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Chinas Rohstoffhunger ist ungebrochen

14.02.2011  |  Eugen Weinberg
Energie

Die Ölpreise starten freundlich in die neue Handelswoche, nachdem sie am Freitag unter Druck geraten waren. Der Brentölpreis steigt nach dem Kontraktwechsel auf knapp 102 USD je Barrel, WTI auf knapp 86 USD je Barrel. Der Vergleich der beiden Preise wird allerdings durch die unterschiedlichen Kontraktfälligkeiten erschwert. Durch den Rücktritt von Ägyptens Präsident Mubarak ist ein Unsicherheitsfaktor für den Ölmarkt gewichen, was den Preisrückgang am Freitag erklären kann. Allerdings besteht nach wie vor das Risiko, dass die Protestwelle auf andere Länder der Region übergreift, so dass die Risikoprämie auf den Ölpreis zumindest teilweise erhalten bleiben dürfte.

Unterstützung erhalten die Ölpreise heute zusätzlich von den chinesischen Importdaten. China hat nach Angaben der Zollbehörde im Januar 21,8 Mio. Tonnen (entspricht 5,13 Mio. Barrel pro Tag) Rohöl eingeführt. Das sind 27% mehr als im Vorjahr und der dritthöchste Monatswert überhaupt. Im vergangenen Jahr waren die Rohölimporte Chinas um 17,5% gestiegen. Die Netto-Importe bei den Ölprodukten verringerten sich im Januar auf 1,71 Mio. Tonnen, weil wieder mehr Ölprodukte exportiert wurden. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Dieselknappheit vorüber ist.

Die spekulativen Finanzanleger haben in der Woche zum 8. Februar ihre Netto-Long-Positionen um 2 Tsd. auf 178.432 Kontrakte ausgeweitet, obwohl der WTI-Preis in der Berichtswoche um 3 USD gefallen ist. Offensichtlich setzten die Finanzanleger auf ein Zusammenlaufen der Preisdifferenz zum Brent-Preis, welche jedoch ausgeblieben ist. Um Verluste zu vermeiden, dürften diese Positionen wieder abgebaut worden sein, was den Preisrückgang bei WTI in der vergangenen Woche auf 85 USD erklären kann.

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Edelmetalle

Im Zuge allgemein fester Rohstoffpreise können auch die Edelmetalle zum Wochenauftakt zulegen. Dies gilt insbesondere für Silber, Platin und Palladium, die aufgrund ihres industriellen Charakters vom hohen Risikoappetit der Marktteilnehmer profitieren. Silber erobert die Marke von 30 USD je Feinunze zurück, Platin hält sich über 1.800 USD je Feinunze und Palladium verteuert sich auf rund 825 USD je Feinunze.

Unterstützung erhalten die Edelmetalle auch von Seiten der spekulativen Finanzanleger. Diese haben in der Woche zum 8. Februar insbesondere bei Silber ihre Netto-Long-Positionen die zweite Woche in Folge deutlich um 24% auf 30 Tsd. Kontrakte ausgeweitet. Dies entspricht dem höchsten Stand seit Anfang November. Im Falle von Platin wurden die Netto-Long-Positionen auf ein Rekordhoch ausgebaut, im Falle von Palladium liegen sie nur knapp unter dem Allzeithoch. Bei Gold wurde der Abbau der Netto-Long-Positionen der vergangenen Wochen und Monate zunächst gestoppt. In der Woche zum 8. Februar kam es zu einem Aufbau von 14% bzw. rund 18 Tsd. Kontrakten. Mit 141,5 Tsd. Kontrakten wurde hier ein 5-Wochenhoch verzeichnet.

Damit hatten die spekulativen Finanzanleger maßgeblichen Einfluss auf den Preisanstieg von Gold in dieser Betrachtungsperiode. Eine fortgesetzte Ausweitung der Netto-Long-Positionen sollte den Edelmetallpreisen weiteren Auftrieb verleihen.


Industriemetalle

Die Rohstoffpreise im Allgemeinen und die Metalle im Speziellen starten in der Breite mit teilweise deutlichen Zugewinnen in die neue Handelswoche. Unterstützt werden sie dabei durch sehr feste Aktienmärkte im asiatischen Raum, wodurch einmal mehr der Risikoappetit der Marktteilnehmer zum Ausdruck kommt. Kupfer handelt wieder über der Marke von 10.000 USD je Tonne. Auch die spekulativen Finanzanleger zeigen sich weiter optimistisch und haben in der Woche zum 8. Februar auf breiter Front ihre Wetten auf steigende Preise teilweise deutlich ausgebaut.

Im Falle von Kupfer wurden die Netto-Long-Positionen um 14% auf 36,6 Tsd. Kontrakte ausgeweitet. Dies entspricht dem höchsten Stand seit fünf Wochen. Damit liegen die Netto-Long-Positionen nur noch gut 6% unter dem Rekordhoch von Ende letzten Jahres.

Daneben treiben äußerst positive Importdaten aus China heute Morgen die Preise. Angaben der chinesischen Zollbehörde zufolge hat das Reich der Mitte im Januar mit 364 Tsd. Tonnen 25% mehr Kupfer und Kupferprodukte eingeführt als noch im Jahr zuvor. Dies ist für Januar der höchste Wert, der jemals registriert wurde. Die Aluminiumimporte lagen mit gut 96 Tsd. Tonnen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Eine Abschwächung der chinesischen Wirtschaftsdynamik ist somit zumindest zu Jahresbeginn nicht erkennbar. Wird die aktuelle Importdynamik beibehalten, dürfte China auch in diesem Jahr einer der wesentlichen Preistreiber bei den Metallen bleiben.


Agrarrohstoffe

Während die Weizenpreise in Chicago auf dem höchsten Stand seit August 2008 notieren und in Paris fast auf ihre in 2007/08 erreichten Höchststände ansteigen konnten, wird in China derzeit mit umgerechnet gut 470 USD je Tonne ein Allzeithoch verzeichnet. Die Meldungen über mögliche erhebliche Schäden aus der monatelangen Dürre in den wichtigsten Anbaugebieten Chinas sind der Hauptgrund für diese Entwicklung. 42% der bebauten Weizenfläche ist betroffen. Zuletzt fiel etwas Schnee, Entwarnung kann aber noch nicht gegeben werden. Zwar kann sich die Situation merklich bessern, sollte bald ausreichend Schnee oder Regen fallen, zunächst jedoch bestimmt die Sorge das Bild.

So wird es auch wahrscheinlicher, dass China seine Importe zu Nahrungs- und Futterzwecken wird ausdehnen müssen. Futterweizen könnte China in größeren Mengen aus der etwa zur Hälfte regenbedingt auf Futterqualität herabgestuften australischen Ernte beziehen. Allerdings herrscht auch in anderen Erdteilen eine Knappheit an Mahlweizen. Angesichts der angespannten Situation setzten nochmals mehr spekulative Finanzanleger auf einen weiteren Preisanstieg bei Weizen. In der Woche zum 8. Februar bauten sie nach Angaben der CFTC ihre Netto-Long-Positionen nochmals um knapp 6 Tsd. auf 44,35 Tsd. Kontrakte aus - ein Niveau, das zuletzt im vergangenen Spätsommer zu beobachten gewesen war.


CFTC Daten: Netto-Long Positionen spekulativer Finanzanleger vs. Preis

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Terminkurven ausgewählter Rohstoffe: aktuell, vor einer Woche und vor einem Monat

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© Eugen Weinberg
Senior Commodity Analyst

Quelle: Commerzbank AG, Corporates Markets





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