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Leichte Nervosität - USA/China - China/Saudi-Arabien

22.03.2021  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1893 (06:00 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1875 im fernöstlichen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 108,81. In der Folge notiert EUR-JPY bei 129.40. EUR-CHF oszilliert bei 1,1054.

An den Finanzmärkten stehen überwiegend Gewinnmitnahmen an Aktienmärkten im Raum. Der USD gewinnt gegenüber Hauptwährungen an Boden. Auch Gold und Silber stehen unter Abgabedruck. Finanzmarktteilnehmer goutieren offensichtlich das intolerante Verhalten der USA (siehe unten). Präsident Erdogan bringt es mit dem dritten Rauswurf eines türkischen Zentralbankchefs seit 2019 fertig, den Wert der türkischen Lira erheblich zu minimieren. In der Spitze warn es heute früh -13% gegenüber dem USD. Insgesamt ist der Markt nervös.

Zu Wochenbeginn ist es hinsichtlich der jüngsten Entwicklungen einmal mehr erforderlich, den Blick auf die internationalen Rahmenbedingungen zu werfen, die für die Wirtschafts- und Marktentwicklung von hervorgehobener Bedeutung sind. Dabei geht es um die Fragen des freien internationalen Handels, aber es geht auch um Aspekte der Vertragsfreiheit und Vertragstreue. Diese Aspekte sind für das internationale Organigramm und die Effizienz der globalen Wirtschaftsarchitektur von existentieller Bedeutung.

Wer dieses Organigramm und das dahinter stehende Wertegerüst unterminiert, bedroht die Weltwirtschaft und wesentliche Errungenschaften, die nach 1945 (auch UN-Charta) zwingende Erkenntnis darstellten, um derartige Verwerfungen zukünftig zu verhindern. Wer heute hybride Kriege führt und/oder unterstützt, unterstützt eine Abstumpfung in der Weltöffentlichkeit, die am Ende auch andere Kriege ermöglichen kann. Warum lernen wir nicht aus Geschichte! Es ist grotesk!


USA drohen Indien Sanktionen an

Der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hat Indien zu einem Verzicht auf den geplanten Kauf russischer Militärgüter aufgefordert, ansonsten würden US-Sanktionen gegen Indien ausgelöst. Bei seinem Antrittsbesuch bezog sich Austin auf S-400-Luftabwehrraketen, für die Indien dem russischen Lieferanten bereits eine Anzahlung von 800 Mio. USD überwiesen hat.

Diese Äußerung des US-Verteidigungsministers hat es in sich:
  • Es handelt sich um einen Angriff auf die Souveränität Indiens.
  • Es handelt sich um einen Eingriff in die Innenpolitik Indiens.
  • Es ist Ausdruck der Nichtachtung der Demokratie Indiens.
  • Es ist ein Eingriff in von Indien abgeschlossenen Verträgen.

Damit belegen die USA, dass sie weder die Demokratie noch die Souveränität von Drittstaaten akzeptieren. US-Erpressungsversuche sind erkennbar. Ebenso belegt die Haltung der USA, dass geschlossene Verträge für die USA bedeutungslos sind, wenn sie ihren Vorstellungen nicht entsprechen. Diese Politik entbehrt alle Merkmale, die westliche Länder vorgeben, zu vertreten. Was würde passieren, wenn China oder Russland ein derartiges Verhalten an den Tag legten? Was wäre hier los.

Wertegemeinschaften unterscheiden nicht danach, wer etwas tut, sondern was jemand tut. Das westliche Schweigen zu dieser US-Aggressionspolitik ist kaum zu ertragen.


Gipfel China/USA:

Nach einem konfrontativen Start der Gespräche, in dem China deutlich machte, dass man nicht Juniorpartner bei dieser Veranstaltung ist, kam es im weiteren Verlauf auf der Arbeitsebene zu überschaubaren Verabredungen.

China und die USA wollen eine gemeinsame Arbeitsgruppe zum Klimawandel einrichten. Man wolle über die Ermöglichung der Arbeit von Diplomaten und Journalisten sprechen, nachdem es in diesem Sektor beiderseitig zu Ausweisungen gekommen war. Beide Seiten hätten sich darauf verständigt, den Dialog zwischen ihren Ländern aufrecht zu erhalten, um Missverständnissen und Konfrontationen vorzubeugen und eine stetige und solide Entwicklung der Beziehungen zu fördern.

