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Edelmetallpreise auf Höhenflug

05.02.2016  |  Eugen Weinberg
Energie

Die Volatilität am Ölmarkt ist zur Zeit extrem hoch. Das ist größtenteils dem hohen spekulativen Engagement der Marktteilnehmer geschuldet. An der NYMEX sind die Short-Positionen der spekulativen Finanzleger bei WTI in den letzten drei Monaten in die Höhe geschossen und liegen momentan mit 191 Tsd. Kontrakten nur knapp unter dem Rekordhoch von Mitte Januar. Short-Eindeckungen sind da nicht auszuschließen.

Und wie zu vermuten war, erklärt sich der überraschende Preissprung am Mittwoch um 2 USD je Barrel zumindest teilweise mit der Auflösung einer dreifach gehebelten Wette auf fallende Preise. Kurzfristig bleiben die Preistendenzen schwer abschätzbar. Die Möglichkeit einer koordinierten Produktionssenkung stützt weiterhin die Preise.

Das finanziell mit dem Rücken zur Wand stehende Venezuela ist momentan sehr umtriebig, eine mögliche Allianz voranzutreiben, und zeigt sich nach Treffen mit Katar und Oman sehr zufrieden. Ein Treffen mit Saudi-Arabien soll am Sonntag stattfinden. Je länger Saudi-Arabien und die anderen arabischen Golfstaaten zögern, desto mehr dürfte die Hoffnung auf Produktionskürzungen schwinden und die Preise wieder unter Druck geraten. Denn der massive Aufbau von spekulativen (Netto-)Long-Positionen, der im Gegensatz zu WTI bei Brent zu beobachten war, könnte schnell korrigiert werden und zu einem deutlichen Rücksetzer am Markt führen.

Eine nachhaltige Preiserholung dürfte erst durch eine rückläufige US-Produktion angeschoben werden. Weiter fallende US-Ölbohrungen, wie sie wohl heute nach Handelsschluss berichtet werden, dürften zeigen, dass dies nur eine Frage der Zeit ist.


Edelmetalle

Gold wird derzeit seinem Ruf als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten gerecht. Gestern stieg der Preis für das gelbe Edelmetall auf fast 1.160 USD je Feinunze und damit auf den höchsten Stand seit mehr als drei Monaten. Seit Jahresbeginn hat sich Gold um 9% verteuert. Damit sticht Gold alle Rohstoffe und Anlageklassen aus. Im Schlepptau von Gold können auch die anderen Edelmetalle zulegen.

Platin kostet erstmals seit drei Monaten wieder mehr als 900 USD je Feinunze. Silber notiert ebenfalls auf einem 3-Monatshoch von knapp 15 USD je Feinunze. Palladium ist auf ein Monatshoch von fast 520 USD je Feinunze gestiegen, notiert aber als einziges der vier Edelmetalle noch unter dem Jahreseinstandsniveau. Die Preisrally im Edelmetallsektor wird durch einen Dreiklang aus einem schwächeren US-Dollar, fallenden US-Anleiherenditen und schwächeren Aktienmärkten getrieben.

Die Fed-Zinserhöhungserwartungen, welche Gold insbesondere Ende 2015 belastet hatten, sind nach einer Reihe enttäuschender US-Konjunkturdaten und taubenhaften Kommentaren von Fed-Offiziellen mittlerweile weitgehend aus dem Markt verschwunden.

Solange die US-Arbeitsmarktdaten heute Nachmittag nicht so robust ausfallen, dass die Zinsspekulationen wiederbelebt werden, dürfte Gold seinen Höhenflug fortsetzen. Dies gilt auch angesichts der anhaltend kräftigen ETF-Zuflüsse. Gestern stiegen die Bestände der von Bloomberg erfassten Gold-ETFs um weitere 4,8 Tonnen. Seit Jahresbeginn belaufen sich die Zuflüsse inzwischen auf 86 Tonnen bzw. 3,7 Tonnen im Tagesdurchschnitt. Das entspricht fast der Hälfte der täglichen Minenproduktion.


Industriemetalle

Völlig unbemerkt vom Echo der Finanzmedien, die sich aktuell am liebsten mit der "China-Blase" beschäftigen, ist der Industriemetallindex LMEX in den letzten Tagen weiter gestiegen und liegt nun auf dem höchsten Stand seit Mitte November 2015. Ausschlaggebend dafür waren wohl mehrere Faktoren. Zum ersten scheint die physische Nachfrage recht robust zu sein, was man u.a. an der Entwicklung der LME-Lagerbestände ablesen kann. Zum zweiten dürften die Metallimporte Chinas im Januar insbesondere in Hinblick auf die negative Stimmung positiv überraschen.

Auch die jüngste USD-Schwäche dürfte zum Preisanstieg beigetragen haben. Nicht zuletzt scheinen sich auch die Finanzanleger für das Thema erwärmen zu können. Wir hatten häufig darauf hingewiesen, dass insbesondere der massive Preisverfall zu Jahrebeginn auf die spekulativen Anleger zurückzuführen war und aus fundamentaler Sicht die Preise sehr günstig waren. Die Finanzanleger, dazu zählen wir die sog. Money Manager und Index Trader, haben laut LME in den letzten Wochen ihre Netto-Long-Positionen mit Ausnahme von Nickel bei allen Metallen auf Mehrmonatshochs ausgeweitet.

Besonders ausgeprägt war die "Stimmungsaufhellung" bei Kupfer und Zink (siehe Grafik des Tages). Nächste Woche sind die Märkte in China wegen des Neujahrsfestes geschlossen. Wir erwarten dadurch eine gewisse Beruhigung an den Metallmärkten, die zuletzt sehr stark unter dem Einfluss der Gerüchte und Meldungen aus China standen.

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Agrarrohstoffe

Der US-Weizenpreis konnte bislang nicht von der Schwäche des US-Dollar in dieser Woche profitieren. Gestern Nachmittag geriet er deutlich unter Druck und schloss nach anfänglichen Gewinnen mit einem Minus von 1,6% bei 473 US-Cents je Scheffel. Damit notiert der Preis sogar unter dem Wocheneinstandsniveau. Auslöser für den Preisrutsch waren enttäuschende US-Exportdaten. Demnach beliefen sich die US-Weizenexporte in der letzten Berichtswoche nur auf 66,2 Tsd. Tonnen. Das war der niedrigste Wochenwert im laufenden Erntejahr.

Allerdings wertete der US-Dollar erst nach dem Stichtag der Datenerhebung merklich ab. Rückschlüsse auf die Exportentwicklung sind somit erst mit den nächsten Daten möglich, welche in der kommenden Woche veröffentlicht werden. Selbst wenn es zu einer leichten Belebung der Exporte kommen sollte, bleibt das Gesamtbild trübe. Seit Beginn des Erntejahres summieren sich die US-Weizenexporte auf knapp 12,5 Mio. Tonnen, was nochmals 13% weniger ist als im ohnehin schon schwachen Vorjahr.

Die EU hat in dieser Woche 786 Tsd. Tonnen Weichweizen für den Export freigegeben. Damit belaufen sich die Exporte seit Beginn des Erntejahres auf 15,6 Mio. Tonnen, was 15% unter dem Rekordniveau des Vorjahres liegt. Der deutlich gestiegene Euro könnte in den nächsten Wochen für zusätzlichen Gegenwind sorgen. Der Weizenpreis in Paris hat sich der Schwäche von US-Weizen nicht entziehen können und notiert bei weniger als 160 EUR je Tonne auf einem 16-Monatstief.



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