Wendepunkt. Denn in einem Land, das objektiv in einer Kredit- / Liquiditätskrise steckt, verringert sich das Kreditangebot, während die Zinsen steigen und die Liquidität (d.h. auch die PE-Exit-Strategien / -Verkäufe) versiegt. Und wie man weiß, ist JEDE Finanzkrise im Kern genau das: eine Liquiditätskrise.
Dieser Wendepunkt im Kreditzyklus ist durchaus relevant, weil er in einem Finanzklima stattfindet, in dem die PE-Bewertungen letztes Jahr noch um 24% stiegen und in dem die Gesamtbelegschaft der größten PE-Firmen (Carlyle, KKR, Blackstone usw.) zugleich auch der drittgrößte Arbeitgeber in den USA war (gleich hinter Walmart und Amazon).
Trotz dieser Zahlen gab es, auch während der Boomjahre von Private Equity, eine düstere Seite der PE-Praktiken. Und noch düsterer ist aktuell der Gewinnhorizont des Sektors, während der PE-Boom zusehends in eine PE-Pleite marschiert. Gehen wir der Sache auf den Grund…
Private Equity: Eine "Erschütterung der Macht"?
Das amerikanische Kino und die amerikanische Kultur sind seit jeher fasziniert vom ikonischen Kampf um Gerechtigkeit, so wie Investoren seit jeher von Investitionen und Renditen fasziniert waren. Wo wir von Kino sprechen, kommen mir die Western von John Ford in den Sinn, in denen die "Weißhüte", verkörpert von Henry Fondas oder John Waynes, gegen die schurkenhaften "Schwarzhüte" wie Jack Palance oder Charles Bronson antreten.
Nicht zu vergessen ist auch das Genre des Kleinstadthelden, wo der einfache, gutmütige Bürger gegen den gierigen, herzlosen Kredithai antritt, wie es der Filmklassiker "It’s a Wonderful Life" von 1947 versinnbildlicht. Und für Science-Fiction-Fans lässt sich diese Hollywood-Schablone der "Weißhüte" und "Schwarzhüte" genauso gut in dem Gut-gegen-Böse-Kampf der "Macht" gegen die "Dunkle Seite" darstellen.
Doch in der zunehmend toxischen realen Welt von Private Equity gibt es nun eine "Erschütterung der Macht", die allen Boom-Phasen zum Trotz seit Jahren immer düstere Züge annimmt.
PE: Eine Scheune voller "Schwarzhüte"
Schaut man sich an, wie moderne Private-Equity-Firmen heimlich den Einzelhandelssektor plünderten, wird man feststellen, dass die Liste der Bösewichte tatsächlich viel länger ist als das, mit dem unser fiktiver Jimmy Stewart in Pottersville konfrontiert war.
Einfach formuliert: Hier gibt es einige düstere Geschichten.
Das Leben ist gar nicht so "wonderful"
Die nur allzu wirkliche Story so vieler ignorierten Private-Equity-Geschäfte der letzten zwei Jahrzehnte dürfte diejenigen, die mit dem fünfaktigen Drehbuch solcher Deals vertraut sind, nicht weiter überraschen.
Unterm Strich läuft es auf Folgendes hinaus: Die PE-Partner 1) zwingen ihren Partnern in den Privatunternehmen Schulden auf und nehmen ihnen 2.) mit vorgehaltenem BWL-Messer die Ausschüttung von Leistungen ab (netterweise als "Dividenden" beschrieben). Dann schicken sie 3.) die genötigten Kreditnehmer in den Konkurs, woraufhin 4.) die Privatunternehmen (und die Anleihen, die vielleicht Sie gekauft haben) in den Ruin getrieben werden, während 5.) die PE-Gläubiger des betroffenen Unternehmens (die "Sponsoren") das Konkursgericht mit einer hübschen (und rechtmäßig) umstrukturierten Auszahlung (d. h. einem fetten Gewinn) verlassen.
Echt jetzt? Ja. Echt jetzt.
Der PE-Todesstern
Alle Bösewichte stammen aus irgendeiner Spelunke, Reiterbande oder von irgendeiner Art Todesstern. Dieser sich entfaltende PE-/Einzelhandels-Plot – die moderne Version des Todessterns – beginnt (wen wundert’s?) bei der Federal Reserve.
Seit Jahren zeigen auf, dass die geldpolitischen Entscheidungen der Zentralbank direkt für die Verzerrung und Unterminierung von Aktienkursen, US-Staatsanleiherenditen sowie jeder Form von natürlicher Marktdynamik verantwortlich ist. Und so überrascht es niemanden, dass es genau diese Federal Reserve war, die mit ihrer früheren geldpolitischen Praxis – sprich mit der faktischen Übernahme des Anleihemarkts durch ein kolossales Dauerkaufangebot (bzw. exorbitante quantitative Lockerungen nach 2008) – die Renditen im Kreditsektor jahrelang im Alleingang zerstörte.
Und genau hier begann(en) das Übel (und die Boomjahre) in unserer sich nun dem Ende neigenden Private Equity-Geschichte.
Einsatz der Stormtrooper
Was wäre Darth Vader ohne seine Stormtrooper? Und was wäre diese obskure Privat-Equity-Geschichte ohne den Einsatz jener kleinen unseriösen Private-Equity-Buden mit ihren vielen eifrigen, bonushungrigen Renditebringern?
Die meisten bekamen ihre "Macht" von der Federal Reserve… Das heißt, ab 2009 legte Darth Bernanke in einer weit, weit entfernten Galaxie einen Schalter an der Mega-Gelddruckmaschine um und schuf Billionen US-Dollars aus dem Nichts, während er gleichzeitig die Zinssätze und Anleiherenditen auf null drückte.
Das war das Vorprogramm und der Startschuss der "Dunklen Seite": Mit einer einzigen großen Laserschwert-artigen Geste vernichtete sie die Renditen am Anleihemarkt. Daraufhin begannen nervöse Anleger, die ab jetzt null Prozent Rendite zu erwarten hatten, in die weite Anlagegalaxie auszuschwärmen, um nach ein paar Extraprozenten zu suchen. Doch wo war noch Rendite zu finden?
Und so kam es, dass eine dunkle Nische entstand, in der sich rasch Private-Equity-Stormtropper sammelten, um kurzfristigen Profit für sich selbst und langfristiges Chaos für den Rest von uns zu erzielen… Doch welch’ heimtückischen kleinen Plan hatten sie dafür nur ausgeheckt?