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Goldstandard: Anfechtung und Lösungswege

26.04.2017  |  Jim Willie CB
- Seite 4 -
Kritische Masse & Nicht-Reservewährung

Damit ein Goldstandard Erfolg haben kann, so predigt Jackass, muss eine ganze Anzahl von goldgedeckten Währungen zusammen eine kritische Masse bilden. Ein einziges hypothetisches Beispiel zu präsentieren (wie Smith mit dem fiktiven Land "Slobovia" und dessen Währung "quatloo"), ist fehlgeleitet und nicht zielführend.

Keine Einzelnation, nicht einmal eine kleinere Staatengruppe, kann mit der Einführung eines Goldstandards Erfolg haben, weil die Kräfte zu mächtig sind, um diese zu absorbieren und den gesunden Feedback-Mechanismus zum Laufen zu bringen. Das entscheidende Konzept ist hierbei die kritische Masse - also genau das, was die Eurasische Handelszone versucht zu erreichen. Sie führen Nationen zusammen mit der Absicht, gemeinsam an einem besseren System teilzuhaben.

Sie bauen US$-fremde Plattformen auf und schaffen US$-fremde Marktmechanismen. Und bald wird sich auch zeigen, welche Rolle Gold dabei zugedacht ist. Erst kürzlich wurde die Türkei von ihnen angeheuert als potentieller Goldlieferant für die allesentscheidende Gold Trade Note. Sie wird zur Begleichung von Handelsgeschäften eingesetzt, sie wird die US-Staatsanleihe in die Wüste schicken.

Stellen Sie sich das Chaos vor, wenn die Saudis Gold an China verkaufen und anschließend an fast Gesamtasien - erst in RMB und später dann in Gold Trade Notes.

Sollte sich ein viel größerer Zusammenschluss aus Nationen - wie bspw. die geballte Masse der Eurasischen Handelszone und die BRICS mit den Schwellenländernationen im Schlepptau - dafür entscheiden, den Goldstandard in der Handelsvergütung, im Bereich der Bankenreserven und auch im Bereich Währungsbildung durchzusetzen, dann haben sie Durchschlagskraft. Wenn sie den Großteil des Handels beherrschen, dann diktieren sie die Regeln.

Das vereinte BIP der besagten Gruppe steht im Zentrum der Aufmerksamkeit, weil diese Gruppe die kritische Masse bildet. Russland und China befinden sich schon jetzt im Besitz von 60.000 Tonnen Gold. Sie werden bald die Regeln machen.


Irrige Schlussfolgerungen

Schauen Sie sich das abschließende Fazit von CHSmith an:

"Im Fall einer echten goldgedeckten Währung müsste jeder neue hinzukommende 1 $ in Währung durch die Hinzufügung von 1 $ in Goldreserven abgedeckt werden. Wenn die Goldmenge konstant bleibt, die Währungsmenge sich jedoch ständig ausweitet, sinkt entsprechend der in Gold bemessene Wert der in Umlauf gebrachten Währung.

Währungen sind allein nur dann wirklich durch Gold gedeckt, wenn sie auch in Gold konvertierbar sind. Warum sollte man eine goldgedeckte Währung halten, wenn sie von heute auf morgen vom ausgebenden Staat/ Bank um das 10-fache verwässert werden kann? Eine Nation, die eine goldgedeckte Währung ausgibt, ist aber nicht fähig, den globalen Goldpreis zu kontrollieren. Deshalb ist die Währung dieser Nation Geißel von Fluktuationen, die sich nicht kontrollieren lassen.

Wenn die ausgebende Nation eine Goldbindung veranlasst, ist diese Bindung auch den Launen der Zentralbank und der Regierung ausgesetzt. Anders gesagt: Diese Bindung ist nur eine Variation der Fiat-Währung. Das heißt ganz einfach, dass sich eine Reservewährung oder ein Mindestreserve-Bankensystem unmöglich durch Gold decken lässt. Dass eine Welt mit sehr wenig Kredit eine gute Welt sei, ist leicht gesagt, allerdings wäre es auch eine Welt mit eingeschränktem schuldenbasiertem Konsum, sprich eine Welt mit wenig Wachstum. Und ohne Wachstum implodiert das System."


Fast nichts an den Aussagen oben ist logisch, sachlich oder korrekt. Gehen wir der Reihe nach durch:

Mit der Gold-Deckungsklausel könnten sich 1 Mrd. $ gedeckt durch 50 Mio. $ in Gold ergeben - oder 1,25 t physisches Gold. Dieser Ansatz wäre sehr überschaubar und, mithilfe variabler Raten für die Deckungsklausel, zudem auch flexibel. Exportmächte hätten eine höhere Deckungsklausel-Rate, Defizitnationen hingegen eine niedrigere. Das Konzept dazu befindet sich schon im Umlauf.

Keine Nation müsste versuchen, den Goldpreis zu kontrollieren. Das ist verquer. Die Gold-Richtinstanz würde den Wert der konkurrierenden Währungen kontrollieren. Dann wären viele verschiedene goldgedeckte Währungen auf dem Tisch, die sich unterscheiden durch Goldreservemengen, im wirtschaftlichen Status als Überschuss- oder Defizitländer, hinsichtlich der Rohstoffreserven, hinsichtlich der Weisheit der nationalen Führungen, der kooperativer Handelspolitik oder gar militärischer Aggression und auch hinsichtlich anderer Faktoren.

Die Nationen wären nicht Geißel der Goldpreisfluktuationen. Gold ist konstant, während die Währungen, abhängig von inhärenten Bedingungen, im Wert variieren. Das Hauptaugenmerk läge dann auf der Kontrolle der einzelnen Währungen, was CHSmith falsch versteht.

Auch das abschließende Argument CHSmiths ist abwegig. Er behauptet, dass eine an Gold gebundene Währung den Launen der Zentralbank und der Regierung ausgesetzt sei. Diese Bindung wäre nicht nur eine Variation der Fiat-Währung, wohl kaum. Sie wäre nur ein Teil von verschiedenen Maßnahmen, mit denen der Wert einer goldgedeckten Währung bemessen wird:

Stellt man sich beim Organisieren des goldgedeckten Arabischen Dinars dumm an, so würde diese Währung abstürzen gegenüber einem sorgfältig arrangierten goldgedeckten Nordischen Euro. Die siechenden arabischen Ölmonarchien müssten in Konkurrenz zu den standhaften, klugen Deutschen treten. Sollten die Araber beim Wettkampf in der Goldarena scheitern, werden sie ihr Gold verlieren - Fuhre für Fuhre.

Sie wären gezwungen, Anpassungen vorzunehmen, unter dem Deckmantel des Feedback-Mechanismus. Zentralbanken würde man hingegen zur Rechenschaft ziehen. Das ist Grundvoraussetzung nach dem extremen Missbrauch, der im Westen mit QE seit 2012 betrieben wird.


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