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Konjunkturpaket umfassend - EZB im Fokus

04.06.2020  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1215 (06:32 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1182 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109,03. In der Folge notiert EUR-JPY bei 122,27. EUR-CHF oszilliert bei 1,0780.


Bundesregierung liefert

Nach zähen Verhandlungen hat die Bundesregierung ein Konjunkturpaket auf die Beine gestellt, das umfassend ausfällt. Mit 130 Mrd. Euro fällt es größer als erwartet aus. Das Paket ist für die Jahre 2020 (circa 90 Mrd.) und 2021 ausgelegt. Inkludiert ist ein Zukunftsprogramm in Höhe von 50 Mrd. Euro (Kaufanreize für Elektroautos, Aufbau Ladesäulen, Unterstützung OVNP). Temporär wird die Umsatzsteuer von 19% auf 16% gesenkt (Impuls 20 Mrd.).

Es gibt einen einmaligen Kinderzuschuss in Höhe von 300 Euro. Die EEG-Umlage wird gedeckelt. Kommunen werden entlastet. Unternehmen werden durch verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten und erweiterte Verlustvorträge unterstützt. Insgesamt umfasst das Paket 57 Punkte (keine Autoprämie).

Der Charakter des Programms setzt auf Stabilisierung und Initiierung der bekannten wirtschaftlichen Kräfte. Impulse werden für Investitionen gesetzt (Steueranreize). Bezüglich Mobilität wird der eingeschlagene Weg forciert. Mehr konnte nicht erwartet werden. Der IT-Airbus ist supranationale Sache der EU. Es ist höchste Zeit!


Die EZB steht heute im Fokus des Interesses

Sie wird keine Veränderungen an der Zinspolitik vornehmen. Einige Zirkel der Finanzmärkte erwarten weitere quantitative Maßnahmen. Wir schließen das nicht aus. Der Fokus liegt zudem auf der Verbalakrobatik. Wir stellen uns auf ein mildes "Whatever it takes" ein.


Aktuelle Corona-Lage gemäß der Johns-Hopkins-Universität:

Wir weisen darauf hin, dass die Darstellung der Johns-Hopkins-Universität lediglich eine Annäherung an die reale Lage liefert.

Das Thema der Exit-Strategien aus den Extremmaßnahmen bestimmt das Bild. Das gilt vor allen für die Länder, in denen sich Entspannungen ergeben. Es gilt aber auch für Länder, die noch von Verspannung geprägt sind. Zwischen den Zeilen wird daran deutlich, dass das Risikopotential von Covid-19 seitens der Politik als weniger dramatisch eingestuft wird.

In Asien setzt sich die Entspannung (und die wirtschaftliche Erholung) fort. In China liegen 118 akute Infektionen vor. In Südkorea stellt sich die Zahl auf 857. In Japan liegt sie bei 1.260. In Singapur sind es 12.799.

In Kontinentaleuropa ist die Lage stabil. Einige Länder liefern keine aktuellen Genesungszahlen laut Johns-Hopkins, so dass wir uns hier nur auf die Länder fokussieren, die ihren Aufgaben nachkommen. In Deutschland liegt die Zahl der akuten Infektionen bei 8.066. Österreich liegt bei 429 Fällen. Die Schweiz bringt es auf 372. In Italien sind es noch 39.297. Irritierend sind die Genesungszahlen aus den Niederlanden (180!), Belgien, Spanien, Frankreich und Schweden (0!).

Die Problemländer sind weiter die USA (1.265.087), das UK (240.247), Brasilien (312.851) und Russland (230.948).


Datenpotpourri der letzten 72 Handelsstunden:

Eurozone: Daten überwiegend besser als erwartet

Gemäß finaler Berechnung stellte sich der von Markit ermittelte Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor per Mai auf 30,5 nach zuvor 28,7 Punkte (Prognose 28,7). In der Folge legte der Composite Index gegenüber dem vorläufigen Wert von 30,5 auf 31,9 Zähler zu (Prognose 30,5). Die Arbeitslosenrate stieg per April von 7,1% (allzeittief, revidiert von 7,4%) auf 7,3% (Prognose 8,2%). Für den aktuellen Aprilwert sehen wir eine ausgeprägte Revisionsanfälligkeit. Die Erzeugerpreise sanken per April im Monatsvergleich um 2,0% (Prognose -1,8%) nach zuvor -1,5%. Im Jahresvergleich kam es zu einem Rückgang um 4,5% (Prognose 4,0%) nach zuvor -2,8%.

In Deutschland legte die Arbeitslosenquote in der saisonal bereinigten Fassung von 5,8% auf 6,3% zu (Prognose 6,2%).


USA: Daten besser als erwartet, aber Divergenzen bei Arbeitsmarktdaten

In der US-Privatwirtschaft wurden laut ADP-Report per Mai 2.760.000 Jobs abgebaut (Prognose -9.000.000, Vormonat revidiert von -20.236.000 auf -19.557.000. Hier sind markante Divergenzen zu den Arbeitslosenerstanträgen gegeben. Gemäß finaler Berechnung stellte sich der von Markit ermittelte Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor per Mai auf 37,5 nach zuvor 36,9 Punkte. In der Folge legte der Composite Index gegenüber dem vorläufigen Wert von 36,4 auf 37,0 Zähler zu.

Der Auftragseingang der US-Industrie verzeichnete per April einen Einbruch um 13% (Prognose -14%) nach zuvor -11,0% (revidiert von -10,3%). Der ISM-Dienstleistungsindex stieg per Mai von zuvor 41,8 auf 45,4 Punkte (Prognose 44,0).

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.0620 - 50 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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