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Chinas Goldmarkt - Nicht immun gegen den Abschwung

24.02.2020  |  Ronan Manly
Es wäre unrealistisch zu erwarten, dass der chinesische Goldmarkt - der weltweit größte Goldmarkt - nicht auch negativ beeinflusst wird, während die chinesische Wirtschaft weiterhin durch den Ausbruch des Coronavirus durcheinandergebracht wird und praktisch zum Stillstand kommt.

Der Schock - Städte, die unter Quarantäne gestellt wurden, niedrige Verbrauchernachfrage, weniger Flugverkehr sowie geschlossene Grenzen - für die verschiedenen Wirtschaftssektoren, einschließlich des inländischen Goldmarktes, sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden.


Der weltweit größte Goldmarkt

Zur Erinnerung: China ist der weltweit größte Goldimporteur, der weltweit größte Goldproduzent und das Land ist Heimat der weltweit größten physischen Goldbörse der Welt, der Shanghai Gold Exchange (SGE). Diese Börse hat ihren Sitz in Shanghai, besitzt jedoch mehrere hundert inländische Mitgliedsunternehmen über das Land verteilt, die wiederum Teil eines landesweiten Netzwerks aus mehr als 65 zertifizierten Tresorräumen über 36 chinesische Städte sind.

Hierzu kann man eine Reihe an Raffinerien sowie chinesische Banken hinzurechnen, die ebenfalls stark am inländischen Goldmarkt tätig sind. Zudem ist die chinesische Bevölkerung für ihren unersättlichen Appetit nach Goldbarren, -münzen und -schmuck für Investitionszwecke bekannt. Wie Sie also sehen können, gibt es eine Menge Zahnräder in diesem Getriebe, die im Rahmen dieses Abschwungs den Geist aufgeben könnten.

Auch wenn Gold ein sicherer Hafen ist, dessen Preis sich in Krisenzeiten gut entwickelt hat, so bezieht sich der besagte Abschwung auf die Infrastruktur des Marktes und dessen fehlerfreie und normale Funktionsweise. Aus einer rein logischen Perspektive betrachtet, werden unter Quarantäne gestellte Städte, die vielmehr Geisterstädten gleichkommen, den Arbeitern, die zur Arbeit zurückkehren, nicht sonderlich von Nutzen sein. Und Verbraucher sind nun mal keine Verbraucher, wenn sie ihre Häuser nicht verlassen können.

Die industrielle Goldnachfrage in China könnte ebenso durch eine schwächere Wirtschaft beeinflusst werden. Auf der Angebotsseite werden Waren, die mit dem Flugzeug nach China geliefert werden, nun durch geringeren Flugwarenverkehr sowie fehlender Passagiermaschinen beeinflusst, die oftmals auch Waren lieferten. Das könnte sich offensichtlich auf die Goldimportvolumen auswirken. Ähnlich werden auch Chinas Häfen, die als Pforte für importiertes, Gold enthaltendes Material gelten - das zu Chinas Goldproduktion hinzugerechnet wird - negativ beeinflusst.

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Angestellte an ihren Tischen an der Shanghai Gold Exchange, Anfang Februar. Quelle: SGE


Doch wie bei jeder sich rapide verändernden Situation ist es auch jetzt noch zu früh, die exakten Negativkonsequenzen für den chinesischen Goldmarkt einzuschätzen. Ähnlich kann man derzeit nicht einschätzen, welche Auswirkungen der Virus auf Chinas Wirtschaftswachstum, Lieferketten oder Verbraucherverhalten haben wird.

Wird sich der Coronavirus als Phänomen des ersten Quartals 2020 herausstellen, oder bis zum zweiten Quartal anhalten oder sogar bis zur zweiten Jahreshälfte? Aktuell weiß das niemand, also müssen wir abwarten und Tee trinken. Dasselbe gilt für die Daten, die vom chinesischen Goldmarkt kommen; wie Goldimporte, Goldproduktion, Goldnachfrage des Großhandels (Goldabhebungen Shanghai Gold Exchange) und Verbrauchergoldnachfrage. Der Markt muss diese Daten für Januar, Februar und März einfach nach und nach verdauen.

Natürlich nur, wenn die chinesischen Daten rechtzeitig verfügbar gemacht werden und nicht aus irgendwelchen Gründen (um das Gesicht zu wahren, etc.) aufgeschoben werden.

Das ist nicht nur eine theoretische Sorge, da ein Aufschub der Daten bereits begonnen hat. Beispielsweise gab China kürzlich bekannt, dass die Veröffentlichung der Januar-Handelsdaten vom vorherigen Veröffentlichkeitsdatum, dem 7. Februar, nun gemeinsam mit den Februar-Handelsdaten im März stattfinden soll.

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Doch in einer Nation, die bekannt dafür ist, das Gesicht wahren zu wollen, und die von der Stabilität und Kontrolle ihrer Gesellschaft besessen ist, könnten sich diese Datenveröffentlichungen ansammeln und monatelang aufgeschoben werden, bevor die chinesische Regierung es als sicher gedenkt, Daten zu veröffentlichen, die frei von jeglicher wirtschaftlicher Schwäche sind. Die Daten werden ebenfalls einbeziehen müssen, dass das chinesische Neujahr verlängert wurde, das erst vor kurzem endete.

Obgleich wir also nicht viele Beobachtungen darüber anstellen, was derzeit am chinesischen Goldmarkt geschieht, so können wir die Aktivität an Chinas Goldmarkt bis Ende 2019 betrachten, d.h. kurz bevor die Neuigkeiten über den Ausbruch des Coronavirus laut wurden. Das wird einen Richtwert für vergleichbare Daten darstellen, wenn diese letztlich veröffentlicht werden; später für das Gesamtjahr 2020.



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