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Manipulation der Gold- und Silberpreise - Der größte Trick, den es je gab

31.07.2019  |  Ronan Manly
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Zum Beispiel sagte Mike Chan, ein UBS-Junior-Trader von Flotron, während seiner Arbeit in Singapur, im Flotron-Prozess vor Gericht aus: "Während der Einarbeitung, sah ich ihn beim Spoofing und - genug, um es direkt nachzuahmen, um dasselbe zu erreichen. Und im Verlauf meiner Karriere bei USB, habe ich immer mehr Leute beim Spoofing gesehen, je mehr Trader ich traf."

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Bank für Internationalen Zahlungsausgleich; Basel, Schweiz


Ein abgekartertes Spiel - Manipulation der Gold- und Silberbenchmarks

Jenseits des Gold- und Silberfuturesmarkts - doch mit Futures in Verbindung stehend - sind eine Gruppe Bullionbank-Trader, nicht überraschend, ebenfalls in Kartellrechtsfälle involviert. Der Vorwurf lautet, dass diese Banken die Preise am Londoner Gold- und Silberfixing manipulierten.

Obwohl sich diese Fälle noch durch die New Yorker Gerichte winden und es bisher kein rechtskräftiges Urteil gibt, sind die Chatroom-Protokolle über die manipulativen Preisabsprachen schockierend. Chat-Protokolle, von denen jeder, der der auch nur ansatzweise darüber nachgedacht hat, wusste, dass sie seit mindestens 2004 existieren.

Die besagten Fälle wurden von Edelmetallinvestorengruppen gegen die kartellartigen Unternehmen des Londoner Gold- und Silberfixing herbeigebracht. Die Vorwürfe lauten, dass die Bank of Nova Scotia und die HSBC die Preise bei Silberfixing von 2007 bis 2013 manipulierten und dass die Scotiabank, die HSBC, Barclays sowie Société Générale die Fixing-Preise von 2004 bis 2013 manipulierten. Mit Abwesenheit glänzen die Deutsche Bank, die sich ihren Weg aus beiden Fällen durch eine Einigung bahnte, und UBS, die durch Kooperation und teure Anwälte beide Fälle erfolgreich abwies.

Wieder bedienen wir uns eines Artikels von Allan Flynn von Dezember 2016 mit dem Titel "How to Trigger a Silver Avalanche by a Pebble: Smash(ed) it Good", der viele exzellente Zitate aus Chatroom-Protokollen aufführt, wie Trader angeblich den Silbermarkt manipulierten. Zum Beispiel:

UBS-Trader A: "werde Silber tiefer schicken"; "wie ich sagte ich schicks tiefer": "ha cool, es wird hässlich"; "benutzt sofort die Klinge an Silber, das wirds aufhalten"; "werd Silber jetzt kappen."

Deutsche-Bank-Trader B weist Barclays-Trader A an: "heute zerschmetterst du es"

UBS-Trader A: "ein Kiesel kann eine Steinlawine auslösen wenn das Timing stimmt" und "Silber gibt’s noch, Silber kann man leicht manipulieren"

Die Fälle gegen die Unternehmen des Londoner Gold- und Silberfixing befinden sich noch in der Beweisführung in den New Yorker Gerichten. Man kann also mit weiteren Enthüllungen zum Ende des Jahres rechnen, doch angesichts der Nachsicht des Systems, nicht mit vielen Strafmaßnahmen.

Leser, die wissen, wie der Handel mit Gold- und Silberfutureskontrakten und um das Londoner Gold- und Silberfixing funktioniert, werden sehen, dass das Hin- und Herschieben der Preise an beiden "Plätzen" stattfindet, an der COMEX und auf dem Londoner Gold- und Silbermarkt, insbesondere im Vorfeld und während des Fixings.

Dieselben Investmentbank-Edelmetalltrader handeln mit den Gold- und Silberfutureskontrakten und den Londoner OTC-Kontrakten. Und sie handeln mit ihnen zeitgleich auf den Londoner und COMEX-"Plätzen". Kursbewegungen an einem Standort werden sofort am anderen widergespiegelt.

Das wird alles im englischsprachigen Artikel "Spoofing Futures and Banging Fixes: Same Banks, Same Trading Desks" von April 2018 erklärt. Zu der Zeit schrieb ich das Folgende, was jetzt angesichts der jüngsten CFTC-Anklage von Merrill Lynch Commodities Inc. (MLCI) sogar passender ist:

"Die strafrechtliche Verfolgung von Banken und Tradern wegen der Preismanipulation von COMEX-Futures, während der viel größere Londoner Markt und sein Gold- und Silberfixing ignoriert werden, sieht nach einer halben Sache aus. Trading-Desks und ihre Trader spielen auf Handelsplätzen und verknüpften Märkten keine Rolle; die COMEX und die Londoner Fixings sind zwei Seiten einer Medaille."

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Wer braucht schon Metall, wenn man mit Bildschirmgold und -silber handeln kann?


Fazit - Der größte Trick, den es je gab

Gold- und Silberpreise zu manipulieren, indem man Futures-Trades einstellt und wieder löscht, ist die eine Sache. Die Zentralbankintervention auf den physischen Goldmärkten, um den Goldpreis zu drücken, ist eine ganz andere. Aber die vielleicht weitreichendste und doch unbeachtete Manipulationsmethode wird ganz offen praktiziert.

Es ist die Struktur der derzeitigen "Gold- und Silbermärkte". Auf ihnen wird der Preis durch den Handel mit Unmengen von minimal gedeckten synthetischen Gold- und Silberkrediten aufgestellt; sei es in Form von Unmengen von nicht allokierten Positionen, die nur dem Namen nach "Gold" oder "Silber" sind oder in Form von Gold- und Silberfutures, die in keiner Verbindung zu den von der CME zugelassenen Edelmetalltresoren und -lagern stehen.

Indem sie die Nachfrage nach echtem Gold und Silber abzapfen und sie auf die ungedeckten oder minimal gedeckten Kredite und Futures lenken, haben die Zentralbanken und ihre Pendants unter den Bullionbanken erstaunliche Arbeit geleistet.

Sie schufen eine komplette Marktstruktur aus dem Handel mit Futures und Synthetik, die vom den physischen Gold- und Silbermärkten losgelöst ist. Diese Struktur leitet die Nachfrage von den physischen Edelmetallmärkten weg und schafft so ein Preisfindungssystem, das nichts mit Angebot und Nachfrage von physischem Gold und Silber zu tun hat.

Abgesehen vom Mindestreserve-Bankwesen ist die Edelmetallmarktstruktur wohl eins der größten Schwindel überhaupt. Wenn Sie also das nächste Mal an die Edelmetallmanipulation denken, vergessen Sie nicht, dass außer dem Spoofing und den verschwiegenen Zentralbank-Goldleihen auch die komplette Edelmetallmarktstruktur leider eine einzige unverhohlene Manipulation ist.


© Ronan Manly
BullionStar



Dieser Artikel wurde am 20. Juli 2019 auf www.bullionstar.com und zuvor auf RT.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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