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Solidarische Tränendrüsen und Vertragsbrüche am Fließband

04.08.2015  |  Prof. Dr. Hans J. Bocker
Die Posse hat kein Ende

Schmierentheater gab es schon immer und ihre Liebhaber ebenfalls. Doch was in den letzten Monaten - ja sogar in den letzten 5 Jahren - auf der Weltbühne uraufgeführt wurde und wird, dürfte unübertroffen bleiben, und das aus zwei Gründen: Erstens weil es sich um die mit Abstand größte Rettungsaktion in der Geschichte der Menschheit handelt (vorerst 350 Mrd. €), und zweitens, weil diese traurige Spaß-Tragödie kein Ende hat. Ein endloses Stück - das gab es noch nie. Selbst Goethe, Schiller, Shakespeare oder die Dramenschreiber des alten Griechenlands schafften dies nicht.

Doch die dummdreisten Regisseure des neuen Griechenlands, begleitet von scheinheiligen Akteuren in Brüssel, haben tatsächlich eine nobelpreiswürdige Großtat vollbracht: Eine melodramatische Posse ohne Ende. Vielleicht erleben unsere Urenkel den aller-aller-allerletzten Akt? Im Übrigen reifte inzwischen eine neue Erkenntnis selbst unter den Rettungs-Sympathisanten heran: Woran erkennt man, wenn griechische Politiker (und nicht nur griechische) massiv und hemmungslos lügen? Ganz einfach: Wenn sie die Lippen bewegen.


Mediale Dauerberieselung mit Leidensspektakeln

Tag und Nacht auf allen Sendern und Frontseiten gab und gibt es fast nur ein Thema mit wenigstens 365 Variationen im Jahr. Selbst übergeduldigen Faultieren im Bambusgeäst wird es langsam zu viel. Im 5-Minutentakt 24 Stunden hindurch geht es um "die Rettung", nicht zu vergessen nonstop Berichte über das "furchtbare Leid", welches in Hellas überall wuchert, wie Brennesseln, Quecken und unausrottbares Pfeifenkraut.

Das Leid der Rentner und Bürger ist allgegenwärtig (Leid strömt aus ansonsten leeren Bank-Automaten). Zoo- und Haustiere sowie Thunfische und Sumpfschildkröten leiden (aus lauter Sympathie mit den Menschen), Moskitos leiden (unter Blutmangel), Straßenbahn-Achslager leiden (unter Mangel importierten Schmierfetts), Importeure leiden (wegen der Kapitalausfuhrsperren) und sogar Unternehmer leiden (unter Treibstoff- und Geldmangel).

Sogar Politclown Tzipras leidet (unter Hunger), denn seine Mutter klagt sehr öffentlichkeitswirksam: Mein Junge isst fast nichts mehr. Na so was. Ist der Kühlschrank leer? Eine Handvoll Oliven kann sich ihr Junge auf im Panzerwagen dem Weg zum Ministerpräsidentenbüro sicherlich noch mit Hilfe des Chauffeurs am Wegesrand abrupfen. Oder? Mütter wissen bekanntlich immer Rat, aber diesmal ist sie ratlos: Geht ihr Junge auf die Forderungen der "Fremdmächte" ein und setzte Sparprogramme durch, fühlt sich das Volk in seiner "Würde schwer verletzt" und stellt sich gegen ihn. Schließlich stimmte man unlängst mehrheitlich dagegen.

Lehnt er Spar- und Sanierungsmaßnahmen ab, wird ihm die unheilige Trinität von Brüssel, den Gläubiger-Banken und dem IWF die Gurgel ein wenig abschnüren, dann wäre es mit dem Essen ihres Sohnes und Teflon-Politikers völlig aus. Noch ein anderes Muttchen (Residenz Berlin) ist ebenfalls ratlos: Gibt sie den Forderungen der Banken nach, stellen sich die Mandatsträger und Parlamente gegen sie. Setzt sie sich für Schuldenerlass ein, setzt das Bankenkartell, Brüssel und ihre Dienstherrschaft in Washington das Rasiermesserchen an. Auch die vom chinesischen Modezar Lai Der Zu Eng maßgeschneiderten Hosenanzüge verschonen offensichtlich nicht vor Leid.

In diversen vertraulichen Mitteilungen heißt es schon: "Die Hosenanzugträgerin säuft". Wie heißt es jedoch bei W. Busch: Es ist ein Brauch von alters her: wer Sorgen hat, hat auch Likör.

Im fernen Griechenland ist der Likör inzwischen trotz größter Sorgen weitgehend ausgegangen.

