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Britische Forderungen nach US-Gold - Der Auslöser für das Schließen des Goldfensters

23.08.2021  |  Ronan Manly
"Ich habe Minister Connally angewiesen, die Konvertierbarkeit des Dollar in Gold oder andere Reservewährungen vorübergehend auszusetzen, es sei denn, dies geschieht in einem Umfang und zu Bedingungen, die im Interesse der Währungsstabilität und im besten Interesse der Vereinigten Staaten liegen." - Richard Nixon, Sonntag, 15. August 1971

Es ist genau 50 Jahre her, dass die US-Regierung am 15. August 1971 in einer Rede des damaligen US-Präsidenten Richard Nixon die Konvertierbarkeit von US-Dollar in Gold aufhob. Diese Konvertierbarkeit von US-Dollar in Gold galt für US-Dollar im Besitz ausländischer Regierungen und ausländischer Zentralbanken, die aufgrund der Regeln des Währungssystems von Bretton Woods jederzeit legal am "Goldfenster" des US-Finanzministeriums vorstellig werden und ihre überschüssigen US-Dollar in physisches Gold des US-Finanzministeriums umtauschen konnten.

In diesem Monat wird viel über den 50. Jahrestag der Schließung des US-Goldfensters geschrieben, aber weniger darüber, was genau der Auslöser dafür war und warum der Zeitpunkt der 15. August sein musste. Es geht um den britischen Botschafter in den USA, den 3. Earl of Cromer, alias George Rowland Baring, der am 12. August 1971 in den Büros des US-Finanzministeriums in Washington D.C. auftauchte und verlangte, dass die von Großbritannien gehaltenen US-Dollar in Gold umgetauscht werden.


Ein schwächelnder Dollar - Das System unter Druck

Anfang 1971 wuchs das Zahlungsbilanzdefizit der USA zusehends, da die Regierungen und Zentralbanken der wichtigsten Volkswirtschaften immer größere Mengen an US-Dollar anhäuften, die den Goldbestand der US-Regierung (des US-Finanzministeriums) bei weitem überstiegen. Auch die US-Handelsbilanz geriet ins Defizit.

Im April 1971 begannen die wichtigsten Währungen auf den Terminmärkten gegenüber dem US-Dollar aufzuwerten, und die Volatilität der Währungen nahm zu, da die Zentralbanken außerhalb der USA (vor allem in Europa) versuchten, ihre Währungen gegenüber dem US-Dollar zu stabilisieren, indem sie große Mengen an Dollar aufnahmen und ihre heimischen Währungen verkauften (nachdem sie ihre eigene Geldmenge ausgeweitet hatten), was gleichzeitig den Inflationsdruck in ihren Volkswirtschaften erhöhte.

Diese Volatilität führte zu einem Anstieg der Eurodollar-Zinssätze, was weitere spekulative Dollarzuflüsse in die europäischen Länder, allen voran Westdeutschland, anlockte und zu einer Ausweitung der europäischen Währungsbandbreiten führte, da diese Währungen gegenüber dem US-Dollar an Wert gewannen. Am 10. Mai 1971 sah sich die Bundesbank gezwungen, die Deutsche Mark freizugeben, und der Wert des US-Dollar begann gegenüber der westdeutschen Währung zu fallen.

Dies wiederum führte zu der Annahme, dass der US-Dollar offiziell abgewertet werden würde, was wiederum weitere spekulative Zuflüsse in andere Währungen und aus dem US-Dollar heraus zur Folge hatte und dazu führte, dass die Zentralbanken in Europa riesige Mengen an unerwünschten US-Dollar hielten.

Am Freitag, dem 6. August 1971, erklärte Henry Reuss, Vorsitzender des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses für den Devisen- und Zahlungsverkehr, dass der US-Dollar überbewertet sei. Am nächsten Tag veröffentlichte sein Ausschuss einen Bericht, in dem diese Aussage wiederholt wurde. Dies wiederum führte zu weiteren Turbulenzen auf den Finanzmärkten, als diese am Montag, dem 9. August 1971, wieder geöffnet wurden.


Panik vor einem "Goldabfluss"

Angesichts der begrenzten Menge an Gold, die das US-Finanzministerium besaß oder zu besitzen vorgab, im Vergleich zu der weitaus größeren Menge an US-Dollar in den Händen "ausländischer" Zentralbanken auf der ganzen Welt, löste dies bei der US-Regierung und dem US-Finanzministerium natürlich die Panik aus, dass die verbleibenden US-Goldvorräte durch ausländische Zentralbanken, die ihre riesigen US-Dollar-Guthaben am Goldfenster des US-Finanzministeriums in Gold umtauschen, "geleert" werden könnten.

