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Wie manipuliert ist der Goldpreis? Ein Blick hinter die Kulissen der COMEX

13.09.2017  |  Ronan Manly
- Seite 3 -
Im Nachhinein war es sehr scharfsinnig und weitsichtig, dass diese bedeutenden Teilnehmer des Londoner Goldmarktes, an dem damals noch eindeutig zugewiesenes Gold gehandelt wurde, schon 1974 vorhersahen, welche Folgen die Einführung von Goldfutures haben würde. Wir erleben heute genau das, was die Edelmetallhändler damals prophezeiten: hohes Handelsvolumen, starke Preisvolatilität und ein Markt (die COMEX), der die Preisbildung am physischen Goldmarkt negativ beeinflusst.


Das Handelsvolumen

Das Handelsvolumen und das Open Interest sind zwei äußerst aufschlussreiche Kennzahlen für den Goldfutureshandel an der COMEX. "Open Interest" bezeichnet die Gesamtzahl der ausstehenden Goldkontrakte, die noch nicht glattgestellt oder ausgeliefert wurden, zu einem bestimmten Zeitpunkt.

2016 belief sich das Handelsvolumen am Goldmarkt der COMEX auf insgesamt 57,5 Millionen Kontrakte. Das entspricht 178.850 Tonnen Gold - fast so viel, wie in der gesamten Geschichte der Menschheit je zu Tage gefördert wurde (diese Menge wird auf 190.000 Tonnen geschätzt). Das Handelsvolumen an der COMEX war damit im vergangenen Jahr ganze 37% höher als 2015. Doch während 57,5 Millionen Kontrakte gehandelt wurde, erfolgte nur bei 71.380 Goldfutures die "Lieferung" des Edelmetalls, d. h. bei nur 0,12% des 2016 an der COMEX gehandelten Goldes.

"Lieferung" bedeutet in diesem Fall jedoch, dass je Kontrakt ein schriftliches Bezugsrecht über 100 Unzen Gold ausgestellt wird, d. h. innerhalb des Lagersystems der COMEX wechseln entsprechende Besitzdokumente die Hände, meist zwischen verschiedenen Banken. "Lieferung" bedeutet noch nicht, dass das Gold tatsächlich aus den zugelassenen Lagerhäusern abgezogen und an einen anderen Ort gebracht wurde. Das Konzept von Statistiken, die anzeigen, welche Goldmengen aus den Tresoren entnommen werden, und die z. B. an der physischen Shanghaier Edelmetallbörse SGE die wichtigsten Daten liefern, ist der COMEX und ihren Marktteilnehmern völlig fremd.

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Bisherige Goldauslieferungen der COMEX in diesem Jahr: 1,23 Millionen Unzen bzw. 38 Tonnen. (Quelle: www.goldchartsrus.com)


In den ersten sechs Monaten dieses Jahres belief sich das Handelsvolumen der Goldfutures an der COMEX auf 32,7 Millionen Kontrakte, was 101.710 Tonnen Gold und einem Anstieg um 12% gegenüber 2016 entspricht. Auf das ganze Jahr hochgerechnet könnte das Handelsvolumen folglich mehr als 200.000 Unzen betragen. Das wäre mehr als alles Gold, das die Menschheit je gefördert hat.

Zudem wurden in der ersten Jahreshälfte 2017 12.320 Kontrakte ausgeliefert (entspricht 38 Tonnen), d. h. gerade einmal 0,038% aller zwischen Januar und Juni gehandelten Futures bzw. ein Kontrakt von 2.650.


Das Open Interest

Abgesehen von den Trends und Momentaufnahmen, die eine Analyse des Handelsvolumens erkennen lässt, zeigt das Open Interest, wie viel physisches Gold notwendig wäre, falls sich alle Marktteilnehmer mit Long-Positionen entschließen sollten, ihre Kontrakte in die jeweils 100 Unzen Gold umzuwandeln, die sie angeblich repräsentieren. Aktuell stehen an der COMEX beispielsweise 480.000 Goldfutures zu je 100 Unzen aus. Die Käufer halten also Long-Positionen im Umfang von 480.000 Kontrakten und die Verkäufer dieser Futures halten Short-Positionen in gleicher Höhe. Daraus ergibt sich ein Open Interest von 48 Millionen Unzen bzw. 1.500 Tonnen Gold, was in etwa der Hälfte der weltweiten Minenproduktion eines Jahres entspricht.

Bei 46% dieser Kontrakte handelt es sich derzeit um August-Futures (knapp 750 Tonnen), weitere 40% laufen im Dezember aus. Die Futures für diese beiden Liefermonate machen also insgesamt 85% des Open Interest aus. Insgesamt bewegte sich die Zahl der ausstehenden Kontrakte in diesem Jahr immer ungefähr im Bereich von 400.000 bis 500.000.


Die Goldbestände: "Registered" und "Eligible"

Aktuell lagern in den New Yorker Tresoren der COMEX allerdings nur 22 Tonnen Gold der Kategorie "Registered", d. h. rund 700.000 Unzen. Das bedeutet, dass derzeit nur 22 Tonnen verfügbar und für den Auslieferungsprozess freigegeben sind. Diese 22 Tonnen nehmen, wenn sie in Form von Good-Delivery-Barren verwahrt werden, in den acht zugelassen Lagerhäusern nur eine kleine Ecke im Raum ein. Die Goldbestände der Kategorie "Registered" sind derzeit auf dem niedrigsten Stand seit einem Jahr. Im August 2016 lagen beispielsweise noch 75 Tonnen Gold in den Tresoren, heute sind es nur noch 30% davon.

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COMEX-Goldbestände der Kategorie "Registered": 700.000 Unzen bzw. 22 Tonnen (Quelle: www.goldchartsrus.com)



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