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LBMA: Transparenz im Londoner Papiergold-Kasino?

06.12.2018  |  Ronan Manly
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Die konventionelle Meinung auf dem Markt (und eine, die sogar von Finanzwissenschaftlern und dem World Gold Council vertreten wurde) war, dass das Volumen im außerbörslichen Goldhandel in London zwischen sieben- bis zehnmal höher als das Clearing-Volumen war. Das erlaubte es, Handelsvolumen zu schätzen oder hochzurechnen, indem man das Clearing-Volumen mit beispielsweise 10 multiplizierte. Ein Multiplikator von zehn war tatsächlich auch das, was die LBMA selbst angab, als sie eine Umfrage zum Handelsvolumen unter ihren Mitgliedern in Q1 2011 durchführte. Die LBMA schrieb in ihrer Umfrage von 2011:

"Es ergibt sich auch, dass ein Verhältnis von fast zehn zu eins zwischen den Umsatzzahlen und den Clearing-Statistiken besteht. Es ergibt sich, dass Spot-Transaktionen die große Mehrheit aller Transaktionen (ungefähr 90%) bilden, wärehnd Forwards und andere Transaktionen jeweils ungefähr 5% ausmachen. Das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen auf dem Londoner Markt in diesem Zeitraum betrug 173.713.000 Unzen oder 240,8 Mrd. $."

Aber die letzten Zahlen der LBMA zum Clearing-Handelsvolumen von 2018 deuten auf einen viel kleineren Faktor als 10. Die jüngste LBMA-Clearing-Statistik vom September 2018 besagt, dass täglich 18,9 Mio. Feinunzen Gold verrechnet werden. Vergleicht man das mit den 30,2 Mio. gehandelten Feinunzen (939 Tonnen) pro Tag, so ist der Faktor nur 1,6 und nicht annähernd 10.

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Das ist noch nicht alles: Das aktuell gemeldete tägliche Handelsvolumen von 30,2 Mio. Feinunzen Gold im November 2018 ist 82% niedriger als das tägliche Handelsvolumen von 173,7 Mio. Unzen Gold im ersten Quartal 2011. Wie kann das sein? Die 2011 durchgeführte Umfrage war freiwillig und 36 "ordentliche Mitglieder" der LBMA zu der Zeit, einschließlich aller Market Maker, haben sich daran beteiligt.

Die aktuellen Daten zum Handelsvolumen 2018 basieren auf Handelsdaten, die 42 LBMA-Mitglieder, einschließlich aller Market Maker, vorgelegt haben. Wie konnte das tägliche Handelsvolumen 2011, basierend auf den Geschäften von 36 Mitgliedern (einschließlich aller Market Maker), fast sechsmal so groß sein wie das tägliche Handelsvolumen 2018, basierend auf den Geschäften von 42 Mitgliedern (einschließlich aller Market Maker)? Waren Geschäfte bestimmter Art von der Berichterstattung ausgenommen?

In einem Brief von Januar 2015 an die Fair and Efficient Market Review (FEMR) der Bank von England, erklärte die LBMA, dass "es anerkannt werden sollte, dass die Rolle der Zentralbanken im Goldmarkt 'völlige' Transparenz ausschließen könnte, zumindest auf öffentlicher Ebene ...".

Wurden diese oder andere Arten von Handel, wie z. B. staatlicher Handel, kaschiert oder aus den Handelsvolumendaten herausgefiltert? Das können wir nur herausfinden, wenn die LBMA uns aufklärt oder aber die Methodik zur Verfügung stellt, wie sie die Daten sammelt, aus denen diese kumulierten Handelsvolumenzahlen bestehen.


Fazit

Das Transaktionsregister oder Meldezentrum der LBMA, namens LBMA-i, dem die Mitgliedsfirmen der LBMA ihre Handelsdaten melden, hat eine riesige Menge Handelsdaten, die die LBMA auf dem Markt veröffentlichen könnte, falls sie das denn im Interesse eines fairen und effizienten Handels wollte. Es würde echte Handelsberichterstattung geben, die - noch einmal zur Erinnerung - nach MIFID derart aussieht, dass "grundlegende Angaben zum Handel beinahe unverzüglich gemeldet werden, damit die Informationen auf dem Markt verbreitet werden, um die Preistransparenz zu verbessern".

Man könnte die Berichte nach Kundentyp, wie z. B. Minenbetreiber, Scheideanstalten, Zentralbanken, Institutionen der Käuferseite, Banken usw., und nach Handelsarten, wie z. B. ETF-Handel, Interbankenhandel, Exchange for Physicals (EFP), Spekulationshandel, Goldeinlagen von Zentralbanken, Handel mit physischen Metallen auf Kommissionsbasis usw. kategorisieren. Tatsächlich sind die Möglichkeiten schier unerschöpflich, um richtige Handelsberichterstattung zu leisten, wenn alle Daten in einer Datenbank erfasst sind, wie es der Fall im LBMA-i-Meldezentrum ist.

Doch die LBMA hat es vorgezogen keine angemessenen Berichte vorzulegen, und die UK-Finanzaufsichtsbehörden sahen lieber weg. Die Londoner Gold- und Silbermärkte werden also weiterhin undurchsichtig bleiben und durch einen Mangel an Markteffizienz charakterisiert sein, den eine ordnungsgemäße Handelsberichterstattung zumindest teilweise hätte ausgleichen können.


© Ronan Manly
BullionStar



Dieser Artikel wurde am 21. November 2018 auf www.bullionstar.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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