Fazit: Zunehmend wird deutlich, dass der Versuch der USA, die Welt wieder zu teilen, ungewollte Konsequenzen mit sich bringen kann (Emanzipation von den USA).


Saudis wissen offenbar, die Zukunft liegt im Osten

Werfen wir einen Blick nach Saudi-Arabien, das nach Nixons Einstellung der Goldbindung des USD entscheidend für die Aufrechterhaltung des USD-Leitwährungsstatus war (Petro-USD). Der weltgrößte Ölkonzern Saudi Aramco setzt für die kommenden 50 Jahre auf China als wichtigsten Abnehmer.

Aramco Chef Nasser betonte in einer Videorede für einen Kongress in China, dass die Versorgungssicherheit für Chinas Energiebedarf die höchste Priorität für Aramco habe. Das gelte nicht nur in den nächsten fünf Jahren, sondern in den nächsten 50 Jahren und darüber hinaus. Saudi Aramco ist für China der wichtigste Öllieferant noch vor Russland. Was heißt das für den USD (was für CNY)? Ist es positiv oder negativ?


China öffnet sich weiter

Der stellvertretende Ministerpräsident Chinas sagte am Wochenende, dass China die Einfuhrzollpolitik anpassen und verbessern sowie Importe hochwertiger Waren und Importe von Dienstleistungen steigern würde. Makroökonomisch wolle sich China enger mit anderen Ländern abstimmen.

Was macht China anders als die USA? Man öffnet sich weiter. Man setzt auf Multilateralismus und das Organigramm, das diese komplexe Welt zusammenhält. Was für ein atemberaubender Unterschied zu den USA. Passt das zu den Interessen der EU? Welche Politik ist konstruktiv, welche ist destruktiv? Die der USA oder die Chinas? Wer baut Strukturen auf (Belt and Road), wer zerstört Strukturen (Regime-Change)? Wer schafft Zukunftsfähigkeit von Wirtschaftsräumen und eröffnet damit gesellschaftlichen Räumen Stabilität (kontra Migration), wer konterkariert sie? Wer will sein System exportieren, wer macht nur Geschäfte (friedliche politische Wirkung)?


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Erzeugerpreise legen erwartungsgemäß zu

Die Erzeugerpreise stiegen per Berichtsmonat Februar im Monatsvergleich um 0,7% (Prognose 0,7%) nach zuvor 1,4%. Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 1,9% (Prognose 2,0%) nach zuvor 0,9%.


China: Politik der ruhigen Hand

Die Loan Prime Rate für einjährige Kredite liegt per März unverändert bei 3,85%. Der Zinssatz für fünfjährige Ausleihungen steht unverändert bei 4,65%.


Russland: Zentralbank erhöht unerwartet Leitzins

Die Zentralbank Russlands hat vor dem Hintergrund steigender Preise, aber auch des Drucks auf den Rubel (zu großen Teilen politisch induziert) unerwartet den Leitzins von bisher 4,25% auf 4,50% erhöht.

Das BIP sank per Berichtsmonat Januar im Jahresvergleich um 2,8% nach -2,4% per Dezember. Die Einzelhandelsumsätze sanken per Berichtsmonat Februar im Jahresvergleich um 1,3% (Prognose -1,1%) nach zuvor -0,1%. Die Arbeitslosenrate ging per Berichtsmonat Februar von zuvor 5,8% auf 5,7% (Prognose 5,7%) zurück. Die realen Löhne nahmen per Berichtsmonat Januar im Jahresvergleich um 0,1% zu (Prognose 0,0%, Vormonat 4,6%).


Japan: Zukünftige Dynamik etwas unausgeprägter

Laut Revision nahm der Index der Frühindikatoren per Berichtsmonat Januar um 0,8 Punkte zu (vorher 1,4 Punkte).

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone im Währungspaar EUR/USD bei 1.2220 - 50 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!



© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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