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Das Problem der doppelten Schulden

13.12.2018  |  John Mauldin
- Seite 3 -
Beide Probleme sind ernst. In gewissem Maße überschneiden sie sich auch, da die Regierung ihre Finanzierung (ob Steuern oder Kreditaufnahme) aus derselben Bevölkerung und demselben Vermögenspool bezieht wie private Kreditnehmer. Aber sie sind eigenständige Probleme, die wir getrennt analysieren sollten.

Es gibt zumindest etwas Grund zur Hoffnung. Da es eigenständige Probleme sind, werden sie vielleicht nicht zeitgleich eskalieren. Das würde jedes Einzelne beherrschbarer machen.

Tatsächlich war das 2008 der Fall. Hypothekenkredite mit geringer Bonität (Subprime) und dazugehörige Derivate führten zu einer Ansteckung der Commercial Papers. So furchtbar und Angst einflößend es auch war, die Federal Reserve war als finanzielle Absicherung da. Genau wie das US-Finanzministerium. Es gab vieles, worüber wir uns sorgten, aber ich kann mich nicht erinnern, dass irgendjemand ernsthaft daran gedacht hat, dass die Regierung zusammenbrechen würde. (Ob sie die richtigen Dinge getan hat, ist eine andere Frage.)

Wird es beim nächsten Mal genauso sein? Das können wir nur hoffen. Ich bin skeptisch, weil die Staatsschulden jetzt einen etwa doppelt so hohen prozentualen Anteil des BIP wie 2008 haben. Die Bilanzaufstellung der Fed ist auch erheblich länger. Sie hat weniger Spielraum, aber vielleicht findet sie neue Instrumente.

Nichtsdestotrotz wird die Regierung irgendwann an ihre Schuldengrenzen stoßen und die Privatschulden wahrscheinlich mit sich nach unten reißen. Das wird zu dem führen, was ich für den eigentlichen großen Neustart halte. Aber wir könnten vorher eine (oder mehr) kleinere Schuldenkrisen haben.

Der große Neustart wird eintreten, wenn die globale Staatsverschuldung so groß ist, dass eine einfache Umschuldung zum Problem wird. Sie wird Privatkredite verdrängen, was dazu führt, dass die Zinssätze steigen, was definitiv nicht gut für das wirtschaftliche Wachstum ist. Andernfalls greift die Regierung zu "ungewöhnlichen Mitteln". In jedem Fall würde eine Schuldenkrise des privaten Sektors zur selben Zeit wirklich schmerzhaft sein.

Irgendwann wird der Privatmarkt nicht mehr in der Lage sein, solch einen massiven Anstieg der Verschuldung zu finanzieren. Dann haben wir eine "Krise" und die Regierung wird zu "ungewöhnlichen Mitteln" greifen. Zum Beispiel, dass der Kongress die Federal Reserve ermächtigt Staatsanleihen zu kaufen.

Das ist nicht verrückt. Die Bank of Japan macht momentan genau das. Die BoJ hat über 140% des japanischen BIP auf ihrer Bilanz. Sie kauft jetzt - wie die Schweizerische Nationalbank und die Europäische Zentralbank - Aktien und Privatschulden, um Geld in die Wirtschaft zu bringen, scheinbar ohne Konsequenzen.

Und vielleicht ist es das, was die USA machen wird. Doch sobald Politiker und Wähler realisieren, dass sie die Zentralbanken anzapfen können, wird es da noch einen Anlass geben, den Haushalt auszugleichen? Vielleicht nicht. Es sei denn, die Monetisierung der Schulden kreiert noch eine andere Krise.

Eine der Schuldenkrisen, die Dalio ausführlich beschreibt, ist die Weimarer Republik und die Hyperinflation in dieser Zeit. Deutschland monetisierte die Staatsschulden, die es aus dem Ersten Weltkrieg übernahm. Ich würde Dalio gern fragen, ob er gerade diese Schuldenkrise als Warnung genommen hat, für das, was passiert, wenn Regierungen mit Notenpressen spielen.

Es ist schwierig den Weg vorherzusagen, den der große Neustart nehmen wird. Wir können nicht wissen, wie das politische Umfeld ist, wenn die Technologie anfängt, an der Beschäftigungsquote zu zehren. Wird eine gesteigerte Produktivität Verbraucherpreise senken oder wird die Inflation steigen? Ist es der zweite Fall, wird die Fed darauf reagieren, indem sie die Zinssätze erhöht und damit eine Rezession, wie damals Volcker, auslösen? Wird der Kongress die Fed anweisen, die Schulden zu monetisieren? Wie schon gesagt, zeigte 2008 deutlich, dass der Kongress und die Exekutive inmitten einer Paniksituation nahezu alles machen würden, um das Leiden nicht in Kauf nehmen zu müssen.

Aber im wirtschaftlichen Jargon wird diese gähnende Kluft aus Staatsschulden "rationalisiert" werden müssen. Rentner und alle Anderen, die staatliche Leistungen erhalten, werden davon ausgehen, diese auch weiterhin zu erhalten. Es gibt keinen politischen Willen diese Leistungen zu kürzen. Das Geld wird schon gefunden; die Frage ist nur wo? Tipp: nicht unter den Sofakissen.

Wenn man anfängt, das Problem strategisch zu analysieren, erkennt man, dass die Auswahl sowohl begrenzt als auch bitter ist. Japans Erfahrungen, wenngleich das Land verglichen mit den USA und Europa wie Äpfel und Birnen ist, werden sehr verlockend sein. Einfach die Zentralbank berechtigen Geld zu drucken. Wenn die zwei wichtigsten Währungen in der Welt anfangen, Schulden in einem erheblichen Maße zu monetisieren - mehr als der kleine Prozentsatz des BIP 2008/2009 - und wenn diese Welt in einer globalen Rezession ist, die laut Definition deflationär ist, wie werden dann die Konsequenzen aussehen?

Die Antwort ist, dass wir es nicht wirklich wissen. Wir können uns nur der Wirtschaftstheorie als Wegweiser bedienen, und wir alle wissen, was Theorien in Krisen bringen. Ich gebe zu, dass ich mir schwer vorstellen kann, dass das, was auch immer passiert, weniger schmerzhaft wird, egal welcher Theorie man anhängt.

Es mit zu vielen Schulden zu tun zu haben, selbst wenn sie "bloß" in Aussicht gestellt werden, ist immer mit irgendwelchen Schmerzen für jemanden verbunden, und wahrscheinlicher für alle, sodass keiner glücklich ist.

Aber das ist eine andere Geschichte. Fortsetzung folgt.


© John Mauldin
www.mauldineconomics.com


Dieser Artikel wurde am 23. November 2018 auf www.mauldineconomics.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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