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Gerüchte um koordinierte Kürzung der Ölproduktion

29.01.2016  |  Eugen Weinberg
Energie

Die (überraschende) Möglichkeit einer Einigung wichtiger Ölexporteure auf eine Angebobtsreduzierung lässt die Preise nach oben schnellen. Brentöl kostet heute morgen mit knapp 35 USD je Barrel 24% mehr als im 12-Jahrestief vor anderthalb Wochen. Laut dem russischem Energieminister Nowak will man sich im Februar treffen. Laut Nowak hätte Saudi-Arabien eine Reduzierung der Förderung um 5% vorgeschlagen. Zusammen würden Russland und Saudi-Arabien dann schon 1 Mio. Barrel pro Tag weniger produzieren.

Würden sich noch weitere Exporteure anschließen, könnte damit das Überangebot komplett vom Markt genommen werden. Doch selbst wenn man sich tatsächlich auf diesen beherzten Schritt einigen könnte, müssten den Worten auch Taten folgen. Zudem sind die Anreize zur Abweichung von einer solchen Vereinbarung hoch. Dass der Markt trotz der hohen Unsicherheit bezüglich einer tatsächlichen Angebotskürzung so stark reagiert hat, ist wohl auch der Tatsache geschuldet, dass die Preise vorab extrem stark gefallen waren. Tatsächlich hatte die Erholungsrallye schon am letzten Freitag begonnen - "ohne wirklichen Grund".

Die Volatilität am Ölmarkt ist aktuell sehr hoch. Sollte sich die Hoffnung am Markt zerschlagen und sich letztlich alles nur als ein Spiel entpuppen, dürften die Preise sicherlich wieder stark zurückkommen. Ein Preisrutsch auf neue Tiefs sollte aber auch durch die fortschreitende Erodierung der Ölinvestititonen verhindert werden: Das Öl-Dienstleistungsunternehmen Baker Hughes stellte bei Ölpreisen unter 35 USD je Barrel einen weiteren Rückgang der globalen Ölbohrungen um 30% für das laufende Jahr in Aussicht.


Edelmetalle

Thomson Reuters GFMS, ein auf die Analyse der Edelmetalle spezialisiertes Research-Institut, hatte Anfang der Woche neue Daten zum Goldmarkt präsentiert. Demnach ist 2015 die gesamte Goldnachfrage im Jahresvergleich um 2,1% auf 4.076 Tonnen gefallen. Die Schmucknachfrage als größte Nachfragekomponente sank dabei um 3%. Rückläufig waren aber auch die Nachfrage seitens der Privatanleger (-2%) und der Industrie (außerhalb Schmuck, -4%).

Für 2016 erwartet Thomson Reuters GFMS einen Anstieg des Goldpreises auf über 1.200 USD je Feinunze, der vor allem durch eine wieder höhere Nachfrage getragen werden soll. Diese dürfte demnach um 5% steigen. So werden laut Einschätzung des Research-Instituts zum Beispiel die chinesischen Konsumenten mehr Gold nachfragen, da die Sorgen über das dortige Wirtschaftswachstum steigen und die Abwertung des CNY das Vermögen der Chinesen untergräbt. Sollte es zudem zu einer Stabilisierung der Preise oder gar nachhaltigen Erholung kommen, dürften auch die Investoren wieder zurück in den Markt kommen.

Ferner unterstellt Thomson Reuters GFMS, dass die Inflation anhaltend niedrig bleibt, so dass auch die Zinsen noch länger auf den niedrigen Niveaus verharren. Demnach wird die US-Notenbank Fed die Zinsen langsamer anheben als erwartet. Obwohl das gesamte Goldangebot 2015 um 2,3% auf 4.274 Tonnen zurückgegangen ist, übertraf es das zweite Jahr in Folge die Nachfrage. 2016 soll die Minenproduktion erstmals seit dem Jahr 2008 wieder sinken, was zusammen mit der steigenden Nachfrage u.E. zu einem Angebotsdefizit führen könnte.


Industriemetalle

Schwache US-Konjunkturdaten - die Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter gingen im Dezember deutlich stärker zurück als erwartet - sorgten gestern zunächst für weiter fallende Metallpreise. Nachdem die Ölpreise am Nachmittag nach oben sprangen (siehe Energie auf Seite 1), holten die Metalle einen Teil ihrer Verluste wieder auf.

Der Zinnpreis hat seit Mitte Januar fast 10% zugelegt und kämpft nun mit der Marke von 14.000 USD je Tonne. Nach einem deutlichen Rücksetzer gestern kann er heute morgen die Marke zurückerobern. Die fundamentale Lage am Zinnmarkt spricht grundsätzlich für höhere Preise. So sind zum Beispiel die indonesischen Zinnexporte 2015 im Jahresvergleich gemäß Daten des Handelsministeriums bereits um 7,6% auf 70,2 Tsd. Tonnen gefallen.

Das International Tin Research Institute (ITRI) unterstellt für 2016 monatliche Ausfuhren von 5-5,5 Tsd. Tonnen, was einen weiteren Rückgang der Exporte auch auf Jahresbasis impliziert. Dieser ist vor allem der Einführung strengerer Ausfuhrbestimmungen geschuldet. Aber auch die Marktbedingungen spielen hierbei eine Rolle - Zinn markierte Mitte Januar den tiefsten Stand seit 6½ Jahren.

Dies könnte die indonesischen Zinnexporteure dazu veranlassen, Material zurückzuhalten. Zudem hatten chinesische Zinnschmelzer angekündigt, ihre Produktion in diesem Jahr spürbar zu kürzen (siehe TagesInfo Rohstoffe vom 21. Januar). Dies alles spricht dafür, dass der globale Zinnmarkt 2016 ein Angebotsdefizit aufweisen wird.


Agrarrohstoffe

Der Rohzuckerpreis hat seine Talfahrt fortgesetzt und ist gestern um weitere 3% auf ein 4-Monatstief von 13,14 US-Cents je Pfund gefallen. Somit ist der Zuckerpreis an den letzten fünf Handelstagen gefallen. Marktteilnehmer machen technische Verkäufe und die Liquidation von Long-Positionen für den Preisrückgang verantwortlich. Darüber hinaus soll aber auch die physische Nachfrage aktuell nur verhalten sein, während sich die Produktionsaussichten in Brasilien aufhellen.

Insbesondere das vordere Ende der Teminkurve ist dabei unter Druck geraten. War dieses bis vor wenigen Tagen noch in Backwardation, so ist die Terminkurve am vorderen Ende nun flach (Grafik 16, Seite 4). Einige Marktteilnehmer sehen darin bereits Anzeichen für ein Ende des Ende August begonnenen Preisanstieg.

Aus charttechnischer Sicht betrachtet hat sich das Bild mit dem Rutschen unter die Marke von 14 US-Cents je Pfund eingetrübt, weil damit der seit drei Monate bestehende Seitwärtstrend nach unten durchbrochen wurde. Aus fundamentaler Sicht stehen wir in diesem Erntejahr vor dem ersten Angebotsdefizit seit sechs Jahren, welches laut Schätzung der Internationalen Zuckerorganisation ISO 3,5 Mio. Tonnen betragen soll. Im nächsten Erntejahr soll die Nachfrage das Angebot sogar noch deutlicher übertreffen.

Die ISO rechnet mit einem Fehlbetrag von 6 Mio. Tonnen. Dies spricht u.E. wieder für höhere Zuckerpreise. Wir sehen den Zuckerpreis am Jahresende bei 15 US-Cents je Pfund.

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