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Das Problem der doppelten Schulden

13.12.2018  |  John Mauldin
- Seite 2 -
Endlose Zusicherungen

Betrachten wir nochmals, wie groß das Problem ist.

Im Oktober betrug das Haushaltsdefizit der US-Regierung 100,5 Mrd. Dollar. Im Vorjahresmonat betrug es 63,2 Mrd. Dollar. Es gibt zwar immer Timingprobleme bei Staatseinkünften, wenn man sie mit früheren Monaten vergleicht, aber hier geht die Entwicklung in die falsche Richtung. Ich habe wenig Hoffnung, dass sie sich umkehren wird. Weder der Kongress noch das Volk haben Interesse an geringeren Ausgaben. Noch werden wir die Art von Steuerpolitikänderungen sehen, die mehr Steuereinkünfte erzielen würden.

Die Staatsverschuldung stieg ohne viele Einwände (außer von uns paar Griesgramen), weil es größtenteils schmerzlos im letzten Jahrzehnt vonstattenging. Zinssätze und Inflation waren historisch niedrig, und die Federal Reserve kaufte Wagenladungen voll Staatsanleihen. Diese helfenden Umstände ändern sich nun. Letztes Jahr waren die Zinsen auf die Staatsschulden 263 Mrd. Dollar hoch, was 1,4% des BIP ausmacht. Das Congressional Budget Office (kurz CBO) rechnet damit, dass sie 2028 auf 915 Mrd. Dollar oder 3,1% des BIP steigen.

Haken wir hier ein. Sie können die CBO-Haushaltsprognose hier einsehen. Die interessanten Zahlen beginnen bei ungefähr Seite 43 und das eigentliche zu erwartende Defizit auf Seite 84. Das zu erwartende Gesamtdefizit (bilanziell und außerbilanziell) 2028 beträgt 1,5 Bio. Dollar. Die Zahl ist mit Vorsicht zu genießen; die Prognose für dieses Jahr (2018) war, dass die Gesamtverschuldung um 779 Mrd. Dollar zunehmen würde, dabei stieg sie um 1,2 Bio. Dollar einschließlich außerbilanzieller Posten. Das CBO geht auch davon aus, dass es in den nächsten zehn Jahren keine Rezessionen, Kriege oder andere Krisen geben wird.

Und doch prognostiziert es, sogar mit diesen optimistischen Annahmen, dass die Schuldzinsen die Verteidigungsausgaben plus andere "allgemeine" Ausgaben einholen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dem Haushaltsjahr 2019 ein Defizit von 1,5 Bio. Dollar bevorsteht (davon ausgehend, dass es keine Rezession gibt) und dass, falls (wenn) wir eine Rezession haben, die Gesamtschulden jährlich um mindestens 2 Bio. Dollar steigen. Wenn man bedenkt, dass die Gesamtschulden jetzt schon bei 23 Bio. Dollar liegen, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir 30 Bio. Dollar Schulden bis Mitte der 2020er haben werden und auch die 915 Mrd. Dollar Zinskosten, mit denen das CBO erst Ende des Jahrzehnts rechnet.

Und das ist noch nicht alles. Schauen Sie sich noch einmal "Unerfüllbare Versprechen" vom 6. Juli 2018 an. Dort sind einige erstaunliche Zahlen zu den verschiedenen Verpflichtungen, die nicht unter Schulden fallen, die unsere politischen Helden zusätzlich zu Sozialversicherung und Medicare (Krankenversicherung für US-Bürger ab 65) der Verfassung hinzugefügt haben, aufgeführt. Sie haben viele andere - auch nicht explizite - Verbürgungen gemacht.

Nehmen wir die Pension Benefit Guaranty Corporation als Beispiel. Sie steht hinter Tausenden von privaten Pensionsplänen mit Leistungszusage. Sie zahlen Prämien, aber nicht genug, um die Summe der Versäumnisse, die in einer schweren Rezession und Schuldenkrise zu erwarten wären, zu decken, ganz zu schweigen beim "großen Neustart".

Wenn wir etwas aus 2008 gelernt haben, dann ist es das: Der Kongress wird in einer Krise den staatlichen Geldbeutel öffnen, selbst wenn es bedeutet, dass er sich neue Verbürgungen aus den Fingern saugen muss. Das war der Fall bei TARP, dem Troubled Asset Relief Program. So ein Programm war nirgends in Sicht, bis die großen Banken schwankten. Wenn, sagen wir, einige große staatliche Vorsorgepläne ihren Verpflichtungen nicht nachkommen können, wird dann der Kongress einem ähnlichen Druck gegenüberstehen, um die Lücke zu finanzieren? Darauf können Sie wetten, und ich habe keine Zweifel daran, was passieren wird.

Nun, wenn Sie Keynesianer sind, finden Sie das vielleicht in Ordnung. Es ist die Aufgabe der Regierung in schwierigen Zeiten die Wirtschaft anzukurbeln. Aber Keynes riet uns auch Überschüsse in Wachstumsperioden zu erwirtschaften, damit wir uns den Anreiz leisten können. Das haben wir nicht; nur flüchtig vor 20 Jahren. Selbst wenn also der Keynessche Weg der Richtige wäre, sind wir schon lange von ihm abgekommen.

So schlimm, wie das alles ist, denke ich, dass Ray Dalio den richtigen Ansatz gewählt hat, es getrennt von der eher "normalen" Schuldenkrise zu analysieren. Das war für mich die wichtigste Erkenntnis, als ich das Buch gelesen habe. Wir haben zwei verschiedene Probleme, die sich möglicherweise überschneiden - oder auch nicht.


Komorbide Krisen

Mediziner haben den unerfreulich klingenden Begriff "Komorbidität". Das ist so schlimm, wie es klingt. Damit bezeichnet man zwei gleichzeitig auftretende eigenständige Krankheitsbilder bei einem Patienten. Sie können zusammenhängen, sind aber medizinisch deutlich voneinander abgrenzbar. Herzleiden und Diabetes treten zum Beispiel oft gemeinsam auf. Sie getrennt voneinander zu untersuchen ist wichtig, um Entscheidungen über ihre Behandlung zu treffen.

Das ist der Fall bei unserer Schuldenkrankheit:
  • Wir haben ein großes Problem in Form von Schulden im privaten Sektor, mit vielen überschuldeten Unternehmen, die sehr wahrscheinlich zahlungsunfähig werden, sollte die Wirtschaft schwächeln.

  • Wir haben ein weiteres großes Problem in Form von Staatsschulden und ungedeckten Verbindlichkeiten, mit Politikern, die Versprechungen machen, die die Steuerzahler nicht einhalten können.


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