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Bildquelle: BullionStar, RT.com


Die Panik, einen Goldabfluss zu verhindern, war bereits Anfang August 1971 deutlich spürbar und wird in einem Gespräch vom 2. August 1971 zwischen US-Präsident Richard Nixon, US-Finanzminister John Connally, dem Direktor des US-Büros für Verwaltung und Haushalt George Schultz und dem Stabschef des Weißen Hauses Bob Haldeman deutlich, das in den berühmten Nixon-Tonbändern enthalten ist.

Diese Diskussion vom 2. August 1971 wird in einer 2009 von der University of Delaware eingereichten Dissertation von Scott W. Ohlmacher mit dem Titel "The Dissolution of the Bretton Woods System, Evidence from the Nixon Tapes, August - December 1971" auf faszinierende Weise erläutert. Ohlmacher schreibt:

"Connally betont weiterhin, wie wichtig es ist, den Goldabfluss zu stoppen."

Connally [direktes Zitat]: "Im internationalen Bereich ist das Problem eines - die Konvertierbarkeit von Dollar in Gold, und wir müssen das irgendwann stoppen...Jeder, ich sage 'jeder', die meisten Leute neigen dazu, zu denken, dass zehn Milliarden Dollar [an Goldreserven] der Punkt ist, unter den wir nicht gehen sollten."

Im weiteren Verlauf des Gesprächs kommt Haldeman zu Nixon und Connally hinzu. Connally und Haldeman schildern, wie ernst der Goldabfluss geworden ist. Haldeman stellt fest, dass die Vereinigten Staaten alleine in der Woche vom 2. August 1971 etwa 850 Millionen Dollar an Goldreserven verloren haben."

Connally fährt fort, dass die Franzosen in den letzten Wochen Reserven im Wert von über 1 Milliarde Dollar eingezogen haben und dass die Deutschen und die Niederländer weitere 200 bis 250 Millionen Dollar einfordern wollen. Connally ist der Meinung, dass der Präsident eine Entscheidung bis Mitte September aufschieben könnte, aber nicht später."


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Bildquelle: BullionStar, RT.com


Frankreich erschreckt die Amis

Auf der Liste der Länder, die im Juli 1971 nach US-Gold fragten, standen die Schweiz, die 50 Millionen Dollar in US-Gold kaufte, und Frankreich, das 191 Millionen Dollar in Gold umwandelte. Diese Goldtransaktionen werden durch einen Bericht des Board of Governors der US-Notenbank vom 21. Juli 1971 bestätigt, in dem es heißt:

"Bei offiziellen Transaktionen in diesem Monat ... verkaufte das US-Finanzministerium Gold im Gegenwert von 50 Millionen Dollar an die Schweiz."

"Im August werden das Vereinigte Königreich und Frankreich 638 Millionen Dollar bzw. 600 Millionen Dollar an den IWF zurückzahlen. Frankreich hat das US-Finanzministerium bereits über seine Absicht informiert, die für die Rückzahlung an den IWF erforderlichen 191 Millionen Dollar in Gold zu kaufen."


Dieser Goldverkauf im Wert von 191 Millionen Dollar an Frankreich wurde Anfang August definitiv abgewickelt, wie im Grünbuch der Fed vom August 1971 zu lesen ist:

"Am späten Nachmittag des Freitags, dem 6. August, kündigten die USA ihre Fondsabhebung von umgerechnet 862 Millionen Dollar in belgischen Franken und holländischen Gulden sowie den Verkauf von 191 Millionen Dollar in Gold an Frankreich an."

Eine Summe von 191 Millionen US-Dollar bei 35 US-Dollar je Feinunze würde bedeuten, dass Frankreich 5,457 Millionen Unzen Gold (169,74 Tonnen) gekauft hat. Dabei könnte es sich um dasselbe Gold handeln, das die Franzosen dann per Militärschiff von der Ostküste der Vereinigten Staaten nach Frankreich zurücktransportiert haben sollen (siehe unten). Da die Banque de France ein Golddepot des IWF ist, wäre es dennoch logisch, das Gold nach Paris zurückzubringen, da der Goldankauf zur Rückzahlung an den IWF bestimmt war und in den Goldbestand des IWF bei der Banque de France übertragen werden konnte.

Zusätzlich zu diesem Goldankauf im Wert von 191 Millionen Dollar durch Frankreich wollten die Franzosen Anfang August 1971 offenbar noch mehr Gold aus dem US-Finanzministerium kaufen und taten dies möglicherweise auch. Außerdem hatten die Franzosen laut US-Finanzminister Connally (siehe oben) "in den letzten Wochen Reserven im Wert von über 1 Milliarde Dollar eingefordert."


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