Selbst Zahn-Schmerzpatienten bleiben dort nicht verschont. Deren Leiden wird ins Unermessliche gesteigert, denn Narkosemittel für Betäubungsspritzen sind wegen Devisenmangel längst ausgegangen. Trauring aber wahr: Jetzt kommen im Rahmen neuer Sparprogramme schwere Hämmer, Kneifzangen und Grobmeißel zum Einsatz.

Eine einzige Gruppe in diesem Affentheater leidet nicht, sondern jubelt sogar in Verzückung: Die Börsianer. Die gewaltige Aktienblase, ganz ähnlich der Immobilieblase, bläht sich weiter auf und wartet geduldig auf ihre Nadel. Völlig gleich, wie die täglichen Nachrichten ausfallen: Die Börsen steigen.


Solidarische Tränendrüsen und Vertragsbrüche am Fließband

Ach ja, natürlich geht es auch um "Solidarität". Die EU-Bürger, besonders Großmütter, schluchzen aus lauter Mitgefühl vor den Fernsehern ob all des unglaublichen Leides in einem Euro-Land. Dass fast ein Drittel der Menschheit unterhalb der Armutsgrenze lebt, wird ignoriert. Ströme von Krokodilstränen werden (statt Kapitalströmen) in Fässern gesammelt und in wasserarme Gegenden Griechenlands exportiert. Die Situation entspricht einem Bankrotteur, der seiner Kreissparkasse 350.000 € schuldet, nicht mehr zahlen kann, und dessen Familie sich daher extrem einschränken muss.

Er selbst stieg notgedrungen vom neuen Mercedes auf ein 20-jähriges Fahrrad aus chinesischer Billigproduktion um, und der jetzt den befreundeten Bankmanager höchst dringend um "Solidarität", sprich: Schuldenerlass, bittet.

Was ebenfalls einfach übersehen wird, ist die Tatsache, dass die Euro-Zone per Verträge, von feierlichen Schwüren der Politiker begleitet, als reine "Währungsunion" gegründet wurde. Und dabei sollte es für immer bleiben. Kein Land bürgt für ein anderes, niemand muss für andere Mitglieder in irgendeiner Firm aufkommen oder einspringen. Das war das heilige Versprechen und der große mit amtlich erhobener Schwurhand geleistete Eid.

Doch die Lügensuppe, gewürzt mit dem scharfen Essig der Täuschung, war und bleibt nun einmal die Lieblingsspeise der Politiker. Jetzt haben wir nicht nur die Bürgschafts- und Transfer-Union, sondern auch eine voll ausgereifte Haftungs-Union unter weitgehender Ausschaltung der souveränen und gewählten Parlamente. Nebenbei: EU-weit werden in aller Heimlichkeit bereits "Gesinnungsdateien" aufgebaut.

Zur Erinnerung: Alle Macht in der EU kommt letztlich aus Brüssel, und die 28 regierenden Kommissare sind nicht gewählt. Das EU-Parlament ist eine reine hoch bezahlte und steuerfreie Abnickorganisation. Wie weit ist es noch bis zur offenen zentralen Diktatur? Wie schrieb der "Le Figaro"-Chefredakteur so schön: "Maastricht, das ist der Versailler Vertrag ohne Krieg". Beides waren, bzw. sind, Knebelverträge und für Deutschland unerfüllbar.

Der erste führte zu einer extremen Notsituation des deutschen Volkes, zum Aufstieg Hitlers und zu WK II. Ob der zweite zu WK III führt, bleibt abzuwarten. Zu einer Notsituation wird er auf jeden Fall führen. Immerhin belaufen sich alle Haftungs- und Garantiesummen, die Deutschland im absoluten Notfalle zu zahlen hätte, auf rund 2 Billionen, also 2 000 Milliarden €. Die Teilsummen sind gut im Brüsseler Zahlenwerk versteckt und die Medien schweigen die wahre Höhe dieser Bürgschaften aus gutem Grund tot. Und Deutschland ist der größte Gläubiger Griechenlands.


Goldman-Sachs als freundlicher Nachbarschaftshelfer, "gegriechte" Bilanzen

Interessant auch, dass der hochrangige Goldman-Sachs Mitarbeiter, der in führender Rolle half, Griechenland per getürkten (besser "gegriechten") Statistiken den Euro-Beitritt zu ermöglichen, inzwischen durch massive Beförderungen belohnt wurde. Es handelt sich um einen Italiener, mit dem harmlosen Vornamen Mario, und dem tief symbolischen Nachnamen "Drache" (man sehe im italienisch-deutschen Wörterbuch nach). Jetzt soll er die von ihm selbst verursachte Misere "retten". Da heißt es für uns Normalverbraucher nur noch: "Rette sich, wer kann", denn der Fuchs wurde zum "rettenden" Wächter des Hühnerstalls ernannt